Arbeitsbescheinigung: Nicht auf letzte Lohnabrechnung warten

Arbeitsbescheinigung: Nicht auf letzte Lohnabrechnung warten

Wer Arbeitslosengeld beziehen möchte, der braucht eine Arbeitsbescheinigung. Das Formular kann der Arbeitgeber auch schon vor der letzten Lohnabrechnung ausstellen.

Agentur für Arbeit

© dpa

Für Erwerbslose ist es wichtig, dass sie mit einer Arbeitsbescheinigung zur Arbeitsagentur gehen, um zeitnah Arbeitslosengeld zu beziehen.

Wer seinen Job verliert und beim Arbeitsamt Arbeitslosengeld (ALG I) beantragen möchte, braucht dafür eine Arbeitsbescheinigung. Das Formular wird vom Arbeitgeber ausgefüllt - und zwar am besten schon, bevor die letzte Lohnabrechnung kommt. Was Arbeitnehmer über die Arbeitsbescheinigung wissen müssen.

Was ist eine Arbeitsbescheinigung?

Die Arbeitsbescheinigung enthält alle Angaben, die für den Anspruch auf Arbeitslosengeld erheblich sind. Dazu gehören Informationen zur Tätigkeit des Arbeitnehmers, zu Beginn und Ende des Beschäftigungsverhältnisses, zur Wochenarbeitszeit sowie Angaben zu eventuellen Unterbrechungen. Auch der Grund für die Kündigung muss darin vermerkt sein.

Sonderzahlungen nicht vergessen

Unverzichtbar sind außerdem Angaben zur Höhe des Gehalts der letzten zwölf Monate und sonstiger Geldleistungen, die der Arbeitnehmer erhalten hat oder auf die noch Anspruch besteht. Dazu gehören neben dem Arbeitsentgelt auch Sonderzahlungen und Einmalzahlungen wie beispielsweise Urlaubsgeld, Boni, Abfindungen, Entschädigungen und ein 13. Monatsgehalt. Arbeitnehmer sollte sehr genau darauf achten, dass alle Vergütungen eingetragen wurden, um das Arbeitslosengeld in voller Höhe erhalten zu können.

Sonderfall Teilzeitstelle

Kam es aufgrund der wirtschaftlichen Situation der Firma zu Gehaltseinbußen im Vergleich zum Jahr davor, kann es ratsam sein, das Gehalt der letzten 24 Monate anzugeben. Auch für Erwerbstätige, die von Vollzeit auf Teilzeit gewechselt haben, ist ein größerer Zeitraum maßgeblich: Hier ist mitunter das Gehalt der letzten 42 Monate entscheidend für die Berechnung des Arbeitslosengeldes. Solche Angaben können auf einem Zusatzblatt vermerkt werden.

Formular rechtzeitig ausfüllen lassen

Damit das Arbeitslosengeld möglichst schnell berechnet und pünktlich ausgezahlt werden kann, sollte der Arbeitgeber das Schreiben so früh wie möglich ausstellen. Wer noch im Betrieb tätig ist, kann auch eventuelle Unstimmigkeiten schneller klären. Im Anschluss wird das Formular dem Arbeitnehmer persönlich ausgehändigt oder elektronisch im sogenannten BEA-Verfahren an die Bundesagentur für Arbeit übermittelt. Empfehlenswert ist die erste Variante. Nur so können Arbeitnehmer die Angaben schon vor Einreichung auf Korrektheit prüfen.

Was, wenn sich der Arbeitgeber weigert?

Arbeitgeber sind laut § 312 SGB III dazu verpflichtet, die Arbeitsbescheinigung auf Verlangen des Arbeitnehmers auszufüllen. Tut er das nicht, begeht er eine Ordnungswidrigkeit, die mit bis zu 2000 Euro Bußgeld geahndet werden kann. Ordnungswidrig handelt auch, wer falsche und unvollständige Angaben macht oder die Bescheinigung zu spät einreicht. Wer Fehler entdeckt, spricht den Arbeitgeber darauf an oder gibt eine Gegendarstellung bei der Agentur für Arbeit ab. Änderungen und Ergänzungen vornehmen im Formular dürfen Arbeitgeber nicht.

Arbeitslosengeld ohne Arbeitsbescheinigung?

Kommt der Arbeitgeber seiner Pflicht nicht nach, die Arbeitsbescheinigung auszustellen, gibt es unter Umständen trotzdem Arbeitslosengeld. Laut §42 SGB I kann der Leistungsträger - in diesem Fall die Bundesagentur für Arbeit - auf Antrag Vorschüsse zahlen, deren Höhe er selbst bestimmt. Liegt die Arbeitsbescheinigung später vor, werden die gezahlten und die tatsächlich zustehenden Beträge miteinander verrechnet. Die Vorschusszahlung beginnt spätestens nach Ablauf eines Kalendermonats nach Eingang des Antrags.

Wo finde ich das Formular?

Der Vordruck zur Arbeitsbescheinigung ist bei der Bundesagentur für Arbeit erhältlich. In den Dienststellen der Arbeitsagentur gibt es die Bescheinigung in gedruckter Form, auf der Website als Download.

Quelle: BerlinOnline

| Aktualisierung: Montag, 29. April 2019 12:13 Uhr