Darß: Im Land der Kraniche

Darß: Im Land der Kraniche

Zwischen Darß und Rügen rasten ab August zehntausende Kraniche- ein Schauspiel für Beobachter.

Kranich

© dpa

Im Herbst ist er der Star der Boddenlandschaft: Der Kranich ist allerdings nur auf der Durchreise in Richtung Süden.

Das Naturschutzgebiet an der Ostsee ist eine der bedeutendsten Kranichraststationen der Welt. Rund 70.000 Vögel kommen jedes Jahr dorthin - und locken auch viele Touristen an die Küste und auf die Inseln in Mecklenburg-Vorpommern.

Getreide für die Kraniche
Kraniche
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Mit einer Flügelspannweite von mehr als zwei Metern ist der Kranich der größte europäische Vogel.

Die Bauern der Region finden den Ansturm weniger witzig. Gegen die Touristen haben sie nichts - aber die hungrigen Vögel plündern auch gerne mal die neu eingesäten Flächen. «Früher bekamen die Landwirte für das so verlorene Korn Ernteschadensersatz», erzählt Günter Nowald, Leiter des Kranich-Informationszentrums in Groß Mohrdorf vor der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst. Inzwischen wurde eine andere Lösung gefunden, die alle Seiten glücklich macht: Es wird auf den Feldern Getreide zugefüttert.

Kraniche: 1,25 Meter große Vögel mit Trompetenruf
Durch das zusätzliche Korn lässt sich sogar ein wenig steuern, wo gepickt wird: «Die Kraniche werden mit dem Weizen an bestimmte Plätze gebunden», sagt Nowald. Das ist gut für die Gäste, die so auf den Beobachtungsplattformen der Region eine Art Sichtgarantie bekommen. Wenn auf den Feldern Tausende von Vögeln dicht an dicht stehen, «ist das eine Kulisse, wie Sie es kaum jemals finden.» Zu übersehen sind die Tiere sowieso nicht, der Graue Kranich wird 1,25 Meter groß. Ihr «Trompetenruf» tönt laut über die Felder und das Wasser.

Erste Kraniche landen im August an der Ostsee
Darss Kranichflug
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Ornithologen beobachten das abendliche Einfliegen von Kranichen in ihre Schlafreviere.

Die Kranichranger vom Informationszentrum sind das ganze Jahr über in Einsatz. Wenn im August die ersten Vögel landen, werden sie zwei Monate lang von weiteren Wissenschaftlern verstärkt. Sie alle stehen den Touristen an den Beobachtungsstationen Rede und Antwort, und sie stellen auch gerne ihre Spektive zur Verfügung. Die Geräte sind rund 3000 Euro teuer und eignen sich besonders gut zur Tierbeobachtung. «Manche Gäste kommen jedes Jahr wieder», erzählt Nowald.

Tanz der Kraniche
Fischland-Darss-Zingst Kraniche
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Kraniche tanzen nicht nur in der Paarungszeit.

Die Kraniche auf Fischland-Darß-Zingst kommen aus verschiedenen Gegenden in die Rastregion. Die Brutheimat der meisten ist Schweden, erzählt der Forscher. Es folgen anzahlmäßig die norwegischen und finnischen Kraniche. Am meisten fasziniert die Beobachter der «Tanz» der Kraniche.

Normalerweise führen ihn die Tiere in der Paarungszeit im Frühjahr auf. Wegen der fantasievollen Balzgebärden werden sie auch «Tänzer des Nordens» genannt. «Aber sie tanzen eigentlich in jeder Erregungssituation», sagt Nowald. Und die kann der Anblick eines Seeadlers auslösen - oder ein Streit um Nahrung.

40.000 Kraniche im Osten von Zingst
Die meisten Tiere stehen im Bereich des Großen Werder. Das ist eine weite Boddenlandschaft im Osten der Halbinsel Zingst. Rund 40.000 Tiere halten sich laut Nowald jedes Jahr allein in diesem Gebiet auf. Anfang November sammeln sie sich dann zum Weiterflug. Die Vögel von Fischland-Darß-Zingst haben meist Südfrankreich und Spanien zum Ziel.

Nahe an den Besuchern
Kraniche
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In der Nähe von Altenpleen bei Stralsund

Im Laufe des Herbstes landen mehr und mehr Kraniche auf den Feldern. Sie halten sich zunächst von den Beobachtungsstationen an den Rändern fern. Später werden es so viele, dass die Tiere Richtung Feldrand Futter suchen müssen, also nahe den Besuchern. Wird das Korn knapp, nähern sie sich ohnehin dem Zuschauer: «Kraniche fressen sich auf einem Feld von innen nach außen», erklärt Nowald.

Der Stein im Schnabel

Kraniche sind sehr wachsam. «Ihnen wird nachgesagt, auf jeder Feder ein Auge zu haben.» In der Mythologie ist der Kranich der Wächtervogel. Oft wird er mit einem Stein im Schnabel gezeichnet - den trägt er, damit er nicht einschläft. Fallen ihm doch einmal die Augen zu, weckt ihn das Geräusch des aufprallenden Steins sofort wieder. Vielleicht auch ein Grund für einen Tanz.

Kranich-Informationszentrum:

Kranich-Informationszentrum
Lindenstraße 27
18445 Groß Mohrdorf
Telefon: 038323/805 40

Anreise von Berlin nach Fischland-Darß-Zingst:

Anreise mit dem Auto:
Von Berlin auf die A10 Richtung Hamburg. Von dort weiter auf die A24 Richtung Hamburg/Rostock/Kremmen. Danach weiter auf die A19 Richtung Rostock/Wittstock. Dort die Ausfahrt Rostock-Ost nehmen und dann die B 105 in Richtung Stralsund folgen, bis zum Abzweig Richtung "Fischland/Darß" im Ort Altheide.

Anreise mit der Bahn:

Ribnitz-Damgarten/West und Stralsund sind mit IC- und IR- Verbindungen erreichbar, die Regionalbahn UBB verkehrt zwischen Stralsund und Barth. Direkter Anschluss von den Bahnhöfen durch die Buslinie 210, die auch andere Badeorte anfährt.

Anreise mit dem Flugzeug:
Nächstgelegener Flugplatz ist Rostock-Laage in rund 85 Kilometern Entfernung.

Fotostrecken:

Kraniche rasten an der Ostsee

  • Kraniche bei Stralsund im Herbst© dpa
    Kraniche bei Stralsund im Herbst
  • Kraniche bei Stralsund im Herbst© dpa
    Kraniche bei Stralsund im Herbst
  • Kranichflug auf dem Darss an der Ostseeküste© picture-alliance / dpa
    Kranichflug auf dem Darss an der Ostseeküste

Prerow auf dem Darß

  • Darßer Tür© die.tine/ Creative Commons
    Darßer Tür
  • Prerow Campingplatz© Antje Kraschinski
    Prerow Campingplatz
  • Prerow Campingplatz© Antje Kraschinski/BerlinOnline
    Prerow Campingplatz

Rügen

  • Rügen Kreideküste© dpa
    Rügen Kreideküste
  • Binz© Antje Kraschinski/BerlinOnline
    Binz
  • Rügen Binz© Antje Kraschinski/BerlinOnline
    Rügen Binz

Quelle: kra/BerlinOnline/dpa

| Aktualisierung: 30. Oktober 2010

Fischland Darss Zingst