Senior-Experten: Rentner beraten Unternehmen

Senior-Experten: Rentner beraten Unternehmen

Viele Senioren wollen nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben ihre Erfahrungen weitergeben. Eine Möglichkeit hierzu bietet die Arbeit als Senior-Experte.

  • Senior im Ausland© dpa
    Für Senioren gibt es viele Optionen, weiter in ihrem Job tätig zu sein - ehrenamtlich oder entlohnt, im In- oder Ausland.
  • Siegfried Müller in Äthiopien© dpa
    Von seinem Job kann Metzgermeister Siegfried Müller auch in der Rente nicht lassen - als Senior-Experte ist er in Äthiopien im Einsatz.
  • Hilfe zur Selbsthilfe© dpa
    Er zeigt Menschen in Äthiopien wie das Fleisch in die Wurst kommt.
Siegfried Müller ist Metzgermeister. Sein ganzes Berufsleben hat er sich mit Fleisch beschäftigt - und dabei viel Fachwissen angesammelt. Dieses Wissen gibt er nun als Rentner weiter: In Debre Zeyit, einem kleinen Ort südöstlich von Addis Abeba in Äthiopien. Müller ist einer von rund 11 000 Fachleuten, die beim Senior-Experten Service (SES) in Bonn registriert sind. «Wenn wir Anfragen bekommen und Experten mit Fachwissen haben, senden wir sie los», erklärt Susanne Nonnen, Geschäftsführerin der gemeinnützigen Gesellschaft.

Welche Motivation haben die Senior-Experten?

Wenn Berufstätige heute in Rente gehen, wollen sich viele noch nicht zur Ruhe setzen. «Viele, die aus dem aktiven Arbeitsleben ausscheiden, wollen nicht nur die Kinderwagen der Enkel schieben», erzählt Personalberaterin Helga Krausser-Raether aus Frankfurt am Main. Sie seien topfit und wollten etwas erleben. Eine Möglichkeit sei dann, im alten Beruf weiter tätig zu bleiben. Der SES ist eine der Organisationen, die Rentner dabei unterstützt.

Stellensuche

Detailsuche »

Wo arbeiten Senior-Experten?

Egal, ob ehrenamtlich oder entlohnt, bei Stiftungen oder Organisationen. Rentner sind als Senior-Experten vielerorts im Einsatz. Zum Teil auch beim alten Arbeitgeber. So hat die Firma Otto in Hamburg erst 2012 die «Otto Group Senior Expert Consultancy» gegründet, eine Pensionärsfirma. «Die Rentner sollen helfen, etwaige Lücken in Arbeitsprozessen zu schließen», erzählt Sandra Widmaier, Personalchefin bei Otto. Die Senioren bekommen einen Beratervertrag und ihr altes Gehalt, das an die heutigen Verhältnisse und den zeitlichen Einsatz angepasst wird. Maximal dürfen die Pensionäre an 50 Tagen arbeiten.

Welchen Vorteil haben die Senior-Experten für die Firmen?

«Die Senioren haben mehr Überblick und einen anderen Karrierebegriff», sagt Beraterin Krausser-Raether. «Sie müssen niemandem mehr etwas beweisen und den nächsten Karriereschritt planen.» Unabhängig seien die Rentner und zu nichts verpflichtet- eine gute Ausgangssituation, auch für all jene Ruheständler, die mit dem SES ins Ausland gehen.

Wer wird als Senior-Experte gebraucht?

Was einst als Idee aus Industrie und Wirtschaft entstand, hat sich während der vergangenen Jahrzehnte zu einem Selbstläufer entwickelt. «Im ersten Jahr haben wir bei 22 Anfragen geholfen, heute sind es pro Jahr rund 1600 Einsätze im Ausland», sagt Geschäftsführerin Nonnen. Der klassische Experte sei Diplom-Ingenieur oder Meister in einem Handwerk. Auch Facharbeiter sind gefragt. Diese kennen sich häufig mit älteren Maschinen aus, die in Entwicklungs- oder Schwellenländern noch im Einsatz sind.

Wie sind Auslandseinsätze der Senior-Experten organisiert?

Die Experten arbeiten immer ehrenamtlich. Der Auftraggeber übernimmt die Kosten, die vor Ort entstehen: Übernachtung, Transport, wenn nötig auch einen Dolmetscher. Die Einsätze im Ausland dürfen maximal ein halbes Jahr dauern. «Im Schnitt sind die Experten vier bis sechs Wochen unterwegs», berichtet Nonnen. Und im besten Fall bekommen die Senioren bei ihrem Einsatz nach der Rente Wertschätzung und ein bisschen Abenteuer, sagt Beraterin Krausser-Raether.
Rüdiger Zilske
© dpa

Rentner: Im Ruhestand Entwicklungshilfe leisten

Es gibt viele Möglichkeiten sich im Ruhestand sinnvoll zu beschäftigen. Über den Senior Experten Service (SES) werden Fachkräfte in Rente in die Welt vermittelt, um Entwicklungshilfe zu leisten. mehr

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 11. Juni 2014 13:11 Uhr