Homeoffice: Tipps für das Büro zu Hause

Homeoffice: Tipps für das Büro zu Hause

Weniger Zeitdruck, flexible Arbeitszeiten: Viele Berufstätige träumen davon, im Homeoffice zu arbeiten. Ein paar Tricks helfen, um zu Hause effektiv zu arbeiten.

Produktiv im Homeoffice

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Von zu Hause arbeiten - davon träumen viele. Doch nicht jeder kommt mit so viel Freiheit zurecht.

Lange Arbeitswege, Stress im Berufsverkehr, Ärger im Büro: Darauf würde jeder gerne verzichten. Wer von zu Hause arbeitet, hat diese Probleme nicht. Doch das Homeoffice passt nicht zu jedem. Um in den eigenen vier Wänden genauso produktiv zu sein, wie in der Firma, braucht es viel Disziplin und ein straffes Zeitmanagement.

Wie verbreitet ist Homeoffice?

Von zu Hause aus zu arbeiten, ist inzwischen keineswegs selten: Jeder dritte Berufstätige macht das regelmäßig, hat eine repräsentative Studie des IT-Branchenverbandes Bitkom von 2013 ergeben. Jeder Fünfte (21 Prozent) ist dabei täglich im Homeoffice tätig, jeder Zehnte (10 Prozent) immerhin an mehreren Tagen in der Woche. Vier von fünf Berufstätigen (79 Prozent) glauben, mit diesem Modell Job und Familie besser vereinbaren zu können.

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Besonders populär bei kleinen Unternehmen und in der IT Branche

Weit verbreitet ist das Arbeiten zu Hause vor allem bei kleinen Unternehmen mit bis zu 20 Mitarbeitern: Zwei von drei Beschäftigten dort (67 Prozent) dürfen im Homeoffice arbeiten, in größeren Unternehmen sind es dagegen nie mehr als 50 Prozent ergab eine Umfrage der Unternehmensberatung EY unter 800 Fach- und Führungskräften in Deutschland.

Nach Branchen betrachtet gibt es den höchsten Homeoffice-Anteil mit jeweils gut zwei Dritteln in den Bereichen IT und Medien (73 Prozent), Bildung und Forschung (69 Prozent) sowie bei Finanzdienstleistern (66 Prozent). Im Gesundheitswesen und im öffentlichen Dienst liegt der Anteil dagegen nur bei einem guten Drittel (35 und 36 Prozent).

Welche Vorteile hat die Arbeit von zu Hause aus?

Menschen, die von zu Hause aus arbeiten, haben oft auch weniger Zeitdruck und können sich den Tag flexibler einteilen, sagt der Psychologe Dietrich Manzey. Er arbeitet am Institut für Psychologie und Arbeitswissenschaft der Technischen Universität Berlin. Doch die Heimarbeit habe auch ihre Schattenseiten. Gerade weil der Zeitdruck fehlt, fingen viele an, zu trödeln oder Wichtiges auf später zu verschieben.

Die Umfrage von EY bestätigt seine Aussage. So sind die größten Pluspunkte der Arbeit am heimischen Schreibtisch die flexiblere Zeiteinteilung (79 Prozent) und die Möglichkeit, Zeit zu sparen - durch den fehlenden Weg zur Arbeit etwa (71 Prozent).

Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Die Umfrage ergab auch, dass die bessere Vereinbarung von Familie und Beruf für knapp die Hälfte der Befragten (48 Prozent) ein Argument für Homeoffice ist.
Arbeit im Homeoffice
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Wer im Home Office arbeitet, sollte sich ein eigenes Büro einrichten, getrennt vom Wohnbereich.

Wie organisiert man die Arbeit im Homeoffice?

Wer im Homeoffice erfolgreich sein will, sollte deshalb zunächst einmal darauf achten, Wohn- und Arbeitsbereich strikt zu trennen, rät Christian Weilmeier, Motivationscoach in Berlin. Ideal sei ein eigenes Arbeitszimmer. Bei der Ausstattung lohnt es sich, in Büromöbel zu investieren - und als Schreibtischstuhl nicht einfach den Klappstuhl aus der Küche zu nehmen. Gute Bürostühle können individuell auf die Größe des Einzelnen angepasst werden.

Wie sollte das Homeoffice-Büro ausgestattet sein?

Vom Laptop rät Weilmeier im Homeoffice ab. Menschen, die täglich in den heimischen vier Wänden arbeiten, sollten sich lieber einen PC mit stationärem Bildschirm und eigener Tastatur zulegen. Das vermeide zu nahes Sitzen vorm Bildschirm und schone die Augen.

Wie teilt man sich Arbeitszeit richtig ein?

Um Wichtiges nicht auf die lange Bank zu schieben, sollten Berufstätige im Homeoffice sich außerdem einen Zeitplan machen. «Am besten stellen Heimarbeiter sich den Ablauf des nächsten Tages am Vorabend zusammen», rät Weilmeier. Wer nach dem Motto «Womit fang ich denn heute an?» in den Tag startet, schaffe meist nicht viel, ergänzt Prof. Michael Kastner. Er arbeitet am Institut für Arbeitspsychologie und Arbeitsmedizin in Herdecke. Gefährlich sei, Stück für Stück nachlässiger zu werden und etwa jeden Tag zehn Minuten länger zu schlafen. Heimarbeiter nehmen sich deshalb am besten einen festen Arbeitsbeginn vor- und halten sich konsequent daran.
Die Arbeitszeiten können Berufstätige im Homeoffice nach ihren produktiven Phasen ausrichten, sagt Manzey. «Viele sind morgens am leistungsstärksten und lassen zum Nachmittag stark nach.» In dem Fall werden deshalb auch zu Hause am besten die üblichen Bürozeiten zwischen 9.00 und 17.00 Uhr eingehalten.

Wie steigern Pausen und Rituale die Produktivität im Homeoffice?

Die Gefahr ist zu Hause groß, entweder gar keine Pausen zu machen oder im Gegenteil zu bummeln. Gut ist deshalb, wenn Mitarbeiter in einem festen Rhythmus Pause machen- und in dieser Zeit auch tatsächlich entspannen. So können sie sich zum Beispiel vornehmen, mittags immer um die gleiche Zeit auszuruhen. Wichtig ist, in der Pause nicht verdeckt weiterzuarbeiten und zum Beispiel ein Fachbuch zu lesen, sondern ganz bewusst etwas anderes zu machen.
Erst in der Wohnung arbeiten, dann dort den Feierabend verbringen und entspannen: Beides unter einen Hut zu bringen, ist nicht leicht. Um beides voneinander zu trennen, sind Rituale wichtig. Das kann zum Beispiel sein, dass Mitarbeiter zum Ende ihres Arbeitstages immer ihren Arbeitsplatz aufräumen oder eine bestimmte Musik anmachen.
Homeoffice
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Wer von zu Hause aus arbeitet, läuft Gefahr, sich zu verzetteln.

Welche Nachteile kann die Arbeit von zu Hause aus haben?

Doch was nützt ein gut strukturierter Tagesablauf, wenn gerade in der produktiven Phase die Ideen ausbleiben? Viele Heimarbeiter hätten Bedenken, zu Hause unkreativ zu sein, erzählt Weilmeier. Im heimischen Büro fehle der Austausch mit Kollegen, die Diskussion in großer Runde.

EY kommt in seiner Umfrage zu demselben Ergebnis: Nur zwei von fünf Beschäftigten (39 Prozent) gaben an, sich vom Arbeiten zu Hause konzentrierteres Arbeiten zu versprechen. Und als größtes Minus wurde der mangelnde Austausch mit Kollegen genannt. 54 Prozent sehen diesen Nachteil. Und 50 Prozent fürchten gar die Ablenkung durch Privates. Gar keine Nachteile hat die Arbeit daheim nur für 14 Prozent der Befragten.

«Alles halb so schlimm», gibt Weilmeier Entwarnung. Es müsse ja nicht immer die ganz große Idee sein. «Was einem bei disziplinierter Arbeit einfällt, reicht für ein gutes Ergebnis meist aus.» Und mit ein bisschen Glück schieße einem der langersehnte Geistesblitz dann doch noch später beim Abwasch durch den Kopf.

Schadet Homeoffice der Karriere?

Daneben sitzt noch eine andere Angst Heimarbeitern im Nacken: So glaubt mehr als ein Viertel der Befragten in der Bitkom-Studie, dass die Arbeit von zu Hause der beruflichen Karriere schaden könnte. Für Manzey nicht ganz unbegründet. «Wer nur zwei bis drei Tage in der Woche im Homeoffice arbeitet, ist in dieser Zeit von der Kommunikation im Büro ausgeschlossen.» Von Entscheidungen und Absprachen erfahren die Kollegen zu Hause oft erst später. Wichtig sei deshalb, zu Hause den Kontakt zur Firma nicht zu verlieren.
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Wie hält man Kontakt zu den Kollegen?

«Dafür kann man sich nette Kollegen suchen. Ein täglicher Anruf oder E-Mail-Kontakt vermeidet, vom Informationsfluss ausgeschlossen zu werden.» Auch Menschen, die ausschließlich zu Hause arbeiten, empfiehlt Manzey stetigen Kontakt mit Auftraggebern und den fest angestellten Mitarbeitern. Am besten nicht nur per E-Mail. «Lassen Sie sich öfter mal blicken.» Wer ab und zu persönlich präsent ist, hinterlässt einen bleibenden Eindruck, und er motiviert sich ganz nebenbei auch immer wieder selbst.
Alles zu viel
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Homeoffice bedeutet häufig auch mehr Eigenverantwortung und kann zu Überforderung führen.

Homeoffice macht nicht immer glücklich

Hilmar Schneider, Leiter des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA), gibt zu bedenken, dass mehr Flexibilität und Verantwortung im Job tatsächlich nicht bei allen Menschen zu mehr Zufriedenheit führen. Das ist ein erstes Ergebnis einer umfangreich angelegten Studie, des IZA gemeinsam mit der Karriereplattform Xing. «Die Veränderungen bieten Chancen wie mehr Entscheidungsspielraum für Mitarbeiter, aber auch Gefahren durch Überforderung», sagt Schneider.

Ob ein Mitarbeiter zufrieden sei, hänge nicht nur von den Arbeitsbedingungen ab, sondern auch vom jeweiligen Persönlichkeitstyp.

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Quelle: dpa / Berlin.de

| Aktualisierung: Freitag, 27. März 2020 21:51 Uhr