Corona-Lockdown: Wandern wird in Brandenburg beliebter

Corona-Lockdown: Wandern wird in Brandenburg beliebter

Das Wandern erfreut sich in Brandenburg in der Corona-Krise wachsender Beliebtheit - gerade im Lockdown.

Wandern in Brandenburg

© dpa

Die Alte Bischofsburg, eine der Wittstocker Wahrzeichen und Sehenswürdigkeiten.

Den Schub wollen Tourismusverbände nutzen, um ihre Regionen noch attraktiver für Aktivurlauber zu machen. «Das Interesse am Wandern auch im Flachland hatte schon vor der Corona-Pandemie kontinuierlich zugenommen», sagte Birgit Kunkel, Sprecherin des Tourismus-Marketings Brandenburg (TMB). Wegen Corona scheine das Thema einen weiteren Schub bekommen zu haben. Online wächst das Interesse an Informationen zu Wandertouren.
So seien die Zugriffe auf die TMB-Wanderseite im Jahr 2020 im Vergleich zu 2019 signifikant gestiegen, sagte Kunkel. Sie liegen der Sprecherin zufolge auch jetzt mit Beginn des Frühlings seit mehreren Wochen wieder mit an der Spitze aller Zugriffe. Konkrete Zahlen über Wandertouristen lagen zunächst nicht vor. Jährlich gibt es den Angaben zufolge allein 92,3 Millionen Tagesreisen nach und in Brandenburg.
In Brandenburg stoßen sie auf ein Netz von über 2000 Kilometern touristisch besonders relevanter Wanderwege. Und es sollen noch weitere erschlossen beziehungsweise beworben werden. «Da das Thema boomt und durch die Pandemie auch der Nutzungsdruck zunimmt, widmen sich viele lokale Akteure diesen Aufgaben», sagte Kunkel. So habe sich etwa der Naturpark Stechlin-Ruppiner Land intensiv um die Ausschilderung, Infotafeln und Verbesserung der Wege gekümmert, um Besucher auch im Sinne des Naturschutzes zu lenken.
«Wir können entweder über den Lockdown jammern oder was machen», sagte Günter Lutz, Vorstandsmitglied im Tourismusverband Prignitz und einer von vier Wanderwegewarten der Stadt Wittstock (Kreis Ostprignitz-Ruppin). Die gut 90 Kilometer umfassenden Routen der Stadt, aber auch der umliegenden Region - darunter die Rheinsberger Seenlandschaft - werden in Wandervideos beworben und erweitert.
Lutz wanderte dafür die rund 15 Kilometer lange «Sieben-Berge-Tour» um Sewekow nahe der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern ab. Sein Kollege Jürgen Paul erstellte vor vier Jahren ein Wanderwegekonzept. «Hier dient Wittstock auch als Vorbild für die gesamte Prignitz», sagte Lutz. Die Prignitz sei wegen ihrer flachen Landschaft eigentlich weniger als Wanderregion bekannt, solle aber vor allem für den Aktivtourismus künftig weiter erschlossen werden. Dazu bringe der Verband demnächst eine Broschüre mit den schönsten 16 Wanderwegen im Nordwesten Brandenburgs heraus.
Aktivurlaub lockt auch zahlreiche Besucher regelmäßig in etwas hügeligere Regionen wie in den Fläming südwestlich von Potsdam. «Der Fläming ist bei Wanderfans aus Berlin und Brandenburg schon lange bekannt und lockt auch in diesen Wochen neue Entdecker, die Spaß an der Bewegung draußen in der Natur haben, in unsere Region», sagte Catharina Weisser, Sprecherin des Tourismusverbands Fläming. «Wir verzeichnen seit Beginn der Corona-Pandemie eine verstärkte Nachfrage an Aktiverlebnissen», sagte sie. Dazu zählten gleichermaßen Wandern, Radfahren und Skaten.
Auf die Wanderseite der Webpräsenz des Verbands haben seit Mai vergangenen Jahres nach Angaben von Weisser 190 Prozent mehr Nutzer zugegriffen als in den Vorjahren. «Insgesamt haben sich diesen April die Gästeanfragen im Vergleich zum April 2019 verdreifacht», sagte die Verbandssprecherin. Die Wanderinfrastruktur auf dem gut 300 Kilometer umfassenden Wegenetz allein im Hohen Fläming sei sehr gut ausgebaut. Es gebe markierte, überwiegend naturbelassene Wanderwege, Infotafeln, dazu Rast- und Einkehrmöglichkeiten. Jährlich finde dort mit dem Naturparkwanderfest auch eine große, dem Thema Wandern gewidmete Veranstaltung statt.
Nach Ansicht des Tourismus-Marketings Brandenburg gibt es noch Nachbesserungsbedarf in der Etablierung nicht nur einzelner Wege, sondern regionaler Wandernetze. Dem schließt sich Karl-Heinz Schmiedeke vom Brandenburgischen Wandersportverband an. Er beklagt, dass beispielsweise die Landeshauptstadt Potsdam komplett auf Radtourismus setze. Man finde fast ausschließlich nur noch Hinweisschilder zum Radtourismus, sagte Schmiedeke. «Die einst vorbildliche Markierung der vorhandenen Wanderwege wurde in Potsdam bewusst zu Gunsten des Radtourismus vernachlässigt.» Zudem hebt Schmiedeke den sportlichen Aspekt des Wanderns hervor, der zuletzt durch den Aktivtourismus immer mehr zur Nebensache geworden sei. «Wandern ist keinesfalls bei uns ein Zusammenfinden zu einem Spaziergang in eine Gastlichkeit.»

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Samstag, 8. Mai 2021 20:59 Uhr