Orthopädiemechaniker: Handwerker mit Feingefühl

Orthopädiemechaniker: Handwerker mit Feingefühl

Der Orthopädiemechaniker stellt Hilfsmittel für Menschen mit Behinderungen her. Wer diesen Beruf ergreifen möchte, braucht nicht nur technisches Geschick, sondern auch Taktgefühl.

Orthopädiemechaniker Hartmut Herold aus Mühlhausen

© dpa

Orthopädiemechaniker- wie hier Hartmut Herold aus der Jüttner Orthopädie in Mühlhausen- fertigen etwa für Menschen, die ein Bein verloren haben, künstliche Gliedmaßen.

Um ein guter Orthopädiemechaniker zu werden, reicht es nicht aus, ein versierter Handwerker zu sein. Wer diesen Beruf ergreifen möchte, braucht neben technischem Geschick auch viel Feingefühl. Denn es ist emotional nicht immer leicht, einem Patienten eine Prothese anzupassen, wenn diesem gerade sein Bein amputiert worden ist. «Wer Berührungsängste mit Wunden und Narben hat, der ist falsch in diesem Beruf», sagt Jens Vosteen vom Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik in Dortmund.

Berufsaussichten für Orthopädiemechaniker

Das Handwerk sucht qualifizierten Nachwuchs, denn der Bedarf nehme nicht ab, wie Vosteen erläutert. Unfälle oder schwere Krankheiten sorgen dafür, dass es immer neuen Bedarf an entsprechenden Hilfsmitteln gibt. Fachkreise schätzen, dass in Deutschland mehr als vier Millionen Menschen orthopädietechnische Hilfsmittel benötigen. Die passgenaue Fertigung einer Schuheinlage gehört dabei zu den leichteren Aufträgen. Elektronisch gesteuerte Prothesen stellen die Fachkräfte vor ganz andere Herausforderungen.

Voraussetzungen für Bewerber

Da Orthopädiemechaniker an der Schnittstelle von Medizin und Technik stehen, ist die Ausbildung entsprechend breit. Neben technischem Wissen und umfassender Werkstoffkunde stehen Anatomie und Pathologie auf dem Lehrplan. «Wer eine Ausbildung in diesem Beruf anstrebt, sollte die mittlere Reife mit guten Noten in Mathematik und Physik nachweisen. Besser noch ist das Abitur», erklärt Vosteen.

Orthopädiemechaniker brauchen viel Einfühlungsvermögen

Junge Menschen, die sich für die Ausbildung interessieren, sollten vor einer Bewerbung für eine Lehrstelle auf jeden Fall ein Praktikum in einem der Betriebe machen. Denn so können sie sich am besten ein Bild von den Herausforderungen im Umgang mit hilfsbedürftigen Menschen machen. Querschnittsgelähmte, Patienten mit künstlichem Darmausgang und brustamputierte Frauen- sie alle muss der Orthopädiemechaniker mit entsprechendem Einfühlungsvermögen behandeln. Dabei darf er sich von den individuellen Schicksalen aber nicht überwältigen lassen, sondern muss eine professionelle Distanz wahren.

Für die Selbstständigkeit muss man Meister sein

Nach Angaben des Bundesinstituts für berufliche Bildung (BIBB) in Bonn gibt es mehr als 1250 Auszubildende, davon sind knapp 37 Prozent Frauen. Fast 92 Prozent der Azubis bestehen die Gesellenprüfung. Viele streben die weitergehende Qualifikation an und legen die Meisterprüfung ab, die in diesem Handwerksberuf erforderlich ist, um selbstständig einen Betrieb zu führen. «In den etwa 1850 orthopädietechnischen Handwerksbetrieben in Deutschland arbeiten 12.000 Fachkräfte», beschreibt Kirsten Abel vom Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik die Marktlage.

Ausbildung zum Orthopädiemechaniker

Deutschland ist das einzige Land, in dem man nicht studieren muss, um Orthopädiemechaniker zu werden. Dies soll sich auch in Zukunft nicht ändern, wie Jorg-Günther Grundwald vom BIBB erklärt. «Das ist Ausdruck unserer Berufsphilosophie. Wir sind der Meinung, dass die betriebliche Ausbildung eben besser ist als die rein theoretische in einem Hörsaal.» In Europa ist der deutsche Meister dem Bachelor gleichgestellt.

Ausbildungsvergütung von Orthopädiemechanikern

Gemessen an den Anforderungen erscheinen die Ausbildungsvergütungen nicht besonders üppig. Die Bundesagentur für Arbeit nennt eine Vergütung von 343 Euro im ersten Lehrjahr. Der Betrag steigt dann auf 389 Euro in zweiten und 428 Euro im dritten Jahr. Es gibt in der Branche keinen einheitlichen Tarifvertrag, so dass Lehrlinge mehr verdienen können.

Berufsbild: Orthopädiemechaniker

Der Berufsalltag ist abwechslungsreich. Orthopädiemechaniker arbeiten mit vielen verschiedenen Materialien und setzen unterschiedlichste Techniken ein. Sie fertigen in Handarbeit nach technischen Zeichnungen Stützkorsette, künstliche Gliedmaßen, Gehhilfen, Rollstühle und Krankenbetten. Zu den Arbeitsmaterialien gehören Leder, Kunststoff, Holz, Metall oder Gips.
Später, als Meister, müssen die Techniker auch in der Lage sein, elektrisch gesteuerte Armprothesen oder von Mikroprozessoren gesteuerte Kniegelenke für Beinprothesen zu konstruieren. Sie arbeiten mit Ärzten und Therapeuten zusammen. Absolute Genauigkeit ist notwendig, denn schon die kleinste Abweichung von den Vorgaben kann den Patienten Schmerzen bereiten und Verletzungen zufügen.
Die Orthopädietechnik hilft Menschen mit Beeinträchtigungen, ihr Schicksal zu ertragen und sogar über sich hinauszuwachsen. Die Paralympics sind eines der Beispiele dafür.

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Quelle: dpa

| Aktualisierung: Dienstag, 19. Juni 2012 10:38 Uhr