Schultüten: Wie der Zucker in die Tüte kam

Schultüten: Wie der Zucker in die Tüte kam

Ob rund oder sechseckig ist egal - zum Schulanfang zählt nur der Inhalt der Zuckertüte. Und was drin ist, fragen sich Kinder schon seit über hundert Jahren.

Zuckertüten für ABC-Schützen

© dpa

Die Zuckertüten von heute haben mehr in sich als Süßigkeiten.

Moderne Zuckertüten können mehr: Sehr beliebt seien Modelle, die unter anderem Dino-Schreie, Motorengeräusche oder Pferdegetrappel von sich geben, sagte die Juniorchefin von Nestler Feinkartonagen GmbH in Ehrenfriedersdorf im Erzgebirge, Bettina Nestler. Trotz gesunkener Schulanfängerzahlen können die Hersteller von Schultüten nicht über fehlende Nachfrage klagen. «Viele ABC-Schützen bekommen mittlerweile von Eltern, Verwandten und Bekannte zur Schuleinführung sieben bis zehn Tüten.» Das gleiche den Schülerschwund wieder aus. Mit Zuckertüten würden aber mittlerweile nicht mehr nur die angehenden Erstklässer, sondern auch Studienanfänger oder gar Fahrschüler bedacht, sagte Nestler.

Schultüten gibt es seit 200 Jahren

Die Sache mit den Zuckertüten hat laut Franz Neugebauer vom Schulmuseum in Dresden vor etwa 200 Jahren in Thüringen angefangen. Eine Mutter soll damals auf die Idee gekommen sein, ließ den Bäcker eine einfache Einkaufstüte aus schmucklosem, dickem Papier mit Zuckerwerk füllen und schenkte sie ihrem Sohn zum Schulanfang.
«Wann genau es die erste richtige Zuckertüte gab, weiß niemand so genau. Da gibt es noch viele Fragen», sagte der pensionierte Hamburger Lehrer Hans-Günter Löwe. Der 70-Jährige forsche seit etwa 30 Jahren zum Schulanfang. Ende 19. Jahrhunderts zeigten Fotografien Schulanfänger- vor allem aus vermögenderen Kreisen- mit recht stattlichen Exemplaren.

Schultüten: Sachsen gilt als Hochburg

Die Nestlers sollen nach der Jahrhundertwende mit die ersten gewesen sein, die fabrikmäßig hergestellte Zuckertüten auf den Markt gebracht haben. Sachsen gilt als die Hochburg der Zuckertütenherstellung, wobei es nur einige wenige größere Betriebe gibt.
Ehe der Brauch etwa auch in ganz Westdeutschland angekommen war, dauerte es allerdings noch bis in die 1950er Jahre. Doch im Osten werde auch der Schulanfang größer gefeiert, hieß es. Im Westen gehe es da viel ruhiger zu.

Schultüten: Im Westen rund, im Osten sechseckig

Für jeden gibt es die richtige Schultüte: Während die Eltern im Westen für ihre Zöglinge mehr die 70 Zentimeter langen, runden Modelle bevorzugen, sind die Tüten im Osten nach Händlerangaben zumeist 85 Zentimeter lang und sechseckig. Daneben gibt es die «Geschwistertüten» von 30 Zentimetern, damit Bruder und Schwester nicht traurig sind. Für die Verwandtschaft als Schenkende sind 50 Zentimeter angemessen. Die kleinen, 12 Zentimeter langen Tüten, sind indes mehr zur Dekoration.
Nestler produziert nach eigenen Angaben mit rund 60 Mitarbeitern jährlich etwa 2 Millionen Tüten für Deutschland, Österreich und die Schweiz. 2010 waren es noch 1,8 Millionen. Die Produktion starte immer zu Jahresbeginn hieß es. In diesem Jahr seien vor allem Motive aus dem Film «Star Wars», «Disney Cars», aus «Mia and Me» oder auch Barbie-Motive begehrt.

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Quelle: dpa

| Aktualisierung: Dienstag, 6. August 2013 09:41 Uhr

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