Sonnenfinsternis fordert Berliner Stromnetz

Sonnenfinsternis fordert Berliner Stromnetz

Wenn am Freitag die Sonne kurzfristig abtaucht, stehen Berliner Energieversorger und Netzanbieter vor Riesenaufgaben.

Teilweise Sonnenfinsternis

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Eine Sonnenfinsternis stellt Strombetreiber vor Probleme. Foto: A. Burgi

Die Sonnenfinsternis am Freitag (20.03.2015) stellt Berlins Stromnetz auf eine Bewährungsprobe. Doch Netzbetreiber und Energieversorger haben sich seit langem auf das Ereignis vorbereitet und sehen sich für die erwarteten extremen Schwankungen bei der Netzbelastung gut gerüstet.

«Seit Wochen laufen Vorbereitungen und Absprachen zwischen uns und dem Netzbetreiber», berichtete Martin Debusmann, verantwortlich für die Berliner Heizkraftwerke bei der Vattenfall Europe Wärme AG.

«Spannend wird es, wenn die Sonne zurückkommt und die Photovoltaik-Anlagen plötzlich wieder liefern», sagte Thomas Schäfer, technischer Leiter des Berliner Stromnetzes. «Das ist wie ein Sonnenaufgang im Zeitraffer», ergänzt Debusmann. Dann müssen Überkapazitäten in kürzester Zeit wieder heruntergeregelt werden.

Vattenfall stellt in Berlin für Freitag 800 Megawatt zusätzliche Regelenergie bereit - das entspricht dem Energiebedarf einer Stadt wie Köln oder Hannover. Berlin benötigt im Durchschnitt etwa 1800 Megawatt pro Tag. Das Zuliefern fehlender Energie während der Sonnenfinsternis ist dabei das geringere Problem.

Die Heizkraftwerke in Berlin sind darauf vorbereitet. «Wir haben unsere Backup-Mannschaft um 50 zusätzliche Kräfte erweitert. Auch unser Kommunikationssystem und die Telefone sind um ein Backup-System ergänzt worden. So können wir schnell und flexibel reagieren», sagt Debusmann. Schwieriger ist es jedoch, eine Überlastung der Netze beim Wiederauftauchen der Sonne zu verhindern. Da die Stromnetze zudem europaweit organisiert und in Regionenzuständigkeiten zusammengefasst sind, regelt Berlin dies auch nicht für sich allein. «Für Freitag rechnen wir damit, dass wir in der Region Nordost-Deutschland Schwankungen von 2000 bis 4000 Megawatt innerhalb einer Viertelstunde bewältigen müssen», sagt Schäfer.

Dennoch sollten Endverbraucher keinesfalls versuchen, während der Sonnenfinsternis vorsorglich Strom zu sparen. «Bitte unbedingt alles genauso machen wie sonst auch», betont Schäfer. Denn die Vorausberechnungen der Energiedienstleister legen den Durchschnittsverbrauch zu Grunde.

Ein ähnlich großes Ereignis mit ausgiebiger Vorbereitung war für die Branche der Jahrtausendwechsel - auch da hatten viele einen Kollaps der Stromversorgung befürchtet. Doch dieser blieb aus. «Für uns war das damals fast langweilig», sagt Schäfer. Die vorausgehende Sonnenfinsternis von 1999 verlief stromtechnisch ebenfalls unspektakulär. Damals hatten die Experten in Berlin mit einer erhöhten Netzbelastung gerechnet, doch tatsächlich war das Gegenteil der Fall.

Von kommendem Freitag erhofft man sich bei Vattenfall jedoch einen großen Lerneffekt. «Die Sonnenfinsternis hilft uns dabei, etwas für die Zukunft zu lernen. Denn was wir am Freitag nach langer Vorbereitung als Ausnahmeerscheinung testen, könnte für uns in 15 Jahren längst Alltag sein», sagt Schäfer. Mehr dezentrale Energieversorgung durch Solar- und Windkraft im Rahmen der Energiewende erfordere schließlich immer flexiblere Anpassungsmöglichkeiten.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: 19. März 2015