Ausbildungsabbruch bedeutet nicht das Ende

Ausbildungsabbruch bedeutet nicht das Ende

Wer seine Lehre zu leichtfertig wegwirft, kann schnell auf die Nase fallen. Trotzdem schließt der Abbruch einen Neuanfang nicht aus.

Ein Abbruch ist kein Beinbruch

© dpa

Nicht immer ist ein Abbruch auch gewollt: Speziell in Krisenzeiten müssen handwerkliche Betriebe Insolvenz melden - und ihre Azubis einen neuen Arbeitgeber finden.

Nach nur wenigen Monaten seiner kaufmännischen Ausbildung in Hamburg warf Marcus Weber das Handtuch. «Es ist nicht das, was ich mir vorgestellt habe», klagte er seinen Freunden.

Jeder fünfte bricht ab

Kalte Betriebsatmosphäre, arrogante Vorgesetzte und keine berufliche Herausforderung nannte er als Gründe.

Der 18-Jährige ist mit dieser Erfahrung nicht allein. «Etwa jeder fünfte Auszubildende beendet sein Lehrverhältnis vorzeitig», sagt Ausbildungsexperte Thilo Pahl vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) in Berlin.

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Gründe

Für das im August begonnene Lehrjahr könnte dies bedeuten, dass etwa 80 000 Jugendliche die Berufsausbildung aufgeben.

«Bei rund 70 Prozent der Abbrecher liegen die Gründe im Betrieblichen, es sind beispielsweise Konflikte mit den Ausbildern, ungünstige Arbeitszeiten oder ausbildungsfremde Tätigkeiten», erläutert Anja Huth von der Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg.

Konsequenzen

Bei anderen entspricht der Beruf nicht ihren Vorstellungen, und sie suchen eine Lehrstelle in einer anderen Branche.

Abiturienten und Fachhochschüler, die eine duale Ausbildung begonnen haben, entscheiden sich häufig für ein Studium. Wer seine Ausbildung vorzeitig abbrechen will, muss sich diesen Schritt aber gründlich überlegen.

Berufsberater verweisen darauf, dass passende Lehrstellen nicht so einfach zu finden sind. Die Jugendlichen müssen versuchen, vor einer Entscheidung auftretende Schwierigkeiten selbst zu bewältigen.

Beratung

Die mit der Berufsausbildung befassten Institutionen versuchen, die Zahl der Abbrüche möglichst gering zu halten und den Azubis beim Auftreten von Problemen bereits am Arbeitsplatz zu helfen.

So beraten die Arbeitsagentur und die Kammern für Industrie, Handel und Handwerk schon in den Schulen zum Thema Berufswahl und weisen dabei auch auf die erforderlichen Abschlüsse hin.

Betriebswechsel

Nach Pahls Beobachtungen bedeutet ein Abbruch noch lange nicht das Ende der Ausbildung: 50 Prozent der Abbrecher beginnen eine neue Lehre.

Alexander Legowski vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) in Berlin schätzt den Anteil der Abbrecher im Handwerk auf etwa fünf Prozent.
Er macht darauf aufmerksam, dass in wirtschaftlichen Krisenzeiten auch Lehrverträge bei Insolvenzen aufgelöst und die Azubis dann in andere Betriebe vermittelt werden müssen.

Chancenverbau

Auf einen beliebigen Wechsel des Ausbildungsbetriebes sollten Jugendliche aber nicht setzen, besonders nicht in der momentanen Wirtschaftskrise.

Marcus Weber hatte Glück und bekam eine Lehrstelle in München, wo er schnell ins Team aufgenommen wurde und auch Aufgaben zugewiesen bekam. Viele, die die Tür unbedacht hinter sich zuwarfen, waren dagegen hinterher arbeitslos. Deshalb empfehlen Berufsberatungen, bei Schwierigkeiten am Ausbildungsplatz Hilfe zu suchen. Das gilt für Lernprobleme genauso wie bei Prüfungsängsten.

AbH: Ausbildungsbegleitende Hilfen

«Es gibt die Möglichkeit, rechtzeitig ausbildungsbegleitende Hilfen - kurz abH genannt - zu beantragen und damit einen Abbruch zu vermeiden», erklärt Huth. Die Kosten dafür übernimmt häufig die Arbeitsagentur.

Erfahrene Pädagogen helfen den Azubis bei der Vertiefung des Unterrichtsstoffes der Berufsschule und bereiten sie auf die Prüfungen vor. Bis zu acht Stunden pro Woche, begrenzt auf ein Jahr, dauert eine Unterstützung. «Der Auszubildende muss den Antrag bei der örtlichen Agentur für Arbeit stellen.»

Anspruch auf Unterstützung

Neuestes Instrument zur Hilfe bei Ausbildungsproblemen ist VerA. So lautet die Abkürzung für «Verhinderung von Abbrüchen und Stärkung von Jugendlichen in der Berufsausbildung». Dahinter steckt die Idee «Alt hilft Jung».

Ehrenamtliche Fachleute des Senior Experten Service (SES), einer Stiftung der deutschen Wirtschaft, haben in den vergangenen 26 Jahren weltweit Hilfe zur Selbsthilfe gegeben und stellen ihr Wissen jetzt unentgeltlich auch Azubis zur Verfügung. Sie vermitteln auch bei Konflikten mit Ausbildern.

SES: Senior Experten Service

«Jede Ausbildungsbegleitung ist individuell auf den Jugendlichen zugeschnitten», erklärt Julia Haun vom SES in Bonn das Konzept. Unter den bisher registrierten Interessenten sind angehende Bürokaufleute, Maurer, Konstruktionsmechaniker und Bäcker.

«Sie suchen unter anderem Unterstützung zu Prüfungsvorbereitungen und Stärkung von sozialer Kompetenz, also beispielsweise von Konfliktfähigkeit, Motivation und Selbstdisziplin», sagt Haun.
Die Ausbildungsbegleitung ist für die Azubis und die Betriebe kostenfrei und zunächst auf ein Jahr je Fall begrenzt. Sie kann aber bis zum Ende der Ausbildung verlängert werden. «Jeder Jugendliche, der an Ausbildungsabbruch denkt oder sich verbessern möchte, kann sich an der SES wenden», sagt Haun.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Donnerstag, 17. Februar 2011 10:27 Uhr

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