Ausbildungsstart: Azubis dürfen das Finanzamt nicht vergessen

Ausbildungsstart: Azubis dürfen das Finanzamt nicht vergessen

Beim Start in den Beruf betreten Jugendliche gleich mehrfach Neuland. Neben der Arbeitswelt müssen sie sich auch in der Steuerwelt zurecht finden. Worauf dabei zu achten ist.

Steuererklärung

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Bis zum 31. Mai müssen viele Steuerpflichtige ihre Steuererklärung beim Finanzamt abgeben. Foto: Armin Weigel

Mit dem ersten eigenen Gehalt geht es los: Die Steuerpflicht ruft. "Wer Geld verdient, muss Steuern zahlen", so laute die simple Faustregel, nach der sich auch Berufsanfänger richten müssen, sagt Christian Rech aus Trier. Allerdings greift der Fiskus nur zu, wenn der Grundfreibetrag überschritten wird. "Der liegt 2013 bei insgesamt 8130 Euro", sagt der Vorstand des Steuerberaterverbandes Rheinland-Pfalz. Im Jahr 2012 waren es 8004 Euro. Bis zu dieser Grenze verschont der Staat die Einkünfte.

Ab etwa 900 Euro Lohn im Monat werden Steuern fällig

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) informiert auf seiner Jugend-Website, dass ab rund 850 Euro Bruttoverdienst im Monat in der Regel Lohnsteuer zu zahlen sei, andere Azubi-Plattformen nennen rund 900 Euro als maximale steuerfreie Lohngrenze. Nutzt man alle steuerlichen Absatz-Möglichkeiten, kommt man aktuell auf 935 Euro, rechnet Steuerberater Rech auf Anfrage aus. Das ist für viele Lehrlinge eine Summe, die sie weder im ersten noch im letzten Ausbildungsjahr erreichen. "Insgesamt liegt die tarifliche Vergütung bei durchschnittlich 730 Euro im Monat", sagt Florian Haggenmiller, Bundesjugendsekretär beim DGB. Damit wäre der Fiskus außen vor.

Gehalt von Azubis schwankt je nach Ausbildungsberuf

Doch die Vergütungen schwanken selbst innerhalb der Ausbildungsberufe mit tariflicher Bezahlung. Während ein Bäckerlehrling bundesweit im Schnitt 500 Euro bekommt, erhalten Mauererlehrlinge im Westen durchschnittlich rund 970 Euro im Monat. Das geht aus einer Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) hervor.

Gehaltszettel gibt Lehrlingen Überblick über Abgaben

"Die Jugendlichen sollten sich ihren Gehaltszettel genau ansehen", rät Haggenmiller. Darin sind mögliche Abzüge einzeln aufgeführt. Fallen Steuern, also Lohnsteuer, Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer an, zieht der Arbeitgeber diese vom Brutto-Gehalt ab und überweist sie direkt an das Finanzamt. Dasselbe geschieht mit den Sozialabgaben, die der Chef nur dann komplett aus der eigenen Tasche zahlt, wenn die monatliche Vergütung 325 Euro nicht überschreitet. Bekommen Berufsanfänger mehr, müssen sie sich laut Haggenmiller mit etwa 20 Prozent ihres Brutto-Gehalts an diesen Sozialabgaben beteiligen.

Steuererklärung kann sich für Azubis lohnen

"Gibt es steuerliche Abzüge, lohnt sich in vielen Fällen die Abgabe einer Steuererklärung", sagt Rech. Azubis können, wie jeder andere Arbeitnehmer auch, bestimmte Aufwendungen mit den Steuern verrechnen und so Geld vom Staat zurückbekommen. "Das gilt auch für Jobanfänger, die in einer Berufsakademie lernen", sagt Bernhard Lauscher von der Vereinigten Lohnsteuerhilfe (VLH). Schließlich seien auch diese bei einer Firma angestellt.

Werbungskosten: Tausend Euro pro Jahr absetzen

Pauschal können Auszubildende 1000 Euro an Werbungskosten jährlich geltend machen. Erfahrungsgemäß würden die Wenigsten über diesen Pausch-Betrag kommen, sagt Lauscher. Wer es doch einzeln auflisten möchte, kann ihm zufolge unter anderem diese Ausgaben anteilig absetzen: Kontoführungsgebühr, Fahrtkosten zum Betrieb und zur Berufsschule, Fachliteratur, Büromaterial, spezielle Arbeitsschuhe und -bekleidung sofern sie nicht der Arbeitgeber stellt sowie Übernachtungskosten bei Lehrgängen.

Lehrlinge können Computer steuerlich geltend machen

Auch ein eigener Computer sei für viele Ausbildungsberufe mittlerweile unumgänglich und damit absetzbar, sagt Lauscher. Allerdings kann hier das Finanzamt ein Computer-Fahrtenbuch vorschreiben, warnt Rech. Darin müsse dann Buch geführt werden, wann man den PC tatsächlich beruflich nutzt.

Steueridentifikationsnummer statt Lohnsteuerkarte

Da es Lohnsteuerkarten in Papierform seit 2011 nicht mehr gibt, müssen Jugendliche, die ihre erste Ausbildung beginnen, ihrem Chef lediglich die elfstellige Steueridentifikationsnummer, das Geburtsdatum und die Religionszugehörigkeit mitteilen, sagt Lauscher. "Sie landen dann automatisch in der Steuerklasse I." Ein Schreiben mit der persönlichen Steueridentifikationsnummer, kurz der Steuer-ID-Nummer, sollte jeder in den vergangenen Jahren per Post bekommen haben. Die Nummer kann aber auch bei der zuständigen Meldebehörde oder beim Bundeszentralamt für Steuern schriftlich erfragt werden.

Zusätzliche Steuernummer erstellt das Finanzamt

Eine Steuernummer, die es parallel zur Steuer-ID-Nummer gibt, erstellt das Finanzamt automatisch, nachdem die erste Einkommensteuerklärung eingereicht wurde, erklärt Lauscher. "Das für sie zuständige Finanzamt finden Jugendliche im Internet, indem sie die Postleitzahl ihres Hauptwohnsitzes eingeben." Sollten sie unter 18 Jahre sein, müssen die Eltern als gesetzliche Vertreter die Steuererklärung unterschreiben.

Sozialversicherungnummer kommt von der Rentenversicherung

Die Sozialversicherungsnummer kennt hingegen die Krankenkasse und die Deutsche Rentenversicherung in Berlin. Berufsanfänger bekommen diese Nummer samt rosafarbenem Sozialversicherungsausweis per Post von der Rentenversicherung zugeschickt. "Um die Anmeldung kümmert sich der Arbeitgeber", heißt es dort. Berufsstarter sollten den Chef aber darauf ansprechen.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Montag, 8. Juli 2013 17:04 Uhr