Discjockey: Taktangeber am Plattenspieler

«Last night a DJ saved my life» heißt es in einem Songtext der Gruppe Indeep. So wird man zum Retter der Tanzwütigen.
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Wenn die Menge auf der Tanzfläche tobt, hat der DJ seinen Job richtig gemacht. © dpa

Der DJ wird bisweilen vergöttert. Er ist der Mann (oder die Frau), der die Menge zum Rasen bringt. Nur wenige Karrieren erscheinen Jugendlichen aufregender als die eines Discjockeys.

Stars aus Deutschland wie DJ Hell, Sven Väth, Marusha und Paul van Dyk haben es zu Geld und Weltruhm gebracht. Sie legen in Clubs in New York, Tokyo und Barcelona auf. Das Fußvolk des Berufsstands beschallt eher Hallenfeste, Dorfdiskos und kleine Underground-Clubs.

Voraussetzungen für den Beruf Discjockey

Ein DJ sollte sich für musikalische Trends interessieren, Rhythmusgefühl und «einen gewissen Hang zum Exhibitionismus» mitbringen, sagt Dirk Duske, DJ und Buchautor. Entscheidend für den Erfolg sei aber, das Publikum «lesen» und Spaß transportieren zu können.

Duske steht seit 25 Jahren hinter den Plattentellern. Mit 15 fing er an aufzulegen, kaufte nach dem Fall der Mauer neue West-Technik und tingelte durch die Clubs. Nach vier Jahren konnte er davon leben. Ein pauschales Erfolgsrezept gebe es aber nicht, sagt er, ebenso wenig wie eine geregelte Ausbildung.

Schulen für Discjockeys

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Wie der DJ mit seinen Plattenspielern umzugehen hat, lernt er an DJ-Schulen.

In vielen Städten gibt es mittlerweile aber Schulen für Discjockeys. Allein die VibrA School of DJing ist an 25 Standorten in Deutschland vertreten. In München bringt Felix Gott alias DJ Stamina seinen Schülern die Grundlagen des DJing bei - etwa, wie man die Nadel des Plattenspielers richtig setzt.

«Zu mir kommen zig Leute, die seit Jahren in Clubs auflegen und das falsch machen», sagt der DJ-Lehrer. Fortgeschrittene lernen Feinheiten wie das Scratching, also mit der Nadel rhythmisch auf der Platte zu kratzen.

Hand einer jungen Frau am DJ-Pult

DJ mieten in Berlin

Auf Geburtstagsfeiern, Hochzeiten oder Firmenevents ist spätestens nach dem Essen die Zeit gekommen, um gute Musik aufzulegen. mehr »

Lerninhalte an den DJ-Schulen

Felix Gott ist Autodidakt. Wie bei jedem Instrument könne man sich auch am Plattenspieler alles selbst beibringen, sagt er. Nach einem halben Jahr seien manche seiner 15-jährigen Schüler, die viel Zeit zum Üben haben, auf dem gleichen Stand wie er nach acht Jahren.

Die wichtigste Lektion in Gotts Unterricht ist, den Aufbau der Musik zu verstehen, die Strukturen der Songs in verschiedenen Genres. «Das ist der Schlüssel für gute Übergänge.» Lernen könne das jeder. «Prinzipiell braucht man kein Talent», sagt Gott. Aber wer schon mal ein Instrument gespielt hat, habe einen Vorteil.

In den einschlägigen Online-Foren sind die Meinungen gespalten, ob sich der Besuch einer DJ-Schule lohnt. Manche halten es für sinnvoll, um die Grundtechniken von Anfang an richtig zu lernen. Andere raten ab und empfehlen, das Geld lieber in gute Plattenspieler, Mischpulte und Platten zu stecken.

DJs müssen Equipment selbst kaufen

Diskjockey
Für das Equipment muss ein DJ bis zu 2000 Euro zahlen.

Zwischen 1000 und 2000 Euro müssten Anfänger für das Equipment ausgeben, erklärt Duske. Im Grunde bräuchten DJs heute aber nicht mehr als einen PC, eine solide Sammlung von MP3s und ein Abspieltool wie ein digitales Vinylsystem. Damit lassen sich Musikdateien durch die Bewegungen der Plattenteller steuern. Die Mixsoftware sei so einfach zu bedienen, dass fast jeder auflegen kann.

Entsprechend viele tun das auch. Das führt zu einem Preisdumping, wie Duske in Berlin beobachtet hat. Dort verdingten sich DJs mittlerweile für 50 bis 80 Euro pro Nacht.

Jobs und Einkommen als DJ

Es werde immer schwieriger, nur vom Auflegen zu leben, erzählt Duske. Die Besucherzahlen in Clubs seien seit Jahren rückläufig, viele blieben jetzt mittwochs und donnerstags geschlossen. Wie viele hauptberufliche DJs es in Deutschland gibt, vermag Lutz Scheffler vom Berufsverband Discjockey nicht zu sagen. «Aber ein paar Tausend werden es schon sein», schätzt er.

Zumindest ein bescheidenes Auskommen können sich angehende DJs aber noch verdienen. Im Schnitt erhalten sie 200 Euro pro Nacht. «Wenn man das dann pro Woche zweimal macht, reicht es», sagt Duske.

Um oft gebucht zu werden, empfiehlt er Anfängern verschiedene Strategien: Für einen befreundeten DJ das «Warmup» machen, eigene Partys organisieren, bei Ausfällen von Club-Discjockeys - den «Resident-DJs» - einspringen oder an Wettbewerben teilnehmen. Felix Gott rät, anfangs «an jeder Ecke» aufzulegen, um Kontakte zu knüpfen und sich einen Namen zu machen.

Jobs außerhalb der Clubs

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Beim Djaying ist technisches können zweitrangig. Als DJ muss man auch Entertainer sein.

Wer musikalisch aufgeschlossen ist, hat größere Chancen, gebucht zu werden. «Elektro-DJ wollen alle werden», sagt Duske. Allrounder würden seltener. Doch auch außerhalb von Clubs würden oft DJs gebraucht - etwa auf Messen, Firmenfeiern oder bei Modenschauen.

Und nicht zuletzt auf Hochzeiten. Technisches Können ist dort zweitrangig, gefragt sind die Qualitäten eines Entertainers: Er muss moderieren können und auf Musikwünsche der Gäste eingehen. Wer sich dazu nicht zu schade ist und eine eigene Soundanlage mitbringt, kann Duske zufolge pro Abend 800 bis 1000 Euro verdienen. Ist die Musik zu krachig, beschweren sich allerdings gerade ältere Gäste gerne mal, erzählt er.

Buch-Tipp:

Duske, Dirk:
Gut aufgelegt! Das Lehrbuch für den DJ
Wolf Verlag, 272 S.
ISBN-13: 978-3-980-93032-1
27,95 Euro

Quelle: dpa
Aktualisierung: Montag, 13. Februar 2017 17:00 Uhr

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