Konditor: Mehr als nur das süße Leben

Konditor: Mehr als nur das süße Leben

Konditoren brauchen viel Fingerspitzengefühl beim Verzieren von Torten und Törtchen. Körperliche Fitness und ein bisschen Mathe aber auch.

  • Ausbildung zum Konditor© dpa
    Konditoren brauchen beim Verzieren von Torten eine ruhige Hand- und noch einiges mehr.
  • Kreativität© dpa
    Kreativ sein und mit den Händen arbeiten - als Konditor kann Antje Popp diesen Wunsch umsetzen.
  • Creme© dpa
    Ohne reichlich Creme schmeckt der Frankfurter Kranz nicht: Antje Popp hat während ihrer Ausbildung alles über seine Herstellung gelernt.
  • Teamwork© dpa
    Teamwork: Konditor Frank Steidel und Konditor-Gesellin Antje Popp arbeiten gemeinsam an einem Frankfurter Kranz.
Antje Popp hat sich auch für eine Ausbildung zur Konditorin entschieden, weil sie mit ihren Händen arbeiten, etwas Kreatives machen wollte. Ihre Vorstellungen vom Job haben sich größtenteils bewahrheitet, erzählt die Gesellin aus Hamburg. «Aber natürlich arbeitet man auf Kundenwunsch und kann nicht immer alles umsetzen.» Heute steht die 33-Jährige hauptsächlich in der kalten Konditorei, wo nicht gebacken werden muss. Sie kümmert sich darum, Sahne und Cremes anzuschlagen oder mit Marzipanmasse zu dekorieren. Dafür braucht sie eine ruhige Hand.

Praktikum vor Ausbildung zum Konditor empfohlen

Grobmotorisch sollte ein angehender Konditor daher nicht sein, weiß Gerhard Schenk. Er ist Präsident des Deutschen Konditorenbundes. Gut sei, vor der Entscheidung zur Ausbildung ein Praktikum zu machen. So erfahren Jugendliche nicht nur, ob ihnen die Arbeit gefällt. Sie können auch gleich Kontakt zum Betrieb knüpfen, in dem sie die Ausbildung machen möchten.

Ausbildung zum Konditor in Betrieb und Berufsschule

Bei Popp lief es genau so. Erst machte sie ein einwöchiges Praktikum, dann bekam sie den Ausbildungsplatz im gleichen Betrieb. Ein- bis zweimal in der Woche lernte sie außerdem in einer Berufsschule- da vor allem die Theorie.

Inhalte der Ausbildung zum Konditor

Dazu gehört zum Beispiel die Lebensmittelkunde. Sich mit den Inhaltsstoffen auszukennen, ist etwa wichtig, wenn Kunden Nahrungsmittelunverträglichkeiten haben, erklärt Johanna Telieps. Sie ist beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) für ernährungswissenschaftliche Berufe zuständig. Außerdem müssen Hygienestandards und Hintergründe von der Lagerung bis zur Verarbeitung gelernt werden.

Konditoren müssen auch rechnen können

Auch Mathematik gehört zum Konditorenalltag, erklärt Schenk. Zum Beispiel, wenn ein Konditor ein Rezept auf eine andere Menge anpassen möchte. Außerdem brauchen Konditoren einen Sinn für Formen und Farben.
Frühaufsteher
© dpa

Antje Popp steht schon frühmorgens in der Backstube, um Torten und Gebäck zu kreieren.

Konditoren müssen fit sein und früh aufstehen

Für Schenk ist auch noch etwas anderes Voraussetzung: ein gewisser Grad an Fitness. «Wir sind den ganzen Tag auf den Beinen», beschreibt er. Der Konditor arbeite nun einmal in einem Handwerksbetrieb, da sei Körpereinsatz gefragt. Langschläfer werden in dem Beruf übrigens voraussichtlich nicht glücklich. Etwa um 6.00 Uhr geht es los, sagt Schenk. Popp erzählt, sie stehe häufig auch schon um 4.30 oder 5.00 Uhr in der Konditorei.

Mehr Frauen als Männer machen Ausbildung zum Konditor

2012 entschieden sich- trotz des frühen Weckerklingelns- rund 1800 Auszubildende für eine Lehre als Konditor. Frauen sind mit etwa 1300 dabei deutlich in der Mehrheit.

Teamwork ist Alltag für Konditoren

Ohne Teamarbeit ist es schwierig, die vielen verschiedenen Torten und Gebäcke von der Backstube hinter die Theke und zu den Kunden nach Hause zu bekommen. «Man muss Hand in Hand arbeiten», erzählt Popp aus ihrem Alltag. Jeder macht zwar einzelne Schritte selbstständig- zum Beispiel die Dekoration einer Torte- aber das fertige Produkt ist meist ein Gemeinschaftswerk.

Berufsaussichten für Konditoren

Nach der Ausbildung stehen Konditoren mehrere Möglichkeiten offen: Zum einen können sie als Geselle im Betrieb bleiben, wenn sie übernommen werden. «Ein Teil macht auch eine zweite Lehre», sagt Schenk- zum Beispiel als Koch oder Bäcker. Über Fortbildungen können sie sich auch für die Lebensmittelindustrie oder -überwachung qualifizieren. Möglich sei außerdem, als Patissier auf einem Schiff zu arbeiten.

Eigene Konditorei ist kein Muss

Den Meister müssen Gesellen machen, wenn sie ihre eigene Konditorei führen wollen. Antje Popp hat sich dagegen entschieden. «Für mich hätte es nicht viele Vorteile», sagt sie. Die schönen Seiten des Jobs erfährt sie auch so: Dazu gehören besondere Aufträge wie Hochzeits- und Geburtstagstorten. «Wir haben einmal einen ganzen Freizeitpark nachgebaut mit Figuren.» Und wenn der Kunde mit den essbaren Kunstwerken zufrieden ist, mache sie das stolz.
Bäckermeister Karsten Berning
© dpa

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Quelle: dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 22. Juli 2015 14:27 Uhr