Woran Eltern Mobbing in der Schule erkennen

Woran Eltern Mobbing in der Schule erkennen

Harmlose Rangelei unter Freunden oder gezieltes Mobbing? Kaputte Schulsachen können auf beides hindeuten. So kommen Eltern dahinter.

Gewalt an Schulen

© dpa

Kommt das Kind häufig mit beschädigten Schulsachen heim, könnte dies auf Mobbing hindeuten.

Beschädigte Schulsachen können ein Hinweis darauf sein, dass ein Kind gemobbt wird, verweist der Berufsverband für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (BKJPP) in Berlin.

Anzeichen für Mobbing erkennen

Auch wenn das Kind nicht mehr zur Schule gehen will, es bereits morgens Kopf- oder Bauchschmerzen hat oder sich Freunde plötzlich von ihm abwenden, sollten Eltern aufhorchen. In manchen Fällen reicht das Taschengeld einfach nicht mehr aus, in anderen kommt das Kind mit blauen Flecken nach Hause. Erleiden Schüler längere Zeit psychische oder körperliche Gewalt durch Mitschüler, sind auch Depression und sogar Suizidgedanken möglich.

Über Gegenstrategien nachdenken

Eltern sollten ihr Kind bereits bei ersten Anzeichen ermutigen, über seine Gefühle zu sprechen und konkrete Fragen stellen - noch bevor sie Polizei oder Anwalt einschalten oder vertrauensvolle Gespräche mit Schulsozialarbeitern, Erziehern, Lehrkräften und Schulleitung führen. Hat das Mobbing gerade erst angefangen, könne es ausreichen, mit dem Kind über Gegenstrategien nachzudenken: In welchen Situationen wird es unter Druck gesetzt, und wie kann es sich dann wehren?

Ab wann die Schulleitung einbeziehen?

Wird es allerdings schon länger gemobbt, sollten sich die Eltern mit dem Klassenlehrer oder der Schulleitung in Verbindung setzen, rät der Verband. Wird ein Schüler gemobbt, müssten die Täter zur Rede gestellt und aktiv in die Lösung einbezogen werden. Der Lehrer sollte klar Stellung beziehen und das Opfer unterstützen.

Mobbing betrifft vor allem Grundschüler

Nach Einschätzung des Potsdamer Mobbing-Forschers Sebastian Wachs kommt Mobbing an jeder Schule vor. «Schätzungen zufolge sind etwa zehn Prozent der Schüler betroffen - als Opfer, Täter oder beides», so der Wissenschaftler und Autor. Laut einer Studie des Zentrums für empirische pädagogische Forschung der Universität Koblenz-Landau betrifft dies vor allem Grundschüler. Je älter die Kinder werden, desto seltener sind sie Opfer.

Unterschiedliche Studien und Zahlen

2017 ergab eine Untersuchung im Rahmen der internationalen Pisa-Bildungsstudie, dass in Deutschland fast jeder sechste 15-Jährige (15,7 Prozent) regelmäßig Opfer teils massiver körperlicher oder seelischer Misshandlung durch Mitschüler wird. In einer anderen Studie, Cyberlife II, gaben im selben Jahr ein Viertel der befragten Schüler an, schon einmal von Mobbingattacken betroffen gewesen zu sein.

Cybermobbing über WhatsApp

Gut die Hälfte davon (13 Prozent) fühlten sich als Opfer von Cybermobbing, einer digitalen Spielart: Statt auf Schulflur oder Pausenhof herumgeschubst, erpresst oder geschlagen zu werden, passiert das Mobbing im Netz. Über WhatsApp-Gruppen oder andere Kanäle werden Opfer übel beschimpft, Lügen und Gerüchte werden in die Welt gesetzt - gerne auch anonym.

Eltern sollten besser hinschauen

Lehrer oder Eltern bekommen solche Attacken über das Netz oft überhaupt nicht mit. Viele haben keinen Einblick in die digitalen Parallelwelten, in denen sich die Kids bewegen. «Es gibt viele Gründe, da genauer hinzuschauen», mahnt Norman Heise, der in Berlin den Landeselternausschuss leitet. Und er sieht dabei nicht zuletzt die Eltern im der Pflicht: «Es kann nicht sein, dass sie ihren Kindern ein Smartphone schenken und den Rest dann der Schule überlassen.»

Hilfe für Mobbingopfer

Hilfe für Opfer von Mobbing gibt es auch beim Kinder- und Jugendtelefon «Nummer gegen Kummer» unter der Telefonnummer (0800) 1110333 oder im Netz unter www.nummergegenkummer.de.

Quelle: dpa/bearbeitet BerlinOnline

| Aktualisierung: Dienstag, 5. Februar 2019 14:17 Uhr

Einschulung: Tipps zum Schulstart