86 000 Brandenburger leben von 450-Euro-Minijobs

86 000 Brandenburger leben von 450-Euro-Minijobs

In Brandenburg haben rund 86 000 Menschen im Juni nur ein Einkommen aus einem Minijob von 450 Euro bezogen. Das teilte das Wirtschaftsministerium in Potsdam auf eine Anfrage des Linke-Fraktionschefs im Landtag, Sebastian Walter, mit. Weitere 40 400 Brandenburger hatten neben einem Minijob mindestens eine weitere Erwerbsquelle. Knapp 75 000 Erwerbstätige arbeiteten in einem sogenannten Midijob mit einem Monatsgehalt bis 1300 Euro. Das Ministerium konnte keine Angaben machen, wie viele Menschen ausschließlich von dem Midijob leben müssen. Im Gegensatz zu Minijobs sind Midijobs nicht steuerbegünstigt.

Im Juni erhielten den Angaben zufolge etwa 88 000 Arbeitnehmer oder 16,5 Prozent der rund 537 000 sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten in Brandenburg ein nicht konkret beziffertes Monatseinkommen im Bereich des ostdeutschen Niedriglohns. «Dabei bezieht sich die Landesregierung aus mir unerfindlichen Gründen auf Angaben der internationalen Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Nach Angaben der Bundesregierung waren es 2019 aber 35,1 Prozent, die zu Niedriglöhnen in Brandenburg arbeiten mussten», sagte Walter.
Nach den Worten des Linke-Abgeordneten, der auch wirtschaftspolitischer Sprecher seiner Fraktion ist, hat die coronabedingte Kurzarbeit zusätzliche soziale Verwerfungen ausgelöst. «Die größte Gruppe der Kurzarbeiter bilden Beschäftigte aus Gastronomie und Hotellerie. Gerade dort aber gilt es viele Minijobber, die keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld haben.»

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Für Walter ist es deshalb dringend erforderlich, dass Minijobs in steuer- und sozialversicherungspflichtige Teilzeitbeschäftigungen umgewandelt werden. «Minijobs bringen Minirenten. Damit ist Altersarmut programmiert.»
Wie aus der Antwort des Ministeriums weiter hervorgeht, war wegen der coronabedingten Umsatzeinbrüche in Brandenburg in den Monaten März bis Mai für rund 240 300 Erwerbstätige Kurzarbeit angemeldet worden. Die meisten Anmeldungen gab es für den Monat April mit knapp 150 000. Im Mai waren es lediglich 20 600 Meldungen. Die tatsächliche Zahl der Menschen, die verkürzt arbeiteten, steht erst nach einer fünfmonatigen Wartezeit fest, wenn die Betriebe die Anträge über die tatsächliche Kurzarbeit eingereicht haben.
Walter sprach sich auch dafür aus, das derzeit geltende Kurzarbeitergeld, dessen Regelung Ende dieses Jahres ausläuft, auf 90 Prozent des Nettoentgelts zu erhöhen und für die nächsten Jahre zu sichern. Wer den gesetzlichen Mindestlohn erhält, sollte 100 Prozent des Nettoentgelts als Kurzarbeitergeld erhalten.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Montag, 17. August 2020 05:45 Uhr