Pilot: Traumberuf mit teurer Ausbildung

Pilot: Traumberuf mit teurer Ausbildung

Ständig reisen und den Sonnen- oder Mondaufgang hautnah erleben: Pilot ist ein begehrter Beruf - der aber auch mit Stress, Unregelmäßigkeit und hohen Kosten verbunden ist.

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Kleiner Arbeitsplatz mit großer Verantwortung: Piloten im Cockpit

Piloten sind in aller Welt unterwegs, genießen ein hohes Ansehen und werden gut bezahlt. Im Job bewegen sie sich in einem spannenden Feld zwischen Management, Technik und IT. Doch nicht jeder schafft es in die Pilotenkanzel. Weniger als jeder zehnte Bewerber übersteht die harten Auswahltests. Und dann sind da noch die Kosten für die Ausbildung.

Ausbildung zum Pilot kostet viel Geld

Wer Berufspilot werden und für eine Fluggesellschaft fliegen will, muss eine Ausbildung zum Verkehrsflugzeugführer machen und eine entsprechende Lizenz vorweisen. Notwendig sind die Verkehrspilotenlizenz ATPL oder die Multi-Crew Pilot Licence MPL. Copiloten benötigen nur eine CPL, also eine Commercial Pilot Licence. Die Ausbildung erfolgt an einer Verkehrsfliegerschule und muss - je nach Schule - oft selbst finanziert werden. 70.000 Euro gelten als Richtwert.
Die Lufthansa betreibt eine eigene Flugschule in Bremen. Die Ausbildung in Theorie und Praxis dauert in der Regel zwei, in Kombination mit einem Studium vier Jahre. Ein Einstiegsalter von über 30 Jahren gilt als «chancenarm». Das Luftfahrtbundesamt informiert im Internet über anerkannte Ausbildungsbetriebe. Dazu gehören auch private Flugschulen, die entsprechende Kurse anbieten. Auch die Bundeswehr bildet Piloten aus. Wer diesen Weg geht muss sich allerdings für mehrere Jahre verpflichten, ehe der Wechsel in das zivile Arbeitsleben möglich ist.

Die Lufthansa bezahlt die Ausbildung

Die Lufthansa übernimmt einen Großteil der Kosten für die Ausbildung. Dafür müssen die Piloten mehrere Jahre für die Airline oder eine der Tochtergesellschaften fliegen und so die Ausbildungskosten abstottern. Hierfür wird jeden Monat ein fester Betrag vom Gehalt abgezogen.
Der modulare Aufbau der Ausbildung an einer privaten Flugschule erlaubt es, die notwendigen Scheine nach und nach zu machen - und zu bezahlen. Flugschüler können unter Umständen Bafög beantragen oder die Kosten für die Ausbildung von der Steuer absetzen. Wer die Ausbildung an einer privaten Flugschule an einem Stück absolvieren möchte, kommt um die Aufnahme eines Kredits oft nicht herum.

Eignungstest und Gesundheitscheck

Der Königsweg ins Cockpit führt über einen Eignungstest bei der Abteilung Luft- und Raumfahrtpsychologie am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Hamburg. Der sogenannte DLR-Test, der Prüfungen zu Merkfähigkeit, Reaktionsschnelligkeit, Englischkenntnissen sowie mathematischem, physikalischem und technischem Wissen beinhaltet, gilt als sehr verlässlich. Auch Konflikt- und Teamfähigkeit werden überprüft. Kandidaten dürfen den DLR-Test nur ein einziges Mal absolvieren.
Auch der Fliegerarzt hat ein Wort mitzureden. Eine Sehschwäche kann zum Problem werden, auch wer farbenblind ist kommt nicht weiter. Außer einer körperlichen Untersuchung und der Erhebung der Vorgeschichte sind auch Blutuntersuchungen und Urinuntersuchungen vorgesehen. Ist der Bewerber tauglich, wird ein fliegerärztliches Tauglichkeitszeugnis ausgestellt.

Pilot: Berufsbild und Voraussetzungen

Nicht nur das Fliegen selbst ist eine Herausforderung für Piloten. die Vorstellung, wonach der Pilot in ein Flugzeug steigt und startet, ist mit Sicherheit falsch. Piloten organisieren den Flugablauf vom Start bis zur Landung und koordinieren alle relevanten Daten für den Flug. Das Führen des Flugzeugs beansprucht nur rund 30 Prozent der Arbeitszeit.
Auch die Repräsentation des Standes und der Airline gehören zum Berufsbild: Piloten schlüpfen in die Rolle, in der die Öffentlichkeit sie sehen möchte. Sie müssen gut mit Menschen umgehen können. Denn für die Routen werden die Mannschaften immer neu zusammengestellt. Unregelmäßige Arbeitszeiten und lange Abwesenheiten müssen Piloten akzeptieren.

Gehalt und Berufseinstieg für Piloten

Das Einstiegsgehalt beträgt bei der Lufthansa rund 60.000 Euro brutto im Jahr inklusive Schichtzulage. Dazu kommt ein variabler Vergütungsanteil, von dem die Schulden aus der Ausbildungszeit abbezahlt werden müssen. Bei anderen Airlines ist es oft weniger - die günstigen Preise der Billigfluggesellschaften hat eben auch einen Effekt auf die Pilotengehälter. Bei Ryanair bekommen Kapitäne zum Einstieg rund 50.000 Euro und Co-Piloten nur 25.000 Euro brutto.
Die Berufsanfänger arbeiten auch als Simulatorpiloten, Referenten oder werden an andere Fluggesellschaften vermittelt. Dass ein Pilot, weil er zunächst keinen Job findet, sein Glück in einem gänzlich anderen Metier sucht, kommt extrem selten vor. Wer einmal dabei ist, gibt nicht wieder auf.

Quelle: BerlinOnline/dpa

| Aktualisierung: Freitag, 12. Juli 2019 12:33 Uhr

Berufe in der Luftfahrt