Lehrbetrieb macht Pleite: Was passiert mit Azubis?

Lehrbetrieb macht Pleite: Was passiert mit Azubis?

Wenn der Lehrbetrieb Pleite geht, ist die Angst um den Ausbildungsplatz groß. Wer in solchen Situationen hilft und was Azubis beachten sollten.

Wenn der Lehrbetrieb pleitegeht

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Wenn ein Unternehmen Insolvenz anmeldet, ist das für die gesamte Belegschaft bitter, auch für die Azubis.

Wenn ein Ausbildungsbetrieb pleitegeht, haben die Lehrlinge oft das Nachsehen. Wird ihnen gekündigt, sollten sie sich schnell um eine neue Stelle kümmern.

Wie geht es nach betrieblicher Pleite weiter?

Die Anfragen von Jugendlichen, deren Ausbildungsvertrag wegen der Insolvenz des Betriebs gekündigt wurde, habe zugenommen, sagt Dirk Neumann vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB).

Geht ein Ausbildungsbetrieb in die Insolvenz, ändert sich für Auszubildende ähnlich wie für andere Arbeitnehmer meist aber zunächst nichts, erklärt Esther Hartwich, Expertin für Bildungsrecht beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK): «In der Regel geht der Betrieb ganz normal weiter. Der Auszubildende erhält weiter seine Vergütung und ist auch weiterhin verpflichtet, seinen Arbeitspflichten nachzukommen.»

Kündigungsverträge nicht leichtfertig unterschreiben

Ernst wird es für den Lehrling, wenn ihm die Kündigung ausgesprochen wird. «Die wichtigste Regel ist, dass man als Auszubildender keine Dokumente im Zusammenhang mit der Kündigung unterschreiben sollte, bevor man sich nicht fachlichen Rat geholt hat», sagt Neumann. Es komme immer wieder vor, das Arbeitgeber oder Insolvenzverwalter versuchen, durch Aufhebungsverträge oder ähnliche Vereinbarungen einen Vorteil zu erlangen.

Wann dürfen Arbeitgeber Azubis fristlos kündigen?

«Auch bei einer Insolvenz des Ausbildungsbetriebs ist die Kündigung nur bei einem wichtigen Grund möglich», sagt Esther Hartwich. Vor Eröffnung des Insolvenzverfahren sei das nur bei einer Stilllegung des Betriebs möglich: «In diesem Fall kann der Auszubildende fristlos entlassen werden.» Nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens sei die Kündigung auch dann möglich, wenn ein Ausbildungsbetrieb nicht mehr möglich ist.

Hilfe bei der Suche eines neuen Ausbildungspaltzes

Erste Ansprechpartner nach der Kündigung sind die Kammern und die Arbeitsagentur. Der Azubi sollte aber möglichst auch seinen bisherigen Chef in die Suche nach einem neuen Ausbildungsplatz einspannen. Der Ausbildungsbetrieb sei zwar im Fall einer Insolvenz rechtlich nicht verpflichtet, bei der Suche nach einer neuen Ausbildungsstätte zu helfen, erklärt Esther Hartwich: «Aber natürlich sollte auch der Arbeitgeber im Rahmen seiner Möglichkeiten helfen.»

Wie stehen die Chancen auf einen neuen Ausbildungsplatz?

Ihren Erfahrungen nach gelingt es Azubis durch die Vermittlung der Kammern in der Regel recht schnell, nach der Insolvenz einen neuen Ausbildungsplatz zu finden. Die Chancen, umgehend in eine Anschlussausbildung einzumünden, hängen nicht unerheblich von der Anzahl der potenziellen Übernahmebetriebe ab», sagt Kurt Eikemeier, Sprecher der Bundesagentur für Arbeit.

Ausbildungsbonus von bis zu 6000 Euro

Um einen neuen Ausbildungsbetrieb für einen durch eine Insolvenz «gestrandeten» Auszubildenden zu gewinnen, kann die Arbeitsagentur einen Ausbildungsbonus bewilligen. Dieser Zuschuss kann über die gesamte Ausbildungszeit bis zu 6000 Euro betragen. Normalerweise wird diese Förderung nur gezahlt, wenn dadurch ein zusätzlicher Ausbildungsplatz geschaffen wurde.

Im Zuge der Wirtschaftskrise wurde die Regelung aber geändert: «Auf das Kriterium kann bei Einstellung von Jugendlichen, die ihren Ausbildungsplatz wegen Insolvenz, Stilllegung oder Schließung des Ausbildungsbetriebes verloren haben, verzichtet werden», erklärt Eikemeier.

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Quelle: dpa

| Aktualisierung: Montag, 16. Januar 2017 15:19 Uhr