Kündigung korrekt? 12 Urteile

Kündigung korrekt? 12 Urteile

Kündigung wegen sechs Maultaschen- geht das? Es geht! Und nicht nur das: Auch chronische Zuspätkommer, vergessliche Dauer-Qualmer oder Lästermäuler können, müssen aber nicht, mit einer Kündigung rechnen. 12 Beispiele, weshalb Ihr Chef Sie wirklich feuern darf und wann Sie "nur" mit einem blauen Auge davonkommen.

  • Kündigung© dpa
    Fristlos gekündigt wegen abgelaufener Maultaschen, aber Blaumacher bleiben unbestraft? Weshalb Ihr Chef Sie feuern darf.
  • Fehlzeiten, Krankfeiern, Blaumachen© dpa
    Generell gilt: Allein wegen einer hohen Fehlquote können Arbeitgeber ihren Mitarbeitern nicht kündigen. Aber es gibt Ausnahmen: Wenn bei einer Erkrankung für die nächsten zwei Jahre keine Besserung in Sicht ist und der Arbeitgeber für den Fehlenden keine Verwendung sieht, ist eine Kündigung rechtens. (Aktenzeichen: LAG, Az.: 9 Sa 683/08) Noch schneller kann die Kündigung kommen, wenn Verdacht auf Krankfeiern besteht – und sich dieser bestätigt. So drohte ein Mitarbeiter seinem Chef, der diesem einen Urlaubstag untersagte: «Wenn ich nicht frei kriege, bin ich krank.». Als der Mitarbeiter am besagten Tag fehlte, folgte prompt die Kündigung - fristlos, trotz Attest (Aktenzeichen: LAG, Az.: 2 AZR 251/07).
  • Sexuelle Belästigung© dpa
    Sexistische Sprüche, anzügliche Bemerkungen, Nacktfotos rumzeigen - all das fällt unter sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz und kann den Job kosten. So reichen verbale Äußerungen oder das Zeigen von anrüchigen Handy-Bildern für eine fristlose Kündigung aus (Aktenzeichen: LAG, Az.: 3 Sa 410/08). Selbstverständlich gilt dies auch für eine körperliche Belästigung. Dabei muss der Grabscher nicht einmal handgreiflich werden. Auch unnötiger Körperkontakt oder permanentes Herandrängeln zählt als sexuelle Belästigung und Kündigungsgrund (Aktenzeichen: OLG, Az.: 5 U 233/04).
  • Kündigung wegen Wirtschaftskrise© dpa
    Arbeitgeber dürften bei kurzfristigen Gewinnrückgängen nicht sofort Arbeitnehmer entlassen. Das ist erst zulässig, wenn mehrere Monate lang der Gewinn deutlich zurückgeht und eine Besserung nicht zu erwarten ist. Wird in einem Bereich Personal abgebaut, muss der Arbeitgeber außerdem vor einer Kündigung prüfen, ob Betroffene nicht in einem anderen Bereich beschäftigt werden können. Und er muss soziale Aspekte beachten, wenn es darum geht, welcher Mitarbeiter gekündigt wird. Ein langjähriger Mitarbeiter mit drei Kindern zum Beispiel darf nicht gekündigt werden, wenn sich die Kosten auch durch die Entlassung eines erst seit kurzem beschäftigten Singles einsparen ließen.
  • Surfen am Arbeitsplatz© dpa
    Ist die private Internetnutzung im Büro vertraglich untersagt, können die Privat-Clicks direkt zur Kündigung führen. Das betrifft selbst Arbeitnehmer, denen das Surfen erlaubt ist (Aktenzeichen: BAG, 2 AZR 200/06). Nämlich dann, wenn Webseiten mit pornografischem oder gewaltverherrlichendem Inhalt aufgerufen werden, das private Surfen maßgeblich auf die bezahlte Arbeitszeit fällt oder bestimmte Leistungen nicht mehr erbracht werden. Auch permanentes Downloaden ist dem Chef ein Dorn im Auge - und kann je nach Ausmaß und Inhalt den Job kosten.
  • Vergreifen am Firmeneigentum© dpa
    Finger weg vom Eigentum des Unternehmens! Denn die meisten Bagatellkündigungen geschehen wegen Diebstahls. Bekannte Fälle sind der "Maultaschen-Fall" (Aktenzeichen: LAG, Az.: 4 Ca 248/09) oder der "Brötchen-Prozess" (Aktenzeichen: LAG, Az: 13 Sa 640/09). In dem einen Fall bediente sich eine Altenpflegerin sechs übrig gebliebener Maultaschen. Im anderen Fall stahl ein Bäcker Brötchenbelag im Gesamtwert von 10 Cent. Beiden wurde fristlos gekündigt. Während das Belag-Delikt gerichtlich nicht durchkam, musste die Maultaschen-Esserin ihre Sachen packen.
  • Zweitjob und Nebenverdienst© dpa
    Generell ist ein Zweitjob in Deutschland erlaubt. Der Arbeitnehmer darf nur dann kündigen, wenn die Nebenbeschäftigung zur Leistungsabnahme führt. Zudem sind laut Arbeitszeitgesetz pro Woche höchstens 48 Arbeitsstunden legitim - für beide Jobs zusammen. Übertreffen arbeitswütige Mitarbeiter dieses Pensum, ist mit einer Abmahnung zu rechnen.
  • Schummeln, Tricksen, Beschönigen© johnnyscriv/ www.istockphoto.com
    Angestellte, die beim Chef mit berufbedingten Fakten schummeln, laufen Gefahr, den Job zu verlieren. Wer den eigenen Lebenslauf frisiert, muss innerhalb eines Jahres mit einer Kündigung rechnen. Entdeckt der Chef die falschen Daten schon in den ersten beiden Arbeitswochen, darf er sogar fristlos kündigen. Anders sieht es mit der Schwangerschaft aus. Enthalten Frauen diese dem potenziellen Arbeitgeber vor, ist das rechtlich vertretbar. Einzige Ausnahme, die trotzdem eine Kündigung erlaubt: Es handelt sich um einen Arbeitsplatz, an dem Schwangere nichts zu suchen haben, wie beispielsweise einer Baustelle.
  • Mobbing von Kollegen© dpa
    In Deutschland gibt es zwar kein Gesetz, das Mobbing verbietet - doch werden Mobber wegen ständiger Beleidigungen beim Chef angezeigt, hat das Konsequenzen. Hängt der Haussegen im Büro schief, dürfen Arbeitgeber den Streithähnen kündigen. So wurde einer langjährigen Bäckerverkäuferin fristlos gekündigt, da diese ihre Auszubildende permanent beschimpfte und bedrohte (Aktenzeichen: LAG, Az.: 3 Sa 224/09).
  • PC-Muffel© dpa
    Wer sich gegen das Erlernen einfacher PC-Kenntnisse sträubt, kann den Job verlieren. Zwar gilt das technische Know-How als Fortbildung. Trotzdem ist diese Art der Weiterbildung ureigene Aufgabe - nicht die des Unternehmens. So wurde einem seit 40 Jahren berufstätigen Mitarbeiter gekündigt, weil dieser sich nicht an den technischen Fortschritt angepasste (Aktenzeichen: LAG, Az.: 3 Sa 153/09).
  • Unpünktlichkeit und Arbeitszeitbetrug© dpa
    Aus heiterem Himmel dürfen chronische Zuspätkommer nicht gekündigt werden. Doch ändert sich trotz mehrmaliger Abmahnung an dem Verhalten des Zeitsünders nichts, ist es Arbeitgebern erlaubt, die Kündigung zu schreiben (Aktenzeichen: LAG, Az: 3 Sa 22/07). Ganz hart trifft es Arbeitnehmer, die an ihrer Arbeitszeit "drehen". So hatte eine Mitarbeiterin über ein Jahr hinweg die Angaben in der Zeiterfassung manuell zu ihren Gunsten verändert (Aktenzeichen: LAG, Az.: 7 Sa 735/08). Eine fristlose Kündigung ist in Fällen von Arbeitszeitbetrug also absolut berechtigt.
  • Raucherpausen unterschlagen© dpa
    Mitarbeiter, die das Abstempeln der Raucherpausen häufig missachten, droht die Kündigung. Zwar folgt in der Regel vom Chef zunächst eine Abmahnung. Doch sollte ein besonders "vergesslicher" Mitarbeiter nach mehrmaliger Ermahnung das Abstempeln der Raucherpause auslassen, darf ihm fristlos gekündigt werden (Aktenzeichen: LAG, Az.: 3 Ca 1336/09).
  • Lästern über den Chef© dpa
    Wenn Arbeitnehmer über den Chef lästern, kann das böse Folgen haben - und zwar dann, wenn die mehr oder minder ernst gemeinten Infos in die obere Etage gelangen. Der "Brandstifter" hat mit einer außerordentlichen - also einer fristlosen - Kündigung zu rechnen. Doch aufgepasst: Wird unter Kollegen ausdrücklich um Stillschweigen gemahnt, bleiben Lästermäuler vom Jobverlust verschont. Denn dann fällt das Gesprochene unter die geschützte Privatsphäre. (Aktenzeichen: LAG, Az.: 1 Sa 230/09)

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