Touristen verzichten zunehmend aufs Auto

Touristen verzichten zunehmend aufs Auto

Die ländlichen Regionen Brandenburgs wie die Uckermark oder der Spreewald sind hoch attraktiv für Touristen - doch leider hapert es dort oft bei den öffentlichen Verkehrsmitteln. Das Tourismusbarometer fordert ein Umlenken, damit die Gäste auch ohne Auto vorwärtskommen.

Eine Frau besteigt auf einen Zug mit ihrem Fahrrad

© dpa

Die Urlaubsgäste in Brandenburg wollen zunehmend aufs Auto verzichten und wünschen sich daher Verbesserungen bei den öffentlichen Verkehrsmitteln. Das ist ein zentrales Ergebnis einer Studie für das alljährliche Tourismusbarometer, wie der Ostdeutsche Sparkassenverband (OSV) als Auftraggeber am Donnerstag, den 22. August 2019 mitteilte. Brandenburg sei schon jetzt das Bundesland, in dem öffentliche Verkehrsmittel am häufigsten im Ausflugsverkehr genutzt würden. Jeder achte Tagesausflug wird nach Angaben des Verbandes mit dem Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) unternommen.
Doch gerade in den landschaftlich schönen ländlichen Regionen müsse es bessere Angebote des ÖPNV geben, erklärte der Verband. «Zu unflexibel, zu unübersichtliche Tarife, zu unbequem das Reisen mit Gepäck, sind oftmals geäußerte Gründe, warum die meisten Urlauber lieber das eigene Auto nutzen.» Daher müssten die öffentlichen Angebote in den Urlaubsgebieten flexibler gestaltet werden. Die zusätzlichen Einnahmen durch touristische Nutzung könnten dazu eingesetzt werden.
Als gutes Beispiel nennt das Tourismusbarometer Bad Saarow (Oder-Spree). Dort soll ein gemeinschaftlicher E-Shuttlebus für Gäste des Kurortes den Verkehr bündeln. Denn bisher nutzen alle Hoteliers in Bad Saarow ihre eigenen Fahrzeuge oder Taxis um Gäste abzuholen, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln angereist sind.
Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) befürchtet, dass die Sperrung der Schleuse Zaaren in der Oberen Havel-Wasserstraße eine «Konjunkturbremse» ist. Er forderte den Bund auf, schnell zu handeln. «Brandenburg hat ein positives touristisches Image und hat sich auch im internationalen Wassertourismus gut etabliert», erklärte Steinbach am Donnerstag laut Mitteilung. «Der Eindruck, unsere Produkte nicht zuverlässig anbieten zu können, kann langanhaltende massive Auswirkungen haben.» Wegen verzögerter Bauarbeiten ist der direkte Weg zwischen der Mecklenburgischen Seenplatte und Berlin auf Wasserstraßen blockiert, die Schleuse soll im November wieder öffnen.
Brandenburg wird nach jüngst veröffentlichten Halbjahresbilanz des Statistischen Landesamtes bei Touristen und Reisenden immer beliebter: Im ersten Halbjahr 2019 kamen rund 2,4 Millionen Gäste für fast 6,3 Millionen Übernachtungen in das Bundesland. Damit gab es 4,2 Prozent mehr Gäste und 3,7 Prozent mehr Übernachtungen als im Vorjahreszeitraum. Am beliebtesten sind nach der Anzahl der Übernachtungen das Seenland Oder-Spree (gut 1 Million Übernachtungen), der Spreewald (gut 926 000) und das Ruppiner Seenland (gut 674 000).
«Zehn Jahre Übernachtungszuwachs hintereinander. Das hat seit 2008 kein anderes ostdeutsches Land geschafft», sagte OSV-Präsident Michael Emrich am Donnerstag auf der Tourismus-Tagung in Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin). «Die Investitionen in kreative Angebote und hohe Qualität tragen Früchte.» Allerdings würden Arbeitskräfte in der Tourismusbranche zunehmend zur Mangelware, mahnte der OSV. Jeder vierte Ausbildungsplatz bleibe ungenutzt. Unternehmen, Politik und Gewerkschaften seien aufgefordert, für das Gastgewerbe einen Arbeitspakt zu schließen.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Donnerstag, 22. August 2019 13:21 Uhr