Höhenverstellbarer Schreibtisch: Wer hat Anspruch?

Höhenverstellbarer Schreibtisch: Wer hat Anspruch?

Arbeitnehmer haben in der Regel keinen Anspruch auf einen auf Knopfdruck in der Höhe verstellbaren Tisch. Selbst dann nicht, wenn ein Attest vorliegt. Doch es gibt Ausnahmen.

Höhenverstellbarer Schreibtisch

© dpa

Auf einen höhenverstellbaren Schreibtisch haben Arbeitnehmer nicht automatisch einen Anspruch.

Immer nur sitzen ist ungesund. Wie gut, wenn man zwischendurch die Position verändern kann: also einfach den Tisch per Knopfdruck hochfahren und im Stehen weiterarbeiten. Doch wer hat Anspruch auf einen automatisch höhenverstellbaren Schreibtisch?

Stuhl und Tisch müssen nur verstellbar sein

«Arbeitnehmer haben zwar Anspruch darauf, dass ihr Arbeitsplatz ergonomisch gestaltet ist.» In der Praxis meine dies aber, dass sie einen Tisch oder einen Stuhl erhalten, der sich an die individuelle Größe anpassen lasse, erklärt Jürgen Markowski, Fachanwalt für Arbeitsrecht und Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltverein.
Ein Schreibtisch, bei dem man die Höhe automatisch verstellen kann, ist damit nicht gemeint. In der Regel kann man einen solchen Schreibtisch nicht fordern. «Auch wenn ein Attest belegt, dass dies gesundheitlich nötig ist, muss der Arbeitgeber so einen Tisch nicht zur Verfügung stellen und die Anschaffung zahlen», erklärt Markowski.

Automatischer Tisch bei Arbeitsunfähigkeit

Eine Ausnahme ist möglich, wenn der Mitarbeiter mehr als 42 Kalendertage in den letzten zwölf Kalendermonaten wegen der Beschwerden arbeitsunfähig war. Dann müssen im Rahmen eines Betrieblichen Eingliederungsmanagements Betriebsarzt, Vorgesetzter, Betriebsrat und der Betroffene gemeinsam über Lösungen diskutieren.
«Kommen sie zu dem Schluss, dass ein automatisch verstellbarer Schreibtisch eine sinnvolle Maßnahme ist, muss der Arbeitgeber den Tisch bezahlen», sagt Markowski. In vielen Fällen können zudem Zuschüsse der Sozialversicherungsträger helfen.

Entscheidung wird individuell getroffen

So einfach, wie es klingt, ist die Sache allerdings nicht. Denn das Betriebliche Eingliederungsmanagement-Verfahren ist ein komplexer Prozess, der mehrere Schritte umfasst, verschiedene Parteien berücksichtigen muss und sich zwangsläufig über einen gewissen Zeitraum hinzieht. Jeder Einzelfall wird von mehreren Stellen umfassend geprüft.
Am Anfang steht in der Regel ein Gespräch zwischen dem betroffenen Mitarbeiter und der zuständigen Stelle in der Firma oder Behörde. Im Anschluss werden mögliche und machbare Maßnahmen sowie deren Wirksamkeit geprüft. Nur bei einem positiven Ergebnis und einer Übereinkunft aller Parteien nach dem Betrieblichen Eingliederungsmanagement-Verfahren werden die Kosten für den höhenverstellbaren Schreibtisch übernommen.

Antrag bei der Rentenversicherung stellen

Arbeitnehmer, die nicht längere Zeit arbeitsunfähig waren, aber unter entsprechenden gesundheitlichen Einschränkungen leiden, können ebenfalls einen Antrag stellen - in diesem Fall bei der Deutschen Rentenversicherung . «Darüber müssen Sie Ihren Chef nicht einmal informieren. Das können Sie einfach so probieren», sagt der Fachanwalt. So kann man klären, ob der Versicherer die Anschaffungskosten ganz oder zum Teil übernimmt.
Bestätigt der Rentenversicherer, dass der Tisch medizinisch notwendig ist und unterstützt finanziell die Anschaffung komplett, kann sich der Chef schwer sperren. «Eigentlich müsste jeder Arbeitgeber ein Interesse daran haben, dass sein Mitarbeiter an einem Platz arbeitet, der ihm entspricht und der seine Gesundheit fördert und kostspielige Fehlzeiten verringert.»

Quelle: dpa/BerlinOnline

| Aktualisierung: Dienstag, 4. Dezember 2018 16:26 Uhr

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