Fliesen durchbohren: Anleitung, Tipps & Tricks

Fliesen durchbohren: Anleitung, Tipps & Tricks

Fliesen durchbohren ist schwierig, denn sie springen leicht. Wie man Badezimmerfliesen, Steinfliesen und Natursteine richtig durchbohrt.

  • Spezielle Fliesenbohrer© dpa
    Wer in die Fliese bohrt, verwendet am besten spezielle Fliesenbohrer. Wer durch eine Fliese bohren möchte, sollte die Stelle vorher mit Kreppband präparieren. Das verhindert ein Abrutschen des Bohrers.
  • Mit Bohrmaschine in die Fliese bohren© dpa
    Noch besser: Die gewünschte Position des Lochs auf der Fliese wird zunächst mit einem Hammer und einer Anreißnadel angeknackt. Auch so rutscht die Bohrmaschine nicht ab.
  • Fliesen mittig anbohren© dpa
    Fliesen sollten möglichst mittig durchbohrt werden, um Sprünge zu vermeiden. Ist das geschafft, kann die Halterung angebracht werden.
  • Alternative zum Bohren© dpa
    Alternative zum Bohren: Halterungen, die keine zu große Last tragen müssen, können auch angeklebt werden. Gute Produkte lassen sich auch nach Jahren wieder ohne Rückstände von der Fliese lösen.
Ein Fehler beim Bohren, schon zerspringt die schöne Fliese im Badezimmer oder in der Küche. Toilettenpapierhalter, Handtuchhaken und Seifenspender müssen aber trotzdem an die Wand. Was nun? Experten beruhigen: Mit dem richtigen Werkzeug und etwas Fachwissen können Heimwerker die Accessoires sauber anbringen - ganz ohne Risse.

Wand erst mit Leitungssuchgerät prüfen

Badzubehör wird so gut wie immer mit einer soliden Dübelverbindung an einer Halteplatte an der Wand montiert. Das Risiko, bei der Bohrung für den Dübel eine Wasser- oder Stromleitung zu treffen, ist allerdings groß. Daher sollte die Stelle zunächst mit einem Leitungssuchgerät überprüft werden.

Fliese durchbohren Schritt für Schritt

  1. Wand auf Leitungen prüfen
  2. Bohrloch mit einem Stift anzeichnen
  3. Fliese mit Hammer und Anreißnadel ankörnen
  4. Bohrstelle mit Malerkrepp abkleben
  5. Mit niedrigster Drehzahl bohren
  6. Bohrer gegebenenfalls in Wasser kühlen
  7. Klebeband entfernen
  8. Bohrstaub mit Staubsauger entfernen
  9. Halterung anbringen

Loch in der Fliese mit Reißzwecke anknacken

Ist die Fliese sehr glatt, sollten Heimwerker die Position des Bohrlochs mit einem Hammer und einer Anreißnadel vorsichtig ankörnen. Dafür wird die Spitze der Nadel auf die mit einem Stift markierte Bohrstelle gesetzt. Mit einem Hammer versetzt man ihr leichte Schläge. Ein spitzer Nagel oder eine spitze Schraube können zur Not auch zum Ankörnen verwendet werden. Die kleine Vertiefung verhindert, dass die Bohrerspitze an der glatten Lasur abrutscht.

Malerkrepp verhindert Abrutschen des Bohrers

Auch Malerkrepp erleichtert das Bohren eines Lochs in eine Fliese. Das raue Klebeband verhindert ebenfalls das Abrutschen des Bohrers, was die ganze Fliese ruinieren würde. Ab besten verwendet man zwei Lagen Malerkrepp übereinander. Drei bis vier Zentimter breit sollte es sein, ein schmaleres Klebeband tut es aber auch.

Fliesen nicht mit Schlag durchbohren

Bis die Fliese und der Putz durchgebohrt sind, sollten Heimwerker mit niedriger Drehzahl und ohne Schlag arbeiten. Die Schlagfunktion darf auch dann nur eingeschaltet werden, wenn die Wand unter der Fliese aus Beton oder Vollstein besteht. Bei Lochziegeln, Porenbeton und Bims können Schlagbohrer die Steinstruktur zerschlagen. Außerdem entsteht so ein zu großes Bohrloch, in dem der Dübel keinen Halt findet.

Steinfliesen mit Diamantbohrkrone durchbohren

Das Loch wird am besten mit einem speziellen Fliesenbohrer oder Glas- und Keramikbohrer gebohrt. Zur Not geht auch ein Steinbohrer. Eine Besonderheit gilt für Dübellöcher in Feinsteinzeugfliesen oder Natursteinfliesen: Das harte Material lässt sich nur mit Diamantbohrkronen bohren. Die Diamantbohrkrone muss währenddessen mit Wasser gekühlt werden, da sie sich ansonsten sehr rasch abnutzt. Auch ein normaler Bohrer muss abgekühlt werden, wenn er zu heiß wird. Sonst verliert er seine Härte.

Mieter dürfen in Fliesen bohren

Das Anbohren der Fliesen ist laut einiger Urteile auch in Mietwohnungen erlaubt - vorausgesetzt, es werden übliche Gegenstände wie Spiegel, Hängeschränke, Toilettenpapier- und Handtuchhalter befestigt. Von Gerichten sind ungefähr 20 bis 30 Löcher toleriert worden. Der Mieter verletzt allerdings seine Obhutspflicht und ist zu Schadensersatz verpflichtet, wenn er Kacheln über das erforderliche und übliche Maß hinaus anbohrt. In anderen Fällen wurden Mieter zu Schadenersatzzahlungen verpflichtet, weil sie die Bohrlöcher genauso gut in den Fugen hätten platzieren können. Wer auf Nummer sichen gehen will, fragt vorher beim Vermieter nach.

Besser: Loch in Fugen bohren

Wo die Fugen der Fliesen breiter sind als die notwendigen Dübel, sollte möglichst zwischen den Platten gebohrt werden. Der Vorteil: Diese Löcher können leichter und fast unsichtbar wieder mit Fugenmasse verschlossen werden. Die Fugen sind oft aber nur zwei bis drei Millimeter breit - zu klein, um einen Dübel zu setzen, ohne die Fliesenränder zu beschädigen. Lässt es sich nicht vermeiden, eine Fliese in der Fläche anzubohren, sollte der Randbereich gemieden und der Punkt möglichst nahe der Mitte gewählt werden.

Richtige Dübel für Fliesen benutzen

Für den leichten Halter für das Toilettenpapier reicht ein Universaldübel. Für Handtuchhalter sind Langschaftdübel besser, deren langer Schaft sich im Porenbeton verspreizt. Auch leichte Hängeschränke können so sicher befestigt werden.

Porenbetonanker für schwere Dinge

Ein Handwaschbecken, ein Hängeschrank oder ein Handgriff werde mit einem sogenannten Porenbetonanker angebracht. Dieser Anker hat ein Gewinde, das sich in den Beton schneidet. Für große Waschtische oder ein WC sei aufgrund der höheren Lasten ein Injektionssystem sinnvoll. Hier wird in das Bohrloch zusätzlich ein Mörtel gegeben, der eine Ankerstange mit dem Untergrund verklebt.

Kleben reicht manchmal auch

Es gibt aber auch eine Alternative zum Fliesen durchbohren: Manche Hersteller haben WC-Rollenhalter, Zahnputzbecher oder Handtuchhalter zum Kleben an die Wand im Programm. Ein Klebestreifen lässt sich laut Pommer auch noch nach Jahren mit einem Cuttermesser oder durch das Abdrehen der Halterung mit der Zange wieder entfernen - ganz ohne Schäden oder Rückstände.

Quelle: dpa/BerlinOnline

| Aktualisierung: 23. Juli 2019

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