Praktikum: Welche Rechte Praktikanten haben

Praktikum: Welche Rechte Praktikanten haben

Haben Praktikanten Anspruch auf einen Arbeitsvertrag? Wie viel Urlaubstage stehen ihnen zu? Und müssen sie auch kostenlos arbeiten? Was Praktikanten wissen sollten.

Praktikanten haben Rechte

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Auch Praktikanten haben Ansprüche. Sie sollten diese kennen.

Ein Praktikum gehört schon fast zum Berufseinstieg dazu. Viele Praktikanten erhoffen sich dadurch bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt und akzeptieren deswegen fast alle Bedingungen. Doch Praktikanten haben sehr wohl Rechte und sollten diese kennen.

Was ist ein Praktikum?

Manche Betriebe sehen in Praktikanten vor allem eine billige Arbeitskraft. Damit Hospitanten sich gegen eine schlechte Behandlung wehren können, müssen sie jedoch ihre Rechte kennen. Welche das sind, ist unterschiedlich. «Zuerst muss man klären, ob es sich um ein echtes Praktikum handelt», sagt Martin Bonelli, Berater für Arbeitsrecht bei der Industrie- und Handelskammer Darmstadt. Praktikum werde häufig alles genannt: vom Schnuppertag bis zur Teilzeitstelle.

Keine gesetzlichen Regeln speziell für Praktika

«Wir haben hierzulande das Problem, dass es keine gesetzliche Regelung speziell für Praktika gibt», ergänzt Florian Haggenmiller, Bundesjugendsekretär des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB). Das Bundesarbeitsgericht definierte 2003 ein Praktikum als vorübergehende Tätigkeit in einem Betrieb zum Erwerb praktischer Kenntnisse. Entscheidend seien die Inhalte des Praktikums, erklärt Bonelli. Steht das Lernen im Mittelpunkt oder die Mitarbeit im Unternehmen?

Pflichtpraktikum ist durch Studienordnung geregelt

Eindeutig ist der Fall bei Schülerpraktika oder Pflichtpraktika während des Studiums. «Rechte und Pflichten im Praktikum sind durch die Ausbildungs- und Studienordnungen klar geregelt», sagt Alexander Bredereck, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Berlin. Ein gesetzlicher Anspruch auf Vergütung besteht nicht. Deutlich mehr Rechte hat, wer aus freien Stücken bei einem Unternehmen hospitiert: Wenn das Praktikum dem Erwerb von neuen Kenntnissen und Fähigkeiten dient, fällt es unter das Berufsbildungsgesetz, das Ausbildungsverhältnisse regelt.

Praktikum oder normales Arbeitsverhältnis

Problematisch wird es dagegen, wenn das Praktikum nicht mehr der Ausbildung dient. «Bei einem Praktikum von Absolventen mit abgeschlossenem Studium ist man juristisch schnell bei einem normalen Arbeitsverhältnis», erklärt Bonelli. Steht die Arbeitsleistung im Mittelpunkt des Praktikums, hat der Praktikant dieselben Rechte wie ein Arbeitnehmer- und Anspruch auf faire Bezahlung. «Der Lohn darf dann nicht mehr als 30 Prozent unter der üblichen Vergütung liegen, sonst liegt Lohnwucher vor.»

Vorgespräch für Praktikanten

«Ein gutes Praktikum zeichnet sich dadurch aus, dass die Wünsche des Praktikanten ernst genommen werden», sagt Jessica Heyser, politische Referentin der DGB-Jugend in Berlin. Sie rät daher allen angehenden Praktikanten zu einem klärenden Vorgespräch. Praktikanten sind nämlich keine billigen Arbeitskräfte, sondern sollen Einblick in die Arbeitswelt erhalten.

Praktikanten brauchen keinen Vertrag

In dem Vorgespräch sollte es daher nicht nur um die Wünsche der Praktikanten gehen, sondern auch um ihre Rechte. Und im Idealfall sollten dies Unternehmen und Praktikant in einem schriftlichen Vertrag festhalten. «Es ist nicht so, dass Unternehmen gesetzlich verpflichtet sind, einen Vertrag aufzusetzen», sagt Heyser, die mit der DGB-Jugend genau um diese Verpflichtung kämpft. Aber wenn der angehende Praktikant dies offen anspricht, sollte ein Vertrag auch kein Problem sein.

Was der Praktikumsvertrag enthalten sollte

Im Praktikumsvertrag muss etwa stehen, welche Lern- und Ausbildungsziele es gibt, wie hoch die Vergütung ist und wie die tägliche Praktikumszeit aussieht, erläutert Kerstin Jerchel vom Bereich Recht und Rechtspolitik der Verdi Bundesverwaltung.

Arbeitszeiten für Praktikanten

Bei den Arbeitszeiten sind klare Regeln zu beachten. «Das ist aber eine Frage des Alters der Praktikanten», sagt Heyser.
- Jugendliche, die nicht mehr schulpflichtig sind, dürfen laut dem Bundesarbeitsministerium in der Regel nur 8 Stunden am Tag und 40 Stunden pro Woche arbeiten. Als Jugendlicher gilt, wer mindestens 15 und noch keine 18 Jahre alt ist.
- Bei unter 15-Jährigen ohne Schulpflicht liegen die Grenzen bei 7 Stunden am Tag und 35 Stunden pro Woche.

Nachtschichten und Wochenendarbeit für Praktikanten?

Auch hier wird zwischen Pflichtpraktika und freiwilligen Praktika unterschieden. Bei Pflichtpraktika müssen Hospitanten in der Regel weder Nachtschichten machen noch am Wochenende arbeiten, sagt Meier. Etwas anderes gilt nur, wenn zum Beispiel die Nachtschichten in dem Beruf ausdrücklich dazugehören, etwa bei der Feuerwehr oder der Polizei. Ist das nicht der Fall und der Chef setzt einen zum Beispiel wegen Personalmangel am Wochenende ein, müssen Hospitanten dieser Aufforderung nicht nachkommen.

Schichtarbeit im Praktikum wird extra vergütet

Bei den freiwilligen Praktika komme es darauf an, was im Vertrag geregelt ist. Steht dort, dass Wochenendarbeit und Nachtarbeit vorgesehen sind und man hat das unterschrieben, kommen Praktikanten um die ungewöhnlichen Arbeitszeiten kaum herum. Arbeitgeber sind allerdings dazu verpflichtet, diese Schichten extra zu vergüten. Das ist nicht mit der regulären Praktikumsvergütung getan.

Urlaubsansprüche für Praktikanten

Beim Urlaubsanspruch gelten unterschiedliche Regeln. Pflichtpraktika, die Studenten absolvieren müssen, unterliegen keinem arbeitsrechtlichen Schutz. Dort gibt es also grundsätzlich keinen Urlaubsanspruch. Wer hingegen etwa nach dem Studium freiwillig ein Praktikum absolviert, hat die gleichen Rechte wie ein Angestellter. Hier gelten die ganz normalen Regeln des Bundesurlaubsgesetzes. Nimmt man den Urlaub nicht, muss er zum Praktikumsende ausbezahlt werden. Heyser erklärt: «Praktikanten haben Anspruch auf Urlaub, und wenn man krank ist, muss man die Tage nicht ans Praktikum anhängen.»

Urlaubsanspruch variiert je nach Länge des Praktikums

Der Urlaubsanspruch variiert dabei je nach Länge des Praktikums. Esther Hartwich, Ausbildungsexpertin des Deutschen Industrie- und Handelskammertages in Berlin erklärt, dass Praktikanten laut Bundesurlaubsgesetz mindestens 24 Tage pro Jahr, also 2 Tage pro Monat zusteht. «Wenn man am Wochenende arbeitet, ist der Urlaubsanspruch größer», sagt die DGB-Jugend-Expertin. Außerdem hängen die Urlaubstage vom Alter ab. Unter-16-Jährige haben 30 Tage, Unter-18-Jährige 25 Tage pro Jahr Urlaub. Wenn der Praktikant aber nur sehr kurz im Betrieb ist, kann der Urlaubsanspruch laut Bundesarbeitsministerium wegfallen.

Vergütung für Praktikanten

Bei der Bezahlung gelten je nach Praktikumsart unterschiedliche Regeln. Beim Pflichtpraktikum gibt es keine Bezahlung. Jeder Praktikant sollte aber nachfragen, ob es nicht doch möglich ist, rät Heyser. Freiwillige Praktika hingegen müssen vergütet werden. «Wenn der Praktikant in Arbeitsprozesse eingebunden ist und einen wirtschaftlich verwertbaren Beitrag leistet, dann gibt es einen Anspruch auf eine angemessene Vergütung», sagt Hartwich.

Anspruch auf Mindestlohn?

Bei einem freiwilligen Praktikum steht Hospitanten ab 18 Jahren auf jeden Fall der Mindestlohn zu. Das gilt allerdings nur dann, wenn jemand tatsächlich Arbeitsleistung erbringt und nicht nur danebensteht und guckt, erläutert Hans-Georg Meier, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Berlin. Er rät Praktikanten, in einem Tagebuch festzuhalten, welche Aufgaben sie übernommen haben. Weigert sich der Arbeitgeber, eine Vergütung zu zahlen, haben sie so einen Beweis, um sie nachträglich einzuklagen. Der Arbeitgeber muss dann wiederum die Angaben des Hospitanten bestreiten. Das sei jedoch gar nicht so leicht. Der Anspruch auf Mindestlohn besteht außerdem, wenn das Praktikum länger als 3 Monate dauert.

Qualifiziertes Praktikumszeugnis ist nicht immer Pflicht

Ist das Praktikum vorüber, steht jedem Praktikanten ein Zeugnis zu. Gemeint ist damit allerdings bei Pflichtpraktikanten nur eine Bescheinigung, dass sie in einer bestimmten Zeitspanne im Unternehmen als Praktikant beschäftigt waren. Bei einem Pflichtpraktikum gemäß Ausbildungs- oder Studienordnung muss das Zeugnis mindestens so ausführlich sein, dass Praktikanten darlegen können, dass sie alle Aufgaben erfüllt haben, die in der Studienordnung vorgeschrieben sind.

Qualifiziertes Zeugnis nur bei freiwilligem Praktikum

Ein qualifiziertes Zeugnis mit einer genauen Tätigkeitsbeschreibung und Beurteilung ist hingegen laut Ministerium nur bei freiwilligen Praktikanten Pflicht. Ein Anspruch darauf besteht allerdings nur, wenn jemand mindestens zwei Monate im Betrieb war. Davor wird man häufig nichts dagegen machen können, wenn der Arbeitgeber nur eine Bescheinigung ausstellt, in der das Praktikum bestätigt wird.

Zeugnis rechtzeitig einfordern

Bis wann Praktikanten ein Zeugnis verlangen können, kommt darauf an, ob es sich um ein Pflichtpraktikum oder ein freiwilliges Praktikum handelt, sagt Meier. Ist das Praktikum in der Ausbildungsordnung oder im Studienplan verpflichtend vorgeschrieben, haben Hospitanten immer Anspruch auf ein Zeugnis, unabhängig davon wie spät sie danach fragen. Bei freiwilligen Praktika sollte man außerdem spätestens innerhalb eines Jahres aktiv werden und das Zeugnis einfordern.

Kündigungsrecht für Praktikanten

Wer sein Praktikum nicht bis zum Ende durchsteht, hat das Recht zu kündigen. Rein gesetzlich ist die Kündigung an Fristen gebunden. Manchmal ist die Kündigung auch im Vertrag geregelt. In der Praxis können Praktikanten aber meist jederzeit aussteigen.

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Quelle: dpa

| Aktualisierung: Montag, 7. Dezember 2015 10:21 Uhr

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