Dienstliche Anrufe in der Freizeit: Rangehen oder ignorieren?

Dienstliche Anrufe in der Freizeit: Rangehen oder ignorieren?

Muss man abnehmen, wenn der Arbeitgeber nach Dienstschluss anruft? Kommt drauf an. Wann man das Klingeln einfach überhören kann - und wann besser nicht.

Im Dauereinsatz

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Oh nein, der Chef ruft an - Arbeitnehmer dürfen dienstliche Anrufe nach der Arbeit meist aber ignorieren.

Nach Feierabend klingelt das Handy: Die Nummer kennt man, es ist die Arbeit. Rangehen oder nicht? Prinzipiell gilt: In der Regel ist man nicht verpflichtet, solche Anrufe anzunehmen, sagt Alexander Bredereck, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Berlin.

Bereitschaftsdienst gilt als Arbeitszeit

Natürlich gibt es Ausnahmen. Klar ist der Fall zum Beispiel bei Bereitschaftsdiensten: Da ist Erreichbarkeit Pflicht. Diese Dienste werden aber auch vergütet und gelten als Arbeitszeit, erklärt Bredereck. Er rät, sich nach Betriebsvereinbarungen zum Thema zu erkundigen und im Arbeitsvertrag nachzulesen. Steht dort nichts zur Erreichbarkeit nach Dienstschluss, müsse man Anrufe generell nicht annehmen.

"Rund um die Uhr erreichbar": Klausel ist unwirksam

Doch auch nicht alles, was im Vertrag steht, ist rechtlich bindend. Steht dort zum Beispiel, dass man «rund um die Uhr» erreichbar sein muss, sei das eine unwirksame Klausel, erläutert Bredereck. Sie gilt auch dann nicht, wenn der Vertrag unterschrieben wurde.

An Absprachen zur Erreichbarkeit halten

Generell könne kein Arbeitgeber von Mitarbeitern verlangen, 24 Stunden erreichbar zu sein, betont der Anwalt. Aber wenn es etwa konkrete Absprachen für einen Anruf in einem bestimmten Zeitfenster gibt, sollte man da auch erreichbar sein. Die Erreichbarkeiten nach den Dienstzeiten hängen aber auch von der Position im Unternehmen ab.

Hohe Verantwortung rechtfertigt lange Erreichbarkeit

Von Angestellten mit viel Verantwortung könne man durchaus erwarten, dass sie auch nach Dienstschluss in Notfällen erreichbar sind, erklärt der Experte. Dies stehe so explizit meistens nicht in Arbeitsverträgen. Es ergebe sich aber indirekt aus der Stellenbeschreibung und einer entsprechend hohen Vergütung.

Klare Absprachen für Anrufe in der Freizeit treffen

Bredereck fasst das Thema so zusammen: «Rechtlich gesehen sind die Arbeitnehmer meistens nicht zu Erreichbarkeit verpflichtet.» Nicht selten fühlen Beschäftigte sich dazu aber verpflichtet. Viele Arbeitnehmer seien freiwillig auch nach Dienstschluss erreichbar. Was als Kompromiss helfen könnte, sind klare Absprachen - zum Beispiel, dass der Arbeitgeber einen nur in bestimmten Notfällen anruft, die man konkret umreißt.

Arbeitnehmer dürfen Anruf nach Dienstschluss ignorieren

Sonst bleibt Arbeitnehmern die Möglichkeit, einen Anruf zu ignorieren und dann zu sagen: «Ich habe das Klingeln nicht bemerkt.» Etwas anderes könne das Unternehmen meist nicht nachweisen, erklärt Bredereck.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Dienstag, 26. Juli 2016 09:31 Uhr