Fast 100 000 Mietwohnungen in Eigentum umgewandelt

Fast 100 000 Mietwohnungen in Eigentum umgewandelt

Wer eine günstige Bleibe sucht, hat es auch im Berliner Umland schwer. Und in der Innenstadt geht kaum noch etwas unter zwölf Euro, so ein neuer Bericht. Auch weil Mietwohnungen vom Markt verschwinden.

Plakat gegen den Verkauf von Mietwohnungen

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Ein Plakat gegen den Verkauf von Mietwohnungen hängt an einer Gebäudefassade.

Immer mehr Mietwohnungen in Berlin werden in Eigentumswohnungen umgewandelt - mit möglicherweise schwerwiegenden Folgen für die Bewohner. In den zehn Jahren bis 2017 gab es knapp 96 000 solcher Umwandlungen, wie aus dem Wohnungsmarktbericht 2018 der Investitionsbank Berlin (IBB) hervorgeht. Vor allem in den jüngeren Jahren verstärkte sich demnach der Trend.
Der Berliner Mieterverein kritisiert es immer wieder, wenn Mehrfamilienhäuser per Grundbuchänderung in Eigentumswohnungen umgewidmet werden. Denn nach einem Verkauf versuchten die neuen Eigentümer häufig, die Miete zu erhöhen oder die Mieter los zu werden. «Durch Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen, Modernisierung und teure Wiedervermietungen gehen nach unserer Schätzung rund 50 000 Wohnungen jährlich dauerhaft dem preisgünstigen Marktsegment verloren», sagte Geschäftsführer Reiner Wild.
Wohnungen sind knapp in Berlin, weil immer mehr Menschen in die Stadt ziehen. Angesichts niedriger Zinsen decken sich außerdem Kapitalanleger aus aller Welt mit Immobilien in Berlin, was die Preise und Mieten zusätzlich treibt.
Nach dem IBB-Bericht steigen die Mieten und Kaufpreise für Wohnungen und Häuser in der Stadt ungebremst weiter. Die mittlere Angebotsmiete lag demnach 2018 bei 10,32 Euro kalt je Quadratmeter, 53 Cent höher als im Vorjahr. In weiten Teilen der Innenstadt ist demnach keine Wohnung mehr für weniger als 12 Euro zu finden. Wohnungen zum Kauf kosteten im Mittel 4200 Euro je Quadratmeter, 400 Euro mehr als im Vorjahr.
Die angrenzenden Umlandgemeinden wachsen nach dem Bericht inzwischen ähnlich schnell wie die Hauptstadt - weil Berliner rausziehen. Folge: Auch dort steigen Kaufpreise und Mieten. Vermieter verlangen im Mittel 9,10 Euro pro Quadratmeter, Kaufpreise lagen bei 2927 Euro je Quadratmeter - bei großen lokalen Unterschieden.
«Die Anziehungskraft Berlins ist ungebrochen», sagte Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke). Es seien weitere Maßnahmen nötig, um die Lage für Berliner mit mittlerem und kleinem Einkommen zu verbessern. IBB-Chef Jürgen Allerkamp sagte, wenn im aktuellen Tempo weitergebaut werde, werde es mehr als acht Jahre dauern, den Wohnungsmangel zu kompensieren.
Nach IBB-Berechnungen fehlen bis zu 135 000 Wohnungen in Berlin. Ähnliche Größenordnungen hatte schon der Senat seinem Stadtentwicklungsplan Wohnen zugrunde gelegt. Demnach sind 117 000 bis 2030 nötig, um den zusätzlichen Bedarf zu decken. Soll sich die Marktsituation entspannen, seien weitere 77 000 nötig.
Kauf einer Eigentumswohnung
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Quelle: dpa

| Aktualisierung: 1. März 2019