Sonderurlaub bei Todesfall: Wer hat Anspruch?

Sonderurlaub bei Todesfall: Wer hat Anspruch?

Arbeitnehmern steht ein freier Tag nur für die Beerdigung eines Verwandten ersten Grades zu. In anderen Fällen kann der Chef den Urlaub verweigern.

Beerdigung

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Um bei der Beerdigung eines geliebten Menschen dabei sein zu können, sind Arbeitnehmer manchmal auf die Kulanz ihres Chefs angewiesen.

Stirbt ein Verwandter, wichtiger Bekannter oder enger Freund und findet die Beerdigung an einem Werktag statt, stößt man beim Chef mit der Bitte um Freistellung oft auf Verständnis. Extra-Urlaub wegen einer Bestattung? Dazu verpflichtet ist der Arbeitgeber in vielen Fällen jedoch nicht.

Sonderurlaub oder regulärer Urlaubstag?

Bei einer Freistellung müssen Arbeitnehmer zunächst zwischen Erholungsurlaub sowie unbezahltem und bezahltem Sonderurlaub unterscheiden. Laut Bundesurlaubsgesetz haben Arbeitnehmer Anspruch auf 20 Tage Erholungsurlaub, der tatsächlich der Erholung dienen soll. Sonderurlaub meint die unbezahlte Freistellung von der Arbeit aus einem wichtigen Grund. Dazu können Arzt- und Behördentermine gehören oder wenn das Kind krank ist. Einen Anspruch auf Sonderurlaub gibt es nicht. Die Möglichkeit dieser Form der Freistellung muss im Arbeitsvertrag, Tarifvertrag oder in einer Betriebsvereinbarung festgehalten sein.

Bezahlter Sonderurlaub

Die Voraussetzung für bezahlten Sonderurlaub ist laut §616 BGB, dass der Arbeitnehmer eine nicht erhebliche Zeit und unverschuldet an seiner Arbeit gehindert wird. Was dazu gehört und was nicht, ist allerdings umstritten - und wird daher oft in Arbeits- oder Tarifverträgen konkretisiert. So gibt es in einer Firma drei Tage bezahlten Sonderurlaub für die Hochzeit, in einer anderen nur einen oder eben gar keinen. Manchmal gibt es den Urlaub bei der Geburt eines Kindes oder einem betriebsbedingten Umzug, und oft eben auch bei einem Todesfall.

Verwandtschaftsverhältnis entscheidet

In Bezug auf die Beerdigung kommt es bei der Entscheidung grundsätzlich darauf an, wie nah das Verhältnis zwischen der Mitarbeiterin oder dem Mitarbeiter und dem Verstorbenen war, sagt Johannes Schipp, Fachanwalt für Arbeitsrecht und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltverein.

Dauer des Sonderurlaubs ist nicht geregelt

Handelt es sich um Eltern, Partner, Kinder oder Geschwister - also um Verwandte ersten Grades - ist nach Paragraf 616 BGB eine vorübergehende Verhinderung im Job gerechtfertigt. Der Arbeitgeber muss dann auch weiter die Vergütung zahlen. Es gibt also bezahlten Sonderurlaub. Nicht explizit geregelt ist jedoch, wie lange der Mitarbeiter freigestellt werden kann.

Sonderurlaub bei Tod der Großeltern?

Ab Verwandten zweiten Grades, also etwa bei den Großeltern und Schwiegereltern, kann der Arbeitgeber den Sonderurlaub wegen Todesfall unter Umständen versagen. Oft sind Arbeitnehmer also auf die Kulanz ihres Chefs oder ihrer Chefin angewiesen. Wer keinen bezahlten Sonderurlaub bekommt, kann immer noch um regulären Urlaub oder eine unbezahlte Freistellung bitten.

Tarifvertrag regelt Urlaub bei Todesfall

Klarer ist die Situation, wenn Sonderurlaub bei Todesfällen in einem Tarifvertrag geregelt ist. Dort ist dann sehr genau festgeschrieben, ob und wie viele Tage Urlaub es im Todesfall von Verwandten welcher Art gibt.
Totensonntag
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Quelle: dpa/BerlinOnline

| Aktualisierung: Dienstag, 14. Mai 2019 11:37 Uhr

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