Kündigung auf Verdacht ist auch ohne Abmahnung möglich

Kündigung auf Verdacht ist auch ohne Abmahnung möglich

In der Regel muss ein Arbeitnehmer nach einem Fehlverhalten zunächst abgemahnt werden. Unter bestimmten Umständen ist aber auch eine fristlose Kündigung möglich.

Umgang mit Industriemaschinen

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Der Umgang mit Industriemaschinen ist sehr verantwortungsvoll.

Wer seine arbeitsvertraglichen Pflichten erheblich verletzt, muss mit einer fristlosen Kündigung rechnen. Dasselbe kann gelten, wenn lediglich der Verdacht besteht, dass ein Arbeitnehmer seine Pflichten verletzt hat. Das hat das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz entschieden (Az.: 3 Sa 316/11). Auf das Urteil weist die Deutsche Anwaltauskunft hin.

Fristlose Kündigung nach schwerem Pflichtverstoß

In dem verhandelten Fall hatte ein Arbeitgeber einen Maschinenführer entlassen. Zu seinen Aufgaben gehörte es, eine Knetmaschine zu überwachen. Die Maschine ging kaputt, und es entstand ein Schaden von 200.000 Euro. Ursache war, dass ein Hammer in die Knetmaschine gefallen war. Es bestand der dringende Verdacht, dass der Arbeitnehmer für die Reinigung statt eines Besens einen Hammer benutzt hatte und dieser in die Knetmaschine fiel.

Kündigung auch ohne vorherige Abmahnung möglich

Die fristlose Kündigung ohne vorherige Abmahnung sei gerechtfertigt, entschied das Landesarbeitsgericht. Zu den Aufgaben des Arbeitnehmers habe es gehört, Schaden an der Maschine zu vermeiden. Indem er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit den Hammer benutzte, habe er seine arbeitsvertraglichen Pflichten erheblich verletzt. Erschwerend komme das Verschweigen seines Fehlverhaltens hinzu.

Kündigung auf Verdacht kann unwirksam sein

Das es auch anders geht, zeigt der folgende Fall. Denn eigentlich müssen Arbeitgeber ein mögliches Vergehen eines Mitarbeiters genau prüfen, bevor sie ihm kündigen. Verdächtigt der Arbeitgeber den Arbeitnehmer einer Straftat, muss er ihn vor einer Kündigung anhören. Macht er das nicht, ist die Kündigung unter Umständen unwirksam. Das hat das Arbeitsgericht Berlin entschieden. Auf das Urteil weist der Deutsche Anwaltverein hin (Az.: 28 Ca 1396/12).

Fristlose Kündigung ohne Anhörung

In dem Fall ging es um eine Außendienstmitarbeiterin, die Versicherungen verkaufte. Über ihre Termine musste sie dem Arbeitgeber Bericht erstatten. Nachdem die Frau nur wenige Versicherungen abgeschlossen hatte, rief der Arbeitgeber zur Kontrolle bei den besuchten Kunden an. Dabei erfuhr er, dass die Termine gar nicht stattgefunden hatten. Darauf kündigte der Arbeitgeber der Mitarbeiterin fristlos.

Arbeitgeber muss Gründe für Kündigung belegen

Die Angestellte klagte dagegen mit Erfolg. Der Arbeitgeber hätte die Mitarbeiterin zu den Vorwürfen befragen müssen, so die Richter. Er könne auch nicht beweisen, dass er bei den Kunden überhaupt angerufen hat. Dazu komme, dass die Telefonate generell intransparent und fehleranfällig seien. Der beklagte Arbeitgeber habe außerdem weder Auskünfte über die Art der Fragen gegeben, noch das Ergebnis entsprechend dokumentiert. Die so gewonnenen Eindrücke rechtfertigten deshalb keine Kündigung.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Dienstag, 17. Juli 2018 11:57 Uhr