Broken-Heart-Syndrom: Herzschmerzen durch Liebeskummer

Auch Liebeskummer kann aufs Herz schlagen. Das Broken-Heart-Syndrom ruft ähnliche Symptome hervor wie ein Herzinfarkt - ist aber weniger gefährlich.
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Weniger gefährlich als ein Herzinfarkt, aber trotzdem schmerzhaft, ist das Broken-Heart-Syndrom. © dpa

«Es hat ihr das Herz gebrochen», - das sagt man so. Aber dass es das Broken-Heart-Syndrom tatsächlich gibt, wissen die wenigsten. Kardiologen befassen sich mit dem Broken-Heart-Syndrom als Krankheitsbild seit Anfang der 1990er Jahre. Die Stress-Kardiomyopathie, so der Fachjargon, kann bei schweren Verlusten, Trennungen und psychischer Belastung auftreten, berichtet Jürgen Pache, Chefarzt der Kardiologie an der Schön Klinik Starnberger See.

Broken-Heart-Syndrom: Symptome wie beim Herzinfarkt

Die Erkrankung geht mit ähnlichen Symptomen einher wie ein Infarkt: Das Herz krampft sich zusammen, die Brust schmerzt. Ursache ist aber keine verschlossene Ader, sondern eine stressbedingte Verengung der Herzkranzgefäße und damit eine Funktionsstörung des Herzmuskels.

«Das Broken-Heart-Syndrom ist eine Herzmuskelerkrankung, die durch ein hohes Level an Stresshormonen ausgelöst wird», erklärt Felix Schröder vom Herz- und Gefäßzentrum im Albertinen Krankenhaus Hamburg, der gerade ein Buch über das Herz geschrieben hat.

Ursache für Stress-Kardiomyopathie nicht immer feststellbar

Mit anderen Worten: Regt sich jemand sehr auf, kann es passieren, dass sein Herz nicht mehr richtig arbeitet. «Betroffen sind Menschen, die plötzlich existenziell in Not sind, etwa weil plötzlich die ganze Lebensgrundlage entzogen ist», sagt Pache. Allerdings kann das Syndrom auch nach körperlicher Belastung oder im Zusammenhang mit sehr starken körperlichen Schmerzen auftreten, die ihrerseits psychischen Stress verursachen. In einem Drittel der Fälle ist keine Ursache feststellbar.

Mediziner aus Japan haben das Phänomen als erste beschrieben

Zunächst war das Gebrochene-Herz-Syndrom vor allem bei älteren Frauen festgestellt worden, die ihren Mann verloren hatten. Mediziner in Japan, die das Phänomen als erste beschrieben, nannten es Takotsubo, weil die Form der linken Herzkammer an gleichnamige Tintenfischfallen erinnert.

Liebeskummer ist Stress für den Körper
Das Herz-Kreislauf-System leidet auch bei psychischem Stress.

Stress hat starken Einfluss auf Herz-Kreislauf-System

Psychischer Stress wie Trennung oder Mobbing können auch den Blutdruck nach oben treiben. «Das sind extreme psychische Belastungen, die ganz gewaltige Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System haben», sagt Pache. Ärzte vermuten, dass der Körper durch den Stress extrem viel Adrenalin und Noradrenalin ausschüttet. Diese Stresshormone wiederum lösen eine Kalzium-Ausschüttung aus. Gelangt das Kalzium in die Zellen, verkrampft sich der Herzmuskel - so die Theorie.

«Möglicherweise haben betroffene Menschen auch zusätzliche Bindungsstellen für Adrenalin und Noradrenalin», sagt Jana Boer vom Bundesverband Niedergelassener Kardiologen (BNK). Das würde bedeuten, dass sie stärker auf die Hormone reagieren als andere.

Liebeskummer und Herzschmerzen hängen eng zusammen

Menschen mit Liebeskummer berichten oft von Schmerzen in der Herzgegend, auch wenn sie meist ohne medizinische Hilfe auskommen. Verspannungen, Bauchschmerzen, Schlaflosigkeit, innere Unruhe, eingeschränkte Leistungsfähigkeit und ein geschwächtes Immunsystem - Liebeskummer kann den Körper gewaltig beinträchtigen, wie Iris Hauth, Präsidentin der Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde, erläutert.

Liebeskummer bisher kaum untersucht

Experimente in den USA hätten gezeigt, dass seelischer Schmerz und soziale Zurückweisung im Gehirn ähnliche Regionen aktivieren wie körperlicher Schmerz, sagt Hauth. «Es gibt einige wenige Studien, die die seelische Verarbeitung von Liebeskummer mit funktioneller Kernspintomographie darstellen», sagt die Ärztliche Direktorin am Zentrum für Psychiatrie des Alexianer St. Joseph-Krankenhaus in Berlin. Obwohl fast jeder Mensch im Laufe seines Lebens Trennung, Schmerz und unerfüllte Liebe durchleidet: «Der Liebeskummer an sich ist wissenschaftlich relativ schlecht untersucht.»

Therapeut oder Psychiater zu Rate ziehen

Was auch immer im Einzelnen dahintersteckt: Wichtig ist, dass Patienten, die schon mal ein Broken-Heart-Syndrom erlitten haben, auf sich Acht geben. «Das Syndrom ist deutlich gefährlicher, als wir bisher dachten», sagt Borggrefe. Zwar sterben Menschen mit Broken-Heart-Syndrom viel seltener während des Ereignisses als Herzinfarktpatienten. Langzeitbeobachtungen zeigen aber, dass es bei vielen Betroffenen immer wieder passiert.

Langzeitfolgen sind schwer nachweisbar. «Wir raten deshalb zu einer kombinierten Therapie aus Betablockern und Psychotherapie», sagt Boer. Die Medikamente blockieren die Rezeptoren am Herzen. In der Therapie sollen die Patienten zudem lernen, besser mit Stress umzugehen. «Ratsam ist auch Ausdauersport», sagt Borggrefe. Er stärkt nicht nur das Herz, sondern hilft auch, mit Stress besser umzugehen. Dass enttäuschte Liebe in manchen Fällen suizidal endet, hat Johann Wolfgang von Goethe in «Die Leiden des jungen Werther» eindrücklich beschrieben.

Valentinstag
Der Valentinstag gilt als Tag der Liebenden, kann aber auch in Stress ausarten.

Risiko steigt an Weihnachten und am Valentinstag

Kaum belegbar, aber häufig beobachtet: Gerade am Valentinstag gibt es - wie an Weihnachten - Experten zufolge besonders oft Knatsch und Beziehungskrisen. «An Tagen, an denen hohe Erwartungen bestehen an die Einfühlung und das aufeinander Eingehen, kommt es natürlich leichter zur Differenz - gerade wenn die Beziehung schon vorher problematisch war», sagt Hauth.

Streit zum Valentinstag meist unerwartet

Sandra Neumayr, Vizepräsidentin des Berufsverbands psychologischer Berater, betreut seit 2012 per Hotline «Opfer» des Valentinstages. Es schmerze, «andere Verliebte zu sehen und selbst unglücklich zu sein». In bestehenden Beziehungen wiederum wögen Konflikte schwerer als sonst. «Am Tag der Liebe stellt man sich etwas Anderes vor, als Kälte, Streit, Vorwürfe und Kränkungen.»

Literatur:
Felix Schröder, Nina Weber: Was das Herz begehrt: Wie wir unser wichtigstes Organ bei Laune halten, Edel Germany, 240 Seiten, 16,95 Euro, ISBN-13: 9783841905451

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