CDU will Wohnungskauf in Karl-Marx-Allee prüfen lassen

CDU will Wohnungskauf in Karl-Marx-Allee prüfen lassen

Was kostet der Wohnungsdeal in der Karl-Marx-Allee das Land Berlin? Die CDU fordert Klarheit und hegt Zweifel an der Wirtschaftlichkeit. Und der Wohnungsverband mahnt: Die Stadt wird nicht ewig im Geld schwimmen.

Gebäude in der Karl-Marx-Allee

© dpa

Plakate hängen an einer Gebäudefassade in der Karl-Marx-Allee, während Passanten vorbeigehen.

Die CDU fordert eine Wirtschaftlichkeitsprüfung für den vom Berliner Senat verkündeten Rückkauf von rund 670 Wohnungen in der Karl-Marx-Allee. «Wir wollen Klarheit darüber, ob hier die Wirtschaftlichkeit noch gegeben ist oder ob der Senat einen viel zu teuren Spekulationspreis bezahlt hat», erklärte der Sprecher für Bauen und Wohnen der CDU-Fraktion, Christian Gräff, am Dienstag. «Dazu erwarten wir jetzt zügig eine Wirtschaftlichkeitsberechnung, die vom Rechnungshof geprüft und anschließend offengelegt werden muss.»
Am Montag hatte der Senat bekanntgegeben, dass die Rekommunalisierung von Wohnungen in der einstigen DDR-Prachtstraße nach langem Ringen nun unter Dach und Fach ist. Demnach übernimmt die landeseigene Gesellschaft Gewobag die in den 90er Jahren privatisierten Wohnungen in bester Lage. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt
Gräff verwies auf öffentliche Spekulationen, wonach der Kaufpreis bei 4000 bis 4500 Euro je Quadratmeter gelegen haben soll. «Insgesamt hätte dieser Deal das Land Berlin damit mehr als 200 Millionen Euro gekostet», sagte er. «Angesichts der hohen Kaufsumme bestehen begründete Zweifel, ob sich der Rückkauf für Mieter und Steuerzahler rechnet. Von den gut 200 Millionen Euro ließen sich fast doppelt so viele Neubauwohnungen oder 10 bis 15 neue Grundschulen bauen.»
Der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) sieht die Rekommunalisierung der 670 Wohnungen skeptisch. Zwar könnten Wohnungsankäufe durch das Land im Einzelfall sinnvoll sein, wenn der Preis stimme, sagte BBU-Vorstand Maren Kern der Deutschen Presse-Agentur. Klar sei aber auch: «Ein solches Vorgehen schafft keine einzige neue Wohnung. Das wird das Wohnungsproblem in Berlin nicht lösen. Hier hilft nur Neubau.»
Außerdem könne man jeden Euro nur einmal ausgeben, mahnte Kern. Aktuell sei das finanzielle Polster des Landes womöglich gut. «Das kann sich aber ändern.»
Der Ankauf von Bestandsimmobilien müsse sich für alle Beteiligten lohnen und zu stabilen, bestenfalls sinkenden Mieten führen, meinte Gräff. «Rückkäufe um jeden Preis halten wir für falsch.»

Quelle: dpa

| Aktualisierung: 17. Juli 2019