Toningenieur: Mediation von Technik und Musik

Toningenieur: Mediation von Technik und Musik

Der Toningenieur braucht beides: Technik-Know-How und ein musikalisches Gehör. Harte Aufnahmeprüfungen erschweren den Einstieg in den Beruf.

Toningenieur

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Per Knopfdruck den perfekten Klang kreieren: Der Mix aus Technik und Musik machts.

Ein Toningenieur sieht bei seiner Arbeit oft kein Sonnenlicht. Dafür ist er Herr über die vielen Tasten und Regler, die es an Mischpulten im Musikstudio oder bei Konzerten gibt.

Wer Toningenieur werden will, muss deshalb musikalisches Talent haben und sich gleichermaßen für Technik begeistern können. Klassischerweise bildet der Toningenieur bei aufwendigeren Musikproduktionen oder Mitschnitten größerer Konzerte mit dem Tonmeister ein Team. Während letzterer sich eher um die Klangästhetik kümmert, steht beim Toningenieur mehr die Technik im Mittelpunkt.

Arbeitsfelder

Er entscheidet beispielsweise, welche Mikrofone verwendet werden, verantwortet den Aufbau einer Beschallungsanlage und sorgt für eine bestmögliche Übertragung bei Hörfunk und Fernsehen. «Um dabei den stilistisch korrekten Sound zu kreieren, ist technisches und künstlerisches Verständnis gleichermaßen sehr wichtig», erläutert Werner Roth, Professor für Musikalische Aufnahmeleitung an der Musikhochschule in Düsseldorf.

Berufsbild

«Heutzutage werden beide Berufe vor allem in der Populärmusik häufig als gleichwertig angesehen», sagt Hans-Joachim Maempel vom Verband Deutscher Tonmeister in Berlin. Doch auch wenn Toningenieure oft selbstständig arbeiten und bei kleineren Produktionen beide Bereiche abdecken müssten, sei Teamfähigkeit wichtig, weil sie in ständiger Abstimmung mit Regisseuren und Künstlern stehen.

«Auf jeden Fall braucht man ein gutes Gehör und eine musikalische Begabung», sagt Maempel. Außerdem müssten Toningenieure unter Zeit- und Termindruck sorgfältig arbeiten können und bei Problemen innerhalb kürzester Zeit Lösungen finden können - etwa in unvorhergesehenen Situationen bei Live-Übertragungen.

Arbeitszeiten

Flexibel sollte ein Toningenieur auch sein. «Es kann schließlich passieren, dass die Arbeitsorte - also die Aufnahmestudios, Konzertsäle oder Bühnen - häufig wechseln», erklärt Adriana Galunic, Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg. «Darüber hinaus sind die Arbeitszeiten von Produktionsterminen abhängig, weshalb zum Teil nicht nur an Wochenenden und Feiertagen, sondern auch abends, in der Nacht oder schichtweise gearbeitet wird.»

Arbeitsplatz

Die Tätigkeitsfelder sind vielfältig: «Toningenieure arbeiten nicht nur bei öffentlichen und privaten Rundfunk- und Fernsehsendern, sondern auch beim Film und in der Musikindustrie für Klassik- und Popaufnahmen», sagt Galunic. Außerdem würden sie in Theatern, Opern- und Musicalhäusern und bei allen Veranstaltungen gebraucht, bei denen Tontechnik eine Rolle spielt. Viele würden sich auch mit eigenem Tonstudio selbstständig machen.

Studium

In Deutschland gibt es speziell für angehende Toningenieure nur zwei Bachelor-Studiengänge in Düsseldorf. Daneben gibt es weitere Studienangebote wie «audiovisuelle Medien» oder «Medientechnik», in denen die Arbeit am Tonmischpult eine Rolle spielt.

Aufnahmeprüfung

Die Plätze sind meist rar - und die Aufnahmebedingungen streng. In Düsseldorf etwa müssten Bewerber beim Aufnahmeverfahren nicht nur zeigen, dass sie ein Instrument aus dem U- oder E-Musikbereich spielen können, erklärt Prof. Roth. «Sie müssen auch eine Theorie- und Gehörbildungsprüfung ablegen, ihre Studienwahl schriftlich begründen und eine eigene Medienarbeit anfertigen.»

Auf die Prüfungen sollten Bewerber sich daher gut vorbereiten. «Um die musikalische Gehörbildung zu üben, gibt es spezielle Kurse», sagt Maempel. «Die technische Gehörbildung hingegen muss in Eigenregie erfolgen.»

Alternativen zum Studium

Um in der Branche Fuß zu fassen, muss man aber nicht zwangsläufig studieren. «Es gibt auch vor allem im Pop-Bereich viele Autodidakten», sagt Prof. Roth. Außerdem bieten private Schulen wie das SAE-Institute Ausbildungen für Tontüftler an.

Mit einem Studium sind diese aber nicht zu vergleichen. Die Kurse dauern nur zwei Semester, und es gibt keine musikalische Ausbildung. Dafür fällt auch eine Aufnahmeprüfung weg: Bewerber müssen lediglich 16 Jahre alt sein, einen mittleren Bildungsabschluss haben und die hohen Gebühren bezahlen können.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Freitag, 9. April 2010 14:40 Uhr

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