Lärm am Arbeitsplatz: So schützen sich Arbeitnehmer

Lärm am Arbeitsplatz: So schützen sich Arbeitnehmer

Lärm am Arbeitsplatz kann nicht nur störend wirken, sondern in manchen Berufen bis zur Schwerhörigkeit führen. Wie Arbeitnehmer vorbeugen können.

Gesprächsfetzen mit Musik überdecken

© dpa

Mit Musik auf den Ohren lassen sich die Gesprächsfetzen im Großraumbüro überdecken.

Der Lärmpegel in Großraumbüros wird für manche Arbeitnehmer zur echten Belastung. Ob sich jemand besonders gestört fühlt, hängt stark von der individuellen Lärmempfindlichkeit ab. «Das ist durchaus sehr unterschiedlich», sagt Gert Notbohm, Lärmexperte bei der Deutschen Gesellschaft für Akustik (DEGA). Manche fühlen sich schon gestört, wenn andere den Lärm noch gar nicht als solchen wahrnehmen. Bei einem Geräusch sind sich aber alle einig: Wenn Informationsfetzen ins Ohr dringen, lenkt das ab. «Wenn es nur ein Rauschen ist, stört es nicht so, wie wenn einzelne Geräusche herausstechen», sagt Notbohm.

Geräusche helfen gegen Geräusche

Gegen diese einzelnen Geräusche helfen am besten: andere Geräusche. Zum Beispiel Musik, mit der sich die Betroffenen über Kopfhörer von den Informationsfetzen abschirmen. «Dann ist der Schallpegel zwar der gleiche, aber es ist weniger störend», erklärt Notbohm.

Komplette Stille wirkt beunruhigend

Das Prinzip Geräusche mit Geräuschen überdecken lebt auch davon, dass Menschen komplette Stille nicht zwangsläufig besser vertragen als ein Hintergrundrauschen. «Totale Stille hat auch etwas Beunruhigendes», sagt Notbohm. Sie sei relativ lebensfern. Selbst auf dem Land gebe es ständig Geräusche, vom Vogelzwitschern bis zum Pfeifen des Windes.

Kreative Ideen bis 70 Dezibel

Einer Studie der Universität Chicago zufolge entstehen kreative Ideen bei moderatem Hintergrundlärm sogar besser. So erbrachten die Probanden bis zu einer Lautstärke von 70 Dezibel bessere kreative Ergebnisse als bei 50 Dezibel. Für die meisten Großraumbüros sind das gute Nachrichten: Dort werden 60 Dezibel oft überschritten- «aber man kann trotzdem zurechtkommen», sagt Notbohm.

Konzentration wird durch Lärm gemindert

Zu laut ist allerdings kontraproduktiv. Vor allem bei Aufgaben, die eine hohe Konzentration erfordern: «Je höher die Konzentrationsanforderung ist, desto besser ist es für die meisten Leuten, wenn es stiller ist», sagt Notbohm. Ohrstöpsel sind dann die einfachste Lösung. Schwieriger ist der Versuch, Kommunikationsregeln für das Büro aufzustellen. Gespräche unter Kollegen sollten wenn möglich in die Kaffeeküche verlegt werden. Außerdem können sich die Kollegen auf einen Zeitraum einigen, in dem Telefonate tabu sind- soweit das eben geht.

Meditieren im Großraumbüro

Zusätzlich helfen Meditation und Autogenes Training. Denn: «Es hängt ein bisschen von einem selbst ab.» Wer sich sagt: «Ich schalte meine Ohren ab» und sich klar macht: «Ich bleibe mit meiner Aufmerksamkeit bei dem, was ich tue», könne die Gespräche der Kollegen teils ausblenden. Beschweren sich mehrere Kollegen über zu starken Lärm im Großraumbüro, stimme wahrscheinlich mit der Akustik etwas nicht, sagt Notbohm. Dann könne über den Betriebsrat angeregt werden, das Büro schalldämpfend umzugestalten.

Ohren brauchen nach langem Lärm Zeit zu regenerieren

Manche Berufstätige sind täglich so großem Lärm ausgesetzt, dass sie Gefahr laufen, schwerhörig zu werden. «Betroffen sind Metallbauer und Schreiner, aber auch Berufsmusiker oder Mitarbeiter in Diskotheken», sagt der Prof. Hans Drexler. Um ihre Ohren zu schützen, sollten sich Lärmarbeiter in ihrer Freizeit zum Ausgleich am besten in möglichst ruhigen Umgebungen aufhalten. «Statt in die Diskothek gehen sie lieber raus in die Natur», rät der Experte von der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin. Auf lautes Musikhören über Kopfhörer verzichten sie am besten ganz. Das Ohr brauche Regenerationszeiten.

Lärmschwerhörigkeit ist häufigste Berufskrankheit

Lärmschwerhörigkeit ist nach wie vor die häufigste Berufskrankheit in Deutschland, teilt der Verband der Betriebs- und Werksärzte mit. Rund vier Millionen Beschäftigte in Deutschland seien in ihrem Job einer gesundheitsgefährdenden Lärmbelästigung ausgesetzt, schätzt der Verband und beruft sich dabei auf Zahlen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung.

Hörfähigkeit nimmt schleichend ab

«Das Gefährliche ist, dass die Betroffenen die Schwerhörigkeit oft erst bemerken, wenn es schon zu spät ist», so Prof. Drexler. Meist nehme die Hörfähigkeit schleichend über die Jahre ab. Sind die Hörzellen einmal abgestorben, bilden sich keine neuen. Wichtig sei deshalb, dass betroffene Arbeitnehmer regelmäßig zu Vorsorgeuntersuchungen gehen und Hörtests machen. So können sie eine Verschlechterung früh erkennen und gegensteuern.

Gehörschutz an lauten Arbeitsplätzen

Außerdem sollten Arbeitnehmer an lauten Arbeitsplätzen möglichst einen Gehörschutz tragen. Aber auch der Arbeitgeber ist gefragt: In sehr lauter Umgebung sollte das Personal alle paar Stunden rotieren. Darüber hinaus sei es am besten, wenn Lärm von vorneherein verhindert wird und möglichst leise Geräte angeschafft werden.

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Quelle: dpa

| Aktualisierung: Dienstag, 30. April 2013 15:21 Uhr