Temperatur am Arbeitsplatz: Konflikte sind vorprogrammiert

Wo der eine ins Schwitzen kommt, kriegt der nächste Schüttelfrost. Es ist eben schwer, es jedem Recht zu machen - das gilt besonders am Arbeitsplatz.
Großraumbüro
Jeder Mensch hat ein unterschiedliches Temperaturempfinden. Es ist fast unmöglich, es im Büro jedem Recht zu machen. Man selbst kann sich mit dem Zwiebel-Prinzip Abhilfe schaffen. Foto: Peter Dasilva © dpa

Während der Büro-Nachbar schon das Sakko ablegt, zieht die Kollegin noch mal ihren Schal fester. Menschen haben ein extrem unterschiedliches Temperaturempfinden - was dem einen viel zu kalt ist, ist dem anderen gerade angenehm.

Temperaturempfinden ist sehr individuell

«Die Körperkonstitution spielt hier eine große Rolle», sagt Valentin Goetz vom Institut für Betriebliche Gesundheitsberatung (IFBG). «Insbesondere Muskulatur und Unterhautfettgewebe haben einen entscheidenden Einfluss auf das jeweilige Temperaturempfinden.» Im Büro kann das für Streit sorgen. Denn mancher heizt sein Büro gerne nach dem Prinzip Sauna, andere verfahren eher nach dem Modell Eishalle.

«Die eine Wohlfühl-Temperatur gibt es nicht, das ist sehr individuell», bestätigt auch Kersten Bux von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin in Dresden.

Gesetzliche Mindest- und Höchsttemperaturen

Unterschiedliches Temperaturempfinden hat aber auch Grenzen, gesetzliche zum Beispiel: Kälter als 20 Grad sollte es bei der Arbeit nicht sein, wärmer als 26 Grad aber auch nicht. Das schreibt eine Arbeitsstätten-Richtlinie für leichte Tätigkeiten im Sitzen vor. Und spätestens, wenn jemand richtig kalte Füße hat oder zittert, muss etwas getan werden, sagt Goetz: «Spätestens dann kann es auch ernsthafte gesundheitliche Folgen geben.»

Heizen
Der eine Kollege mag es kühl, der andere mollig warm im Büro. Ideal zum Arbeiten sind Werte zwischen 20 und 24 Grad.

Ideales Arbeitsklima zwischen 20 und 24 Grad?

Ideal seien Werte zwischen 20 und 24 Grad. «Aber da kann man es nie allen recht machen.» Untersuchungen zufolge gebe es immer mindestens fünf Prozent «Meckerer», wenn es um die Temperatur in Arbeitsräumen geht. Das sei auch physiologisch bedingt: Frauen frieren zum Beispiel in der Regel schneller als Männer.

Frisches Klima verbessert Leistung

Zum effektiven Arbeiten empfehle es sich aber, die Heizung nicht zu sehr aufzudrehen: «lieber etwas frischer als zu mollig». Spätestens ab einer Raumtemperatur von 26 Grad lasse die Leistungsfähigkeit nach. Denn überheizte Luft macht schnell müde und unkonzentriert.

Kompromiss für Frostbeulen

In zu kalten Räumen werde die Luft schnell trocken, warnt Bux. Das könne dazu führen, dass Mitarbeiter über trockene und juckende Haut klagen. Es sei daher ein Fehler, im Winter zu lange im Büro zu lüften und das Fenster gekippt zu lassen, sagt Bux.

Besser sei Stoßlüftung - drei Minuten das Fenster aufzureißen, reiche. Das lässt sich auch eher mit Kollegen vereinbaren, die schnell frieren. «Man kann dann ja zum Beispiel in einer Pause lüften.» So dürfte sich mancher Streit mit Kollegen um die Temperatur vermeiden lassen.

Zwiebel-Prinzip zur Konfliktvermeidung

Goetz empfiehlt das Zwiebel-Prinzip - also möglichst viele Schichten übereinander zu ziehen, die sich dann je nach Thermometerstand an- oder ablegen lassen. «Es dient der Aufrechterhaltung unserer Konzentration, wenn der Körper nicht durch einen ständigen Temperaturausgleich abgelenkt ist.» Denn dieser Ausgleich kostet Energie - die dann an anderer Stelle fehlt.

Quelle: dpa
Aktualisierung: Montag, 16. April 2018 15:41 Uhr

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