Schneider: Handwerker zwischen Stoffen und Bangen

Schneider: Handwerker zwischen Stoffen und Bangen

Auszubildende zum Textil- und Modeschneider brauchen vor allem Leidenschaft. Die Branche ist allerdings im Umbruch: Eine Jobgarantie gibt es nach der Ausbildung nicht.

  • Tätigkeit an der Nähmaschine© dpa
    Gut eingefädelt: Handwerkliches Geschick ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für angehende Textil- und Modeschneiderinnen wie Nora Strutzke.
  • Nora Strutzke© dpa
    Das Hobby zum Beruf gemacht: Den Traum, Textil- und Modeschneiderin zu werden, hat Nora Strutzke schon länger.
  • Nora Strutzke bei der Arbeit© dpa
    Learning by doing: Praktisches Arbeiten steht bei der Ausbildung zur Textil- und Modeschneiderin im Mittelpunkt. Nora Strutzke lernt den Beruf in Berlin.
  • Arbeit an einer Bluse© dpa
    Nora Strutzke näht seit ihrem zehnten Lebensjahr. Momentan arbeitet die angehende Textil- und Modeschneiderin an einer klassischen Bluse.
  • Nora Strutzke und Nathalie Schwarz© dpa
    Nora Strutzke (r) mit ihrer Ausbilderin Nathalie Schwarz.
  • Nora Strutzke an der Nähmaschine© dpa
    Ohne Konzentration geht nichts: Nora Strutzke absolviert am Berliner Oberstufenzentrum für Textiltechnik und Bekleidung eine Ausbildung zur Textil- und Modeschneiderin.
  • Nora Strutzke zwischen Kleidern© dpa
    Optimistisch in die Zukunft: Nach ihrer Ausbildung möchte sich Nora Strunzke selbstständig machen - oder Kostüme am Theater nähen.
Wer sein Hobby zum Beruf machen möchte, braucht Geduld und Durchhaltekraft. Das gilt auch für angehende Schneider. «Man muss die Leidenschaft dafür haben», sagt Nora Strutzke. Die 18-Jährige hat im vergangenen Herbst ihre Ausbildung zur Textil- und Modeschneiderin am Oberstufenzentrum für Textiltechnik und Bekleidung (OSZ) in Berlin begonnen.

Praktische Ausbildung mit Herausforderungen

Irgendwann habe sie gemerkt, dass sie kein Abitur machen, sondern lieber etwas Praktisches lernen möchte. Deswegen bewarb sie sich am OSZ. Obwohl sie Vorkenntnisse mitbringt, stellt sie die Ausbildung immer wieder vor Herausforderungen. Momentan arbeitet die Klasse an einer klassischen Bluse. Der Kragen sei das Schwerste, verrät Nora Strutzke. «Das sind so Sachen, an denen man verzweifeln kann.»

Welche Voraussetzungen müssen Schneider mitbringen?

Qualitätsbewusstsein sei neben handwerklichem Geschick eine der wichtigsten Voraussetzungen für angehende Textil- und Modeschneider, erklärt Nathalie Schwarz, Ausbilderin und Sprecherin der Fachpraxis-Kolleginnen am OSZ. Ausbildungsinhalte sind die Herstellung von kleinen Serien, Mustern und Prototypen von Bekleidung, aber auch Heimtextilien und Taschen oder Rücksäcken. Nach zwei Jahren sind die Auszubildenden fertige Textil- und Modenäher.

Welchen Schulabschluss brauchen Schneider?

Dann können sie direkt in den Job einsteigen oder noch ein Jahr für die Ausbildung zum Textil- und Modeschneider dranhängen. Dort spezialisieren sie sich auf einen Bereich: Prototypen und Serienfertigung, Schnitttechnik oder Arbeitsvorbereitung und Qualitätsprüfung. Neben dem Nähen und Zuschneiden geht es auch ums Drumherum: Lagerung, Kundenbetreuung und Vorbereitung für den Versand. Einen bestimmten Schulabschluss müssen Bewerber nicht vorweisen.

Wie gut geht es der Branche?

Anfang der 2000er habe es in Deutschland einen Einbruch in der Textilindustrie gegeben, berichtet Michael Assenmacher, Referatsleiter für technische Berufe beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Der Großteil der Branche konzentriert seitdem sich auf den Süden Deutschlands - oder ist ins Ausland abgewandert.

Wie viele Auszubildende gibt es noch?

Das zeigt sich auch in den Ausbildungszahlen. So berichtet Marlies Dorsch-Schweizer vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), dass die Zahl der Modenäher-Azubis in den vergangenen zehn Jahren um zwei Drittel zurückgegangen ist, die der Modeschneider-Azubis um die Hälfte. 2015 gab es in Deutschland noch rund 280 Azubis im Bereich Modenäher und rund 190 Azubis im Bereich Modeschneider.

Welche Schwerpunkte gibt es in der Schneiderlehre?

Um auf die aktuellen Entwicklungen in der Branche einzugehen, wurden die Inhalte der Ausbildung vor kurzem verändert. Im Zentrum stehen nun Materialien und neue Verarbeitungstechnologien. «Es entwickeln sich neue Fertigungstechniken - gerade, wenn man an den Bereich der Funktionstextilien denkt», erzählt Michael Assenmacher. Auch im Bereich der Prototypenproduktion würden in Deutschland Fachleute gesucht, die komplexe Maschinen bedienen können.

Wie gut sind die Berufsaussichten für gelernte Schneider?

Assenmacher gibt sich optimistisch, was die Zukunft der Branche angeht. Einige Textilunternehmen seien sogar nach Deutschland zurückgekehrt, berichtet er. Auch Textil- und Modenäher würden noch gebraucht - zum Beispiel von einigen hochwertigen deutschen Modelabels. Eine Jobgarantie gibt es aber nicht, daraus macht auch Ausbilderin Nathalie Schwarz keinen Hehl.
Sommerkleid von Frida Weyer
© dpa

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Quelle: dpa

| Aktualisierung: Montag, 22. August 2016 14:13 Uhr