Bewerbung um ein Stipendium: Worauf es ankommt

Bewerbung um ein Stipendium: Worauf es ankommt

Bei einem Stipendium kommt es nicht nur auf gute Noten an. Viel wichtiger sind andere Kriterien.

Stipendien

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2009 wurden lediglich drei Prozent auf diese Weise gefördert.

Beim Bewerben um Stipendien kommt es nicht nur auf gute Noten an. Stiftungen legen auch Wert auf soziales Engagement und berufliche Ziele.

Förderer müssen zum Studenten passen

Ein Studium ist nicht billig. Wer keine reichen Eltern hat, muss deshalb aber nicht darauf verzichten. Es gibt etliche Stipendien, die von Stiftungen und Unternehmen angeboten werden. Beim Bewerben kommt es vor allem auf eins an: Entscheidend sei, dass angehende Studenten sich bei Förderern bewerben, die zu ihnen passen, sagt Rainer Jung von der Hans-Böckler-Stiftung in Düsseldorf. Es bringt also nichts, sich wahllos nach dem Schrotflinten-Prinzip zu bewerben.

Ehemalige Stipendiaten können Rat geben
Studenten auf dem Campus
© Sebastian Bernhard / www.pixelio.de

Stipendiaten an der Universität können Rat geben.

Bisher werden erst wenige Studenten auf diese Weise unterstützt: Nur drei Prozent erhielten 2009 ein Stipendium, wie das Deutsche Studentenwerk in Berlin ermittelt hat. Der erste Schritt zur Förderung ist es, einen Kontakt zu knüpfen. «Am wichtigsten ist der persönliche Aspekt, dass man Leute kennenlernt, die mit der Stiftung in Verbindung stehen», sagt Jan Bruckmann, der ein Buch zum Thema geschrieben hat und Stipendiat der Friedrich-Ebert-Stiftung war. Solche Leute sind an den Hochschulen oder in Regionalgruppen der Stiftungen zu finden. Gerade ehemalige Stipendiaten können einem dabei wichtige Tipps für ein späteres Auswahlgespräch geben.

Stiftungsziele und gesellschaftliches Engagement

Großen Wert legen Stiftungen darauf, dass Bewerber sich leistungsbereit zeigen und für die Ziele der Stiftung einsetzen. «Jede Stiftung versucht, das soziale Gefüge in Deutschland zu verbessern und sozial zu agieren», sagt Bruckmann.

So ist es auch bei der Hans-Böckler-Stiftung. «Gute Leistungen und gesellschaftliches Engagement: Wer diese Voraussetzungen mitbringt, hat gute Chancen, ein Stipendium zu erhalten», erklärt Jung. Denn die Noten entscheiden nicht allein.

Auch das gesellschaftspolitische Engagement der Bewerber zählt, etwa in Gewerkschaften, Parteien, Jugendorganisationen oder der Hochschulpolitik. Auch der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) in Bonn achtet bei Auslandsstipendien auf das Engagement «über die Grenzen des eigenen fachlichen Horizonts hinaus», erklärt Sprecherin Alexandra Helm.

Persönliche Aspekte im Lebenslauf berücksichtigen

Die schriftliche Bewerbung besteht meist aus Lebenslauf, einem Motivationsschreiben und Gutachten. «Der Lebenslauf lehnt sich an eine akademische oder Praktikums-Bewerbung an», sagt Bruckmann. Allerdings sollte man den Schwerpunkt eher auf persönliche Faktoren setzen - also etwa die Leitung einer Jugendfreizeit oder das Singen im Kirchenchor, wenn man sich bei einer kirchlichen Stiftung bewirbt.

Motivationsschreiben muss Gutachter überzeugen

Im Motivationsschreiben müssen Bewerber Bruckmann zufolge die Verbindung herstellen «zwischen dem, was man in der Vergangenheit geleistet hat und dem, was man in der Zukunft erreichen möchte». Es sollte herausstellen, inwiefern eine Förderung beim Erreichen der persönlichen Ziele hilft.

Der Gutachter sollte laut Bruckmann nach dem Lesen von drei Dingen überzeugt sein: Erstens, dass der Bewerber weiß, welche Vorteile ihm das Stipendium bietet. Zweitens, dass Förderer und Bewerber sich gut ergänzen. Und drittens, dass der Bewerber sich Ziele gesetzt hat, die er erreichen kann.

Bewerbung für Auslandsstipendium
Studieren im Ausland
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Auch Zeugnisse und Leistungsnachweise dürfen in der Bewerbung nicht fehlen. Sie sollen die gemachten Aussagen belegen. In Gutachten muss die fachliche Qualität bezeugt werden. Oft ist die Suche nach einem geeigneten Gutachter schwierig. «Da ist viel Fingerspitzengefühl nötig», sagt Bruckmann. Professoren sollte man eventuell schriftlich mitteilen, was für das Gutachten wichtig ist und wo die eigenen Qualifikationen liegen. Für eine Bewerbung um ein Auslandsstipendium muss zum Beispiel drinstehen, dass der Bewerber sich für Sprache, Kultur oder Religion des Landes interessiert.

Viele Anbieter von Stipendien vorhanden

Ist die erste Hürde geschafft, folgen meist die Auswahlgespräche. Seltener sind Klausuren, wie sie die Konrad-Adenauer-Stiftung ansetzt. «In den Interviews geht es stark um persönliche Eigenschaften», sagt Bruckmann. Wichtig ist hierbei, dass man Motivation, Eigenständigkeit, Teamfähigkeit und Kommunikationstalent zeigt. Oft gibt es eine Gruppendiskussion, die das Sozialverhalten beleuchten soll.

Dann folgt das Warten und Hoffen auf eine Zusage. Doch selbst eine Absage ist kein Weltuntergang. Anbieter von Stipendien gibt es genug, bei denen Bewerber es versuchen können. Sie richten sich vor allem an angehende Studenten und Erstsemester. Sie müssen sich nur trauen und die Mühe machen, sich zu bewerben.

Buch-Tipp:

Borreck, Max-Alexander, Bruckmann, Jan:
Der Weg zum Stipendium
Squeaker.net
ISBN-13: 9783940345073
281 S.
19,90 Euro

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| Aktualisierung: Dienstag, 24. August 2010 15:46 Uhr

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