Schwangerschaft im Job: Kündigung möglich?

Schwangerschaft im Job: Kündigung möglich?

Es passiert immer wieder: Arbeitgeber kündigen Mitarbeiterinnen, wenn diese schwanger werden. Das Mutterschutzgesetz soll das verhindern- es greift aber nicht immer.

Schwanger im Job

© dpa

Wenn der Bauch schon so gut sichtbar ist, ist es eindeutig zu spät, dem Chef von der Schwangerschaft zu erzählen.


Angestellte Arbeitnehmerinnen, die schwanger werden, genießen in Deutschland besonderen Schutz. Das Mutterschutzgesetz- es gilt für alle Arbeitnehmerinnen, auch für Auszubildende oder geringfügig Beschäftigte- regelt, wie lange Arbeitnehmerinnen vor und nach der Geburt nicht beschäftigt werden dürfen, wie hoch die Bezüge in dieser Zeit sind und welche Bedingungen beim Wiedereinstieg in den Job gelten.
Zudem verstärkt das Gesetz den Kündigungsschutz für werdende Mütter. Trotzdem versuchen Arbeitgeber immer wieder, schwangere Angestellte zu kündigen. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema Kündigung während der Schwangerschaft.

Wie schützt das Mutterschutzgesetz vor Kündigung?

Nach dem Mutterschutzgesetz (MuSchG) dürfen Schwangere in Deutschland in den letzten sechs Wochen vor der Entbindung und bis acht Wochen nach der Geburt nicht beschäftigt werden. Bei Früh- und Mehrlingsgeburten ist diese Frist nach der Geburt zwölf Wochen lang. In dieser Zeit kann Schwangeren keine Kündigung ausgesprochen werden.

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Gilt der Mutterschutz bei befristeten Verträgen?

Arbeitgeber können den Mutterschutz durch befristete Arbeitsverhältnisse teilweise umgehen. Solche Verträge können auch während der Schwangerschaft ganz normal auslaufen. Da der Arbeitgeber annehmen könnte, dass eine Mutter nach der Geburt für längere Zeit ausfällt, könnte er dazu neigen, den Vertrag nicht zu verlängern. Wird ihm allerdings nachgewiesen, dass allein die Schwangerschaft der Grund dafür ist, stellt dies nach Europäischem Recht eine Diskriminierung dar.

Muss der Arbeitgeber über eine Schwangerschaft informiert werden?

Frauen haben die Pflicht, ihren Arbeitgeber über eine Schwangerschaft zu informieren, und zwar möglichst unverzüglich. Hat der Arbeitgeber zuvor eine Kündigung ausgesprochen- also ohne dass ihm die Schwangerschaft bekannt war- kann die Schwangere ihm innerhalb von zwei Wochen noch die Information nachreichen. Die Kündigung wird dann nachträglich unwirksam.

Kann Schwangeren in der Probezeit gekündigt werden?

Während der Schwangerschaft greift der Mutterschutz, auch wenn die Arbeitnehmerin noch in der Probezeit ist.

Wann gilt das allgemeine Kündigungsschutzgesetz?

Spätestens ein halbes Jahr nach der Anstellung gilt für Arbeitnehmer/innen das allgemeine Kündigungsschutzgesetz. Dann kann nicht mehr ohne Grund gekündigt werden- das gilt auch für Frauen, die in der Zwischenzeit schwanger geworden sind. Die Probezeit- die in der Regel drei bis sechs Monate dauert- kann durch eine Schwangerschaft also faktisch verkürzt werden.

Wie und wann sagt Frau es dem Chef?

Viele Frauen fürchten sich davor, ihrem Chef zu erzählen, dass sie schwanger sind. Denn dieser ist vom Ausfall des Mitarbeiters oft überhaupt nicht begeistert. «Dennoch sollte man seine Schwangerschaft nicht erst im letzten Moment bekanntgeben», sagt die Karriereberaterin Claudia Enkelmann aus Königstein im Taunus. Denn sonst habe der Arbeitgeber keine Chance, rechtzeitig einen anderen Kollegen einarbeiten zu lassen. So ein Verhalten sei unfair- und werfe ein schlechtes Licht auf einen. Enkelmann rät daher dazu, spätestens im sechsten Monat der Schwangerschaft dem Chef vom erwarteten Nachwuchs zu erzählen. «Denn dann hat der Arbeitgeber noch ausreichend Zeit, sich Gedanken über die Vertretung zu machen.» Weiter sollten Arbeitnehmer auf einen passenden Zeitpunkt für ein solches Gespräch achten. «Man sollte so etwas auf keinen Fall zwischen Tür und Angel besprechen», erklärt Enkelmann. Besser sei es, das Thema in einer ruhigen Minute kurz vor Feierabend anzusprechen.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 7. Dezember 2011 13:36 Uhr