Lebenslauf: Arbeitslosigkeit nicht verschweigen

Lebenslauf: Arbeitslosigkeit nicht verschweigen

Krankheit, eine Auszeit oder Jobsuche: Die Gründe für Lücken im Lebenslauf sind vielfältig - und oft nichts, womit man in einer Bewerbung prahlen möchte. Doch ein selbstbewusster Umgang damit kann die Chance auf einen neuen Job manchmal sogar verbessern.

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    Lücken im Lebenslauf lassen sich nicht vermeiden. Entscheidend ist, wie man mit ihnen umgeht. Foto: Christin Klose
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    Brüche im Lebenslauf müssen nicht von Nachteil sein. Bewerber können sie auch zu ihrem Vorteil nutzen. Foto: Robert Günther
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    Katharina Herrmann ist Mitglied im Präsidium des Bundesverbandes für Personalmanager (BPM). Foto: Jan Pauls Fotografie/50Hertz
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    Professor Annette Kluge arbeitet als Wirtschaftspsychologin an der Ruhr-Universität Bochum. Foto: Roberto Schirdewahn/Ruhr-Universität Bochum
Kündigung im März, neuer Job im November: Wer im Lebenslauf eine Lücke von über sechs Monaten hat, sollte sie in der Bewerbung erklären. «Bis zu einem halben Jahr Jobsuche ist derzeit völlig normal, da wird kein Personaler drüber stolpern», sagt Thomas Rübel, Berater beim Büro für Berufsstrategie in Berlin. Bei manchen Arbeitgebern ist das aber auch schon bei kürzeren Unterbrechungen zwischen zwei Stellen sinnvoll, rät die Karriereberaterin Svenja Hofert.

Auch bei Lücken authentisch bleiben

«Authentizität ist wichtiger als ein glatt geschliffener Lebenslauf wie aus dem Lehrbuch», sagt Katharina Herrmann vom Bundesverband für Personalmanager (BPM). «Als Personalerin möchte ich wissen: Wie geht der Bewerber mit der Ausnahmesituation um?»
Deshalb können Bewerber Lücken im Lebenslauf zu ihrem Vorteil nutzen, erklärt Jutta Boenig von der Deutschen Gesellschaft für Karriereberatung (DGfK). Sie rät: «Bewerber sollten zur Lücke stehen. Mit einem selbstbewussten Umgang können sie ihr Gegenüber beeindrucken.»

Auszeiten sinnvoll nutzen

Kritisch werde es erst, wenn Bewerber mehr als ein Jahr lang keinen Job hatten. Dann sollten sie versuchen, die Lücke mit Weiterbildungen oder Praktika zu schließen, sagte Rübel dem Magazin «Junge Karriere». Am besten, man legt die Lücken und Brüche möglichst positiv aus. Auch eine freiwillig genommene Auszeit wie eine Reise lässt sich dabei gut verkaufen. «Man hat die Gelegenheit beim Schopf ergriffen und sich einen lang ersehnten Traum erfüllt», schlägt Boenig als Erklärung vor. Schwieriger ist dagegen, Lücken wegen Arbeitslosigkeit oder gesundheitlichen Problemen positiv darzustellen. Ein Weg: Sie als Neuorientierung interpretieren und den Fokus darauf legen, die Krise überwunden zu haben.

"Kreativität" im Lebenslauf hilft nicht

Brüche im Lebenslauf mit ausgedachten Tätigkeiten zu kaschieren, geht Rübel zufolge leicht daneben. «Mut zur Wahrheit kommt bei Personalern besser an als fantasievolle Ausreden.» Solche Lügengebäude brechen laut Rübel meist spätestens im Vorstellungsgespräch zusammen. Das bedeute in der Regel dann das Aus für Bewerber - denn Unehrlichkeit sei ein K.o.-Kriterium.

Streichung ganzer Lebensabschnitte

Einfach weglassen, was im Lebenslauf schlecht aussieht, ist aber auch keine Lösung. Denn Lücken von mehr als zwei bis drei Monaten machen Personaler schnell stutzig.
Eine Ausnahme sind Krankheiten, Therapien oder Kuren: Sie gehören nicht in den Lebenslauf. «Da klingeln beim Personaler die Alarmglocken», erklärt Rübel.

Lücke im Lebenslauf klug formulieren

Allerdings sollte die Erklärung der Lücke auch nicht so formuliert sein, dass sie die Jobchancen schmälert. «Bei Krankheiten sollte also zum Beispiel möglichst dabeistehen, dass man wieder voll rehabilitiert ist», rät Hofert. «Wichtig ist, da einen positiven Ausblick zu vermitteln.» Ansonsten würden solche Umstände eher für Ängste oder Bedenken bei dem potenziellen Arbeitgeber sorgen.

Wort "Arbeitslosigkeit" im Lebenslauf vermeiden

Deshalb hat die Offenheit auch ihre Grenzen. «Je länger eine Erwerbslosigkeit dauert, desto geringer sind die Chancen auf Einladung, das ist leider einfach so», sagt Hofert. Sie empfiehlt daher, das Wort Arbeitslosigkeit möglichst nicht in den Lebenslauf zu schreiben. Stattdessen sollten Bewerber knapp auf andere Dinge wie Weiterbildungsmaßnahmen verweisen, die sie in der Zeit gemacht haben.

Erklärung schon bei zwei Monaten Pause

«In einer sehr konservativen Branche will man vielleicht auch schon für zwei Monate eine Erklärung,» so Hofert. Die Erläuterung der Lücke sollte in der Regel direkt im Lebenslauf stehen. Im Anschreiben kommt sie möglicherweise zu spät, so die Expertin: «Das lesen die Personaler meistens erst, wenn der Lebenslauf passt.» Die Erklärung der Lücke sollte dann möglichst ehrlich sein, schließlich müssen sich Bewerber im Ernstfall auch Fragen dazu stellen können. Eine längere Stellensuche fälschlicherweise zur «Weltreise» zu erklären, ist keine gute Idee.

Fachkräftemangel schafft Platz für Lücken

Den Grund für den inzwischen recht lockeren Umgang mit Lücken im Lebenslauf sieht Wirtschaftspsychologin Annette Kluge von der Ruhr-Universität Bochum unter anderem im Fachkräftemangel. «Den Unternehmen wird immer mehr bewusst, dass sich die Bewerber die Unternehmen aussuchen können.» Dadurch verringert sich der Druck auf Kandidaten, perfekte Lebensläufe zu präsentieren.

Freiwillige Auszeiten keine Ausnahmen mehr

Gleichzeitig nehmen sich immer mehr junge Leute schon früh Auszeiten, um sich ehrenamtlich zu engagieren oder zu reisen. «Einen wesentlichen Beitrag hat außerdem die Elternzeit für Väter geleistet. Es wird damit immer natürlicher und normaler, auch mal eine Auszeit für die Familie zu nehmen.» Das sieht Kluge sehr positiv. «Je mehr junge Leute in den Unternehmen nachrücken, die solche Erfahrungen mit Lücken selber gemacht haben, umso mehr - so hoffe ich jedenfalls - wertschätzen und verstehen sie diese Lücken auch bei Bewerbern.»

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Quelle: dpa

| Aktualisierung: Montag, 19. März 2018 17:22 Uhr