Müller: Verfahrenstechnologe zwischen Tradition und Hightech

Müller: Verfahrenstechnologe zwischen Tradition und Hightech

Beruf mit Zukunft: Der Müller heißt inzwischen Verfahrenstechnologe für Mühlen- und Futterwirtschaft. Statt Mehlsäcke zu schleppen, bedient er heute vor allem Maschinen.

  • Paul Reinholz© dpa
    Vom Korn zum feinen Mehl: Paul Reinholz lernt einen uralten Beruf. Er wird Müller. Die Ausbildung heißt heute Verfahrenstechnologe für Mühlen- und Futterwirtschaft.
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    Die Mühlenindustrie sucht Nachwuchs: Paul Reinholz hat sich für die Ausbildung zum Verfahrenstechnologen für Mühlen- und Futterwirtschaft entschieden.
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    Paul Reinholz hat nach der Ausbildung gute Aussichten auf dem Arbeitsmarkt. Zuletzt waren nur rund ein Prozent der Verfahrenstechnologen nach Angaben der Arbeitsagentur arbeitslos.
  • Mit Hightech zum Mehl© dpa
    In Deutschland werden pro Kopf im Jahr nach Angaben des Verbands Deutscher Mühlen etwa 75 kg Mahlerzeugnisse verbraucht.
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    Paul Reinholz hat in den Nordland Mühlen Jarmen in Mecklenburg-Vorpommern ein Schulpraktikum gemacht. Für ihn stand danach fest: Hier will ich eine Ausbildung machen.
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    Wer die Ausbildung zum Verfahrenstechnologen für Mühlen- und Futterwirtschaft machen will, braucht ein Interesse für Technik und muss fit in den Naturwissenschaften sein.
  • Paul Reinholz hält Mehl in einer Schippe© dpa
    Paul Reinholz macht derzeit eine Ausbildung zum Verfahrenstechnologen für Mühlen- und Futterwirtschaft. Anschließend will er die Meisterschule in Braunschweig besuchen.
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    Warten, schalten, einstellen: Der angehende Verfahrenstechnologe für Mühlen- und Futterwirtschaft Paul Reinholz weiß, wie die Maschinen in der Mühle funktionieren.
Als Paul Reinholz seinen Freunden erzählte, dass er Müller wird, konnten die sich darunter gar nichts vorstellen. «Ich musste erst mal erklären, wie technisch das Herstellen von Mehl inzwischen abläuft», erklärt er.

Alter Beruf, heute noch unentbehrlich

Der Beruf ist viele Jahrhunderte alt - und auch heute noch unentbehrlich. Die Nahrungsmittelindustrie käme zum Erliegen ohne Mehl. Nach einem Schulpraktikum in den Nordland Mühlen Jarmen in Mecklenburg-Vorpommern stand für Reinholz fest: Hier will ich eine Ausbildung machen. Die begann er nach dem Realschulabschluss. «Ich mag die Vielseitigkeit. Kein Tag gleicht dem anderen», sagt der 19-Jährige über seinen Job.

Verfahrenstechnologen sind Allrounder

Tatsächlich ist das Aufgabenfeld der Müller, die man seit 2006 Verfahrenstechnologen nennt, groß. «Verfahrenstechnologen sind Allrounder», sagt Peter Haarbeck, Geschäftsführer des Verbands Deutscher Mühlen. Sie kümmern sich nicht nur um die Einstellung der Maschinen, sondern halten auch Kontakt zu Kunden und Landwirten.

Hightech statt Seilwinden und Muskelkraft

Wer eine moderne Mühle betritt, taucht ein in eine computergesteuerte Hightech-Welt - komplett automatisiert und mancherorts vollständig digitalisiert. Warten, schalten, einstellen - Verfahrenstechnologen wissen, wie die Maschinen funktionieren. «Die älteren Kollegen hören schon am Geräusch einer Maschine, wenn etwas nicht stimmt», sagt Reinholz. Er arbeitet in einer vergleichsweise kleinen Anlage, die gut 150 Tonnen Getreide am Tag mahlt. In großen Mühlen kommen täglich mehr als 1000 Tonnen Getreide unter die Walze. Um diese Mengen zu bewältigen, gibt es Schichtbetrieb. «Das ist das Einzige, was mich an meinem Job wirklich stört», schildert Reinholz.

Ausbildung zum Müller dauert drei Jahre

Wer die dreijährige Ausbildung machen will, braucht ein Interesse für Technik. Angehende Azubis müssen außerdem fit in Naturwissenschaften sein. Die formalen Voraussetzungen sind niedrig: «Es reicht zum Beispiel ein Hauptschulabschluss», erklärt Haarbeck. Aber gute Leistungen in Mathe und Physik sollten sich auf dem Zeugnis widerspiegeln. Wichtig für den Beruf sei außerdem handwerkliches Talent und kaufmännisches Geschick.

Mühlenbetriebe suchen händeringend Betriebe

Wer sich davon nicht abschrecken lässt, hat gute Aussichten: «Mühlenbetriebe haben Schwierigkeiten, Auszubildende zu finden», sagt Haarbeck. Zu unbekannt sei der Beruf. Die Mühle ist eine Männerdomäne: Der Frauenanteil unter den Auszubildenden lag 2014 nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) bei 8,2 Prozent.

Ausbildungsvergütung und Gehalt

Die Ausbildungsvergütung liegt im ersten Jahr je nach Region zwischen 373 und 881 Euro, wie das BIBB mitteilt. Ein Müllergeselle kommt nach Angaben des Verbands Deutscher Mühlen auf ein Einkommen zwischen 24.000 und 36.000 Euro brutto pro Jahr. Es kann aber auch einmal deutlich weniger sein. 

Kleine Branche mit wenigen Stellen

Bei der Mühlenindustrie handelt es sich allerdings um eine sehr kleine Branche mit vergleichsweise wenigen Stellen. «Das erschwert die Situation sowohl für Bewerber als auch für Betriebe», sagt Susanne Eikemeier, Sprecherin bei der Bundesagentur für Arbeit.

Der Traum von der eigenen Mühle

Für Paul Reinholz ist die nächste Station die Meisterschule in Braunschweig. Er hat große Pläne: «Ich will irgendwann eine Mühle leiten.» Er weiß, dass er dafür den Ort wechseln muss, aber er hat damit kein Problem. «Das ist einfach fesselnd, wenn man diesen riesen Maschinenraum betritt für den man dann verantwortlich ist.»
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Quelle: dpa

| Aktualisierung: Dienstag, 18. Oktober 2016 13:57 Uhr