Familienfreundlichkeit: Was Unternehmen tun können

Familienfreundlichkeit: Was Unternehmen tun können

Familienfreundlichkeit kann helfen, Fachkräfte an das Unternehmen zu binden. Die Modelle sehen ganz unterschiedlich aus.

Betriebskindergarten von Siemens

© dpa

Mit Betreuungs-Lohnzuschlägen oder eigenen Betriebskitas erleichtert zum Beispiel Siemens seine Fachkräfte die Rückkehr an den Arbeitsplatz.

Eigene Kita-Plätze, flexible Arbeitszeiten oder finanzielle Unterstützung: Viele Unternehmen in Deutschland greifen ihren Mitarbeitern bei der Kinderbetreuung unter die Arme. Das habe nicht nur einen gesellschaftspolitischen Zweck, sondern auch wirtschaftliche Gründe, sagen Unternehmerverbände wie BDA und DIHK, Sie beraten Firmen beim Thema Familienfreundlichkeit.

Warum sollten Unternehmen familienfreundlich sein?

«Der Wirtschaft ist Familienfreundlichkeit vor allem wichtig, Fachkräfte besser zu binden und zu gewinnen», sagt Jana Schimke, Referentin für Personalpolitik im Arbeitgeberverband BDA. Vor allem wenn künftig weniger Arbeitskräfte zur Verfügung stünden. Sowohl die Unternehmensleitungen als die Belegschaft wüssten um den Nutzen familienfreundlicher Maßnahmen. Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Achim Dercks, sagt: «Die Suche nach neuen Mitarbeitern, das Anlernen und der Auswahlprozess verursachen gravierende Kosten - da ist es besser, gut ausgebildete Fachkräfte auch über die Familienphase hinaus zu halten.»

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Wieviele Unternehmen bieten flexible Arbeitszeiten?

Laut Arbeitgeberverband BDA ermöglichten 2012 mehr als 84 Prozent der Unternehmen Teilzeitarbeit. Angeboten werden zudem individuelle Arbeitszeitmodelle, Gleitzeit und Arbeit zuhause (Home Office). Laut «Unternehmensbarometer 2012» des DIHK will die Hälfte der Firmen, bei denen es solche Angebote nicht gibt, dies in Zukunft ändern.

Wie sieht das bei Betreuungsplätzen aus?

Viele Unternehmen helfen entweder intern mit Betriebskindergärten oder extern in Kooperation mit den Kommunen. Laut DIHK geben 28 Prozent der Firmen an, selbst für Kinderbetreuung zu sorgen oder sorgen zu wollen - bei Firmen mit mehr als 1000 Beschäftigten tun dies sogar zwei Drittel. Betriebskindergärten rechnen sich aber nicht überall. «Die meisten kleinen Unternehmen sind aus finanziellen Gründen dazu gar nicht in der Lage», sagt Schimke.

Wie sieht eine finanzielle Unterstützung der Eltern aus?

Von einigen Börsenriesen gibt es Geld für den Nachwuchs - wie zum Beispiel von Siemens. Der Technologiekonzern legt monatlich bis zu 600 Euro für die Kita-Betreuung jedes Kindes auf den Lohn obendrauf. Junge Eltern sollen schnell wieder an den Arbeitsplatz zurückkehren. Siemens hat 2012 für das Programm elf Millionen Euro ausgegeben. Auch die Deutsche Börse finanziert die Betreuung und schießt monatlich bis zu 255 Euro netto zu. Der Chemie- und Pharmariese Bayer gibt für die Ferienbetreuung bis zu 100 Euro in der Woche.

Was soll die Politik aus Sicht der Verbände tun?

BDA und DIHK fordern, mehr Kita-Plätze außerhalb der Unternehmen. Die Bundesregierung will vom 1. August an für 39 Prozent der Kleinkinder unter drei Jahren einen Betreuungsplatz zur Verfügung stellen. Das ist aus Sicht der Arbeitgeber unzureichend. Lutz Goebel, Verbandspräsident der Familienunternehmen, kritisiert zudem die Bürokratie bei der Einrichtung betrieblicher Betreuungsangebote: «Da erwarte ich von der Politik bessere betriebsnahe Lösungen, etwa bezogen auf die bauliche Auflagen für Betriebskindergärten.»

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Dienstag, 26. März 2013 09:52 Uhr