Rügens Kreidefelsen brechen ab

Rügens Kreidefelsen brechen ab

Bei den berühmten "Wissower Klinken" erodieren die Kreidefelsen. Bald wird das Naturdenkmal verschwunden sein.

  • Rügen: Kreidefelsen-Abbruch nahe der Wissower Klinken 2010© dpa
    Abbruchstelle an der Steilküste der Insel Rügen bei Sassnitz im Nationalpark Jasmund: An der vielbesuchten Kreideküste sind am 27.07.2010 rund 200 bis 300 Tonnen Kreide und Mergel in die Tiefe gestürzt. Menschen wurden nicht verletzt.
  • Kreidefelsen-Abbruch auf Rügen© dpa
    Touristen gehen an der neuen Abbruchstelle an der Steilküste der Insel Rügen entlang.
Zuletzt passierte es im November 2010: Aus rund 80 Meter Höhe brach an den Kreidefelsen der Ostseeinsel Rügen ein großes Stück Kreide aus der Steilküste und stürzte in die Tiefe. Der Abbruch von rund 10.000 Kubikmeter Kreide ereignete sich nahe dem Kollicker Ufer rund drei Kilometer südlich des Königstuhls. Vermutlich hatten Niederschläge die Gesteinsschichten gelockert.

Das Nationalparkamt warnte vor weiteren Abbrüchen. Der Nationalpark Jasmund mit seiner 13 Kilometer langen Kreideküste wird jährlich von rund anderthalb Millionen Gästen besucht.

Abbruch im Sommer 2010

Einen größeren Abbruch gab es bereits im Sommer 2010: Ende Juli brachen unweit der Kreideformation "Wissower Klinken" erhebliche Teile der Kreidefelsen ab, 200 bis 300 Tonnen Kreide und Mergel lösten sich und stürzten an der bis zu 80 Meter hohen Steilküste in die Tiefe. An der Abbruchstelle türmen sich auf 20 Metern Länge die abgebrochene Kreide und Mergel fast drei Meter hoch auf.

Wissower Klinken: Berühmter Blick ist bereits zerstört
Rügen: Gemälde von Caspar David Friedrich
© dpa

"Kreidefelsen auf Rügen" von Caspar David Friedrich

Der Blick von den "Wissower Klinken" wurde durch Bilder des romantischen Malers Caspar David Friedrich bekannt. Die bizarre Felsformation mit einst bis zu 20 Meter hohen Zinnen aus Kreide ist eine der Touristenattraktionen an der Kreideküste, die "Wissower Klinken" sind das wohl meistfotografierte Naturdenkmal Deutschlands.

Durch die geologische Beschaffenheit der Kreide war die einzigartige Felsformation seit Jahren in Gefahr. Ursache für Abbrüche sind eiszeitliche Sande und Gesteinsschichten, die durch den Wechsel von Regen und Frost ins Rutschen geraten und die Kreide mit in die Tiefe reißen. Schon 2002 warnten Experten, dass innerhalb von 10 bis 20 Jahren mit dem Abrutschen der "Wissower Klinken" gerechnet werden müsse.

Größere Abbrüche seit 2008
Rügen Kreidefelsen Wissower Klinken
© dpa

"Wissower Klinken" vor dem Abbruch 2005 und danach

Tatsächlich brachen in den letzten Jahren immer wieder große Teile der Kreideküste ab. Im April 2008 hatte sich einen Kilometer entfernt von den "Wissower Klinken" eine Kreideformation auf einer Länge von mehr als 100 Metern aus der Wand gelöst, 15.000 Kubikmeter Kreide waren krachend und unwiederbringlich in die Tiefe gestürzt. Als Ursache wurden extreme Niederschläge vermutet, der in das Gestein eindringt und es aufweicht.

Verheerender Abbruch im Februar 2005

Nach heftigen Regenfällen brachen im Juli 2007 rund 5000 Kubikmeter Kreide von der Steilküste ab und stürzen in die Tiefe. Der Abbruch "mittlerer Größe" ereignete sich mit extremen Niederschlägen, bei denen innerhalb von 24 Stunden rund 62 Liter pro Quadratmeter niedergegangen waren. Der verheerendste Abbruch ereignete sich 2005, als in der Nacht zum 24.02.2005 mehrere der Hauptzinnen abbrachen und rund 50.000 Kubikmeter Kreidefelsen zerstört wurden.

Ursache könnte der Regen sein

Normalerweise kommt es durch Brandung, Frost und Niederschläge zu Abbrüchen, selten mitten im trockenen Hochsommer. Das Nationalparkamt warnt schon seit Jahren mit Hinweisschildern vor der Gefahr, die von Steilufern ausgehen kann. So sollte im Winter und im Frühjahr das Wandern an den Steilufern unterlassen werden.

Anreise nach Rügen:

Anreise mit dem Auto: Von Berlin auf die A10 Richtung Frankfurt O./Prenzlau. Von dort weiter auf die A11 Richtung Stettin/Prenzlau/Bernau-Süd. Bei Ausfahrt Kreuz Uckermark weiter auf die A20 Richtung Stralsund/Prenzlau. Hier dann die Ausfahrt nach Stralsund nehmen und weiter auf die B96 Richtung Sassnitz. Von dort weiter auf die L29 bis nach Rügen.

Anreise mit der Bahn: Mit dem Intercity von Berlin direkt nach Rügen. Oder mit der Regionalbahn bis Stralsund, dort umsteigen und weiter bis nach Rügen.

Mit dem Flugzeug: Nächstgelegener Flughafen ist Güttin auf Rügen in ca. 20 Kilometer Entfernung. Der Flughafen Rostock ist ungefähr 100 Kilometer entfernt.

Fotostrecken:

Rügen: Kreidefelsen brechen ab

  • Rügen: Kreidefelsen-Abbruch 2010© dpa
    Rügen: Kreidefelsen-Abbruch 2010
  • Rügen: Kreidefelsen-Abbruch nahe der Wissower Klinken 2010© dpa
    Rügen: Kreidefelsen-Abbruch nahe der Wissower Klinken 2010
  • Rügen: Kreidefelsen-Abbruch nahe der Wissower Klinken 2010© dpa
    Rügen: Kreidefelsen-Abbruch nahe der Wissower Klinken 2010

Rügens Kreidefelsen

  • Küstenrundfahrten vor Rügen© dpa
    Küstenrundfahrten vor Rügen
  • Rügen Kreideküste© dpa
    Rügen Kreideküste
  • Rügen Kreideküste© Antje Kraschinski/BerlinOnline
    Rügen Kreideküste

Winter auf der Insel Rügen

  • Rügen Binz im Winter© picture alliance / dpa
    Rügen Binz im Winter
  • Rügen: Wintersturm bei Sassnitz© dpa
    Rügen: Wintersturm bei Sassnitz
  • Rügen: Binz im Herbst© dpa
    Rügen: Binz im Herbst

Rügen

  • Rügen Kreideküste© dpa
    Rügen Kreideküste
  • Binz© Antje Kraschinski/BerlinOnline
    Binz
  • Rügen Binz© Antje Kraschinski/BerlinOnline
    Rügen Binz

Quelle: Antje Kraschinski/BerlinOnline/dpa

| Aktualisierung: 28. November 2010

Ostseeinsel Rügen