Zu Besuch bei Diktatoren

Zu Besuch bei Diktatoren

Englands meist zitierter und meist gefürchteter Stilkritiker, Peter York, hat die Häuser und Paläste von mehr als einem Dutzend Diktatoren unter die Lupe genommen und bissig-kluge Essays dazu verfasst. Folgen Sie ihm in die sensationell hässlichen Paläste des Saddam Husseins, in die Hollywood-kitischigen Wohnräume von Ferdinand und Imelda Marcos sowie auf Adolf Hitlers bayrischen "Berghof".

  • Ein Fantasy-Gemälde an der Wand in einem von Husseins sicheren Häusern© John Moore/Associated Press/published by Wilhelm Heyne Verlag
    "Diese Softporno-Visionen sind durch und durch sadistisch und lächerlich. Auf einem Gemälde windet sich eine monströse Schlange um einen schwertschwingenden, organgeblonden Muskelknaben...Die Schlange scheint dem ausgestreckten Zeigefinger eines nackten Centrefolds mit riesigen Silikonbrüsten zu entspringen, zwischen deren Schenkeln sich ein weißes Playboyhäschen zwängt und sie offenbar oral befriedigt. Im Hintergrund wird das Geschehen von einer komischen grotesken Kreatur aus einem japanischen Horrorfilm der 1950er Jahre beobachtet."
  • Zu Besuch bei Diktatoren© Romeo Gacad/AFP/Getty Images/published by Wilhelm Heyne Verlag
    Gehen Sie auf Entdeckungsreise durch die Wohnhäuser von drei Diktatoren, die die Welt einst in Angst und Schrecken versetzten.
  • US-Soldaten sehen sich in einem von Husseins ehemaligen Palästen um© Brennan Linsley/Associated Press/published by Wilhelm Heyne Verlag
    Saddam Hussein war von 1979 bis zu seinem Sturz 2003 Präsident des Irak. Seit 1957 war er Mitglied der Baath-Partei, die sich in mehreren, letztendlich erfolgreichen, Versuchen an die Macht putschte. Mithilfe einer skrupellosen Geheimpolizei errichtete er eine Schreckensherrschaft, während derer tausende Menschen inhaftiert, gefoltert und ermordet wurden. Er pflegte einen uferlosen Personenkult und bereicherte sich und seine Familie auf Kosten der Bevölkerung. Seine zahlreichen protzigen Paläste legen davon Zeugnis ab.
  • Ein Marmoradler in einem von Husseins Palästen in Bagdad© Jassim Mohammed/Associated Press/published by Wilhelm Heyne Verlag
    "Das Bild zeigt einen Adler, der seine mächtigen Schwingen aus buntem Marmor um einen Türbogen spannt. Adler - ein letztendlich von den Römern entliehenes Symbol - begegnen einem im Land der Diktatoren immer wieder. Dieser hier wirkt trotz seiner Größe und des edlen Materials plump und dümmlich. Die römische Symbolik, so will es scheinen, ist über Walt Disney zu Saddam gekommen. Der Vogel wirkt bestürzend, abstoßend und faschistisch in seinem Aussehen und passt damit gut zu Saddams unmöglichen Sci-Fi-Fantasy Bildern."
  • Ein Fantasy-Gemälde an der Wand in einem von Husseins sicheren Häusern© John Moore/Associated Press/published by Wilhelm Heyne Verlag
    "Der tiefe Sadismus ist unübersehbar, und obendrein einige ziemlich kranke Vorstellungen von Rasse, Sex und Religion...Man kann sich solche Bilder...vorstellen bei einem Heavy-Metal-Freak vielleicht oder bei einer Teilzeit-Prostituierten. Und man hat auf erdrückende Weise das Gefühl, dass in Saddams Palästen nichts wirklich sauber ist..."
  • Die vergoldeten Armaturen im Badezimmer des besetzten Präsidentenpalastes in Basra© Simon Walker/Reuters/published by Wilhelm Heyne Verlag
    "In Saddams hirnrissigen Badezimmer mit seinen zahllosen Waschbecken ist der Chic der Edgware Road klar zu erkennen. Wer hat diesen Raum benutzt und vor allem wofür? Ist es vielleicht eine Art von Herren-Sammeltoilette? Und wenn nicht, wozu brauchen sie so viele Waschbecken in einem Raum?"
  • Husseins Küche© Mauricio Lima/AFP/Getty Images/published by Wilhelm Heyne Verlag
    Die provisorische Küche in der Baracke, die Hussein vor seiner Festnahme in ad-Dwar in der Nähe seines Heimatortes Tikrit bewohnte. "Dieses abgerissene Schlupfloch sieht aus wie die Behausung eines abgebrannten Junggesellen und Alkoholikers. Überall steht und liegt etwas herum, er muss für sich selbst kochen, das reinste Chaos."
  • Imelda Marcos´Schlafzimmer© Romeo Gacad/AFP/Getty Images/published by Wilhelm Heyne Verlag
    Ferdinand Marcos war von Beginn seiner Karriere an bekannt für Korruption und schreckte schon früh selbst vor Mord nicht zurück. Der studierte Jurist kam 1949 als Provinzpolitiker in das philippinische Parlament und war bereits Mitte der 1950er Jahre Dollar Multi-Millionär. 1954 heirate er er Imelda, ab 1965 regierten die beiden das arme Land als Präsidentenpaar. Sie liessen Oppositionelle ausschalten und installierten eine hochkorrupte Vetternwirtschaft. Als sie 1986 abgewählt wurden und ins Exil nach Hawai gingen, betrug ihr zusammengerafftes Vermogen schätzungsweise 100 Milliarden Dollar.
  • Ein Wandgemälde von Imelda Marcos, die gerade den Fluten entsteigt.© Romeo Gacad/AFP/Getty Images/published by Wilhelm Heyne Verlag
    "Die Aufnahmen von Imeldas Privaträumen stammen aus der Residenz in ihrer Heimatstadt Tacloban ... Sie hat die Ausstrahlung von frühem Hollywood-Kitsch ... Das Empfangszimmer ist protzig und übertrieben groß mit vergoldeten Leuchtern und in blassblauen und scharlachroten Farbtönen. An der Wand hängt ein riesiges, von Vorhängen eingerahmtes Bild, auf dem Imelda übertreiben dünn und europäisch dargestellt wird ... Der Marcos-Stil ist faszinierend grell, eine ziemlich verschrobene Mischung aus edelstem und übelstem Geschmack."
  • Imelda Marcos´Badezimmer© Romeo Gacad/AFP/Getty Images/published by Wilhelm Heyne Verlag
    "Natürlich ist die mitten im Raum stehende Wanne ein Whirlpool mit Massagedüsen, wie ihn die Neureichen von Beijing bis Billericay haben müssen ... Das Fenster hat die Form eines gotischen Spitzbogens, in den offenbar ein Buntglasfenster aus dem 19. Jahrhundert eingelassen ist ... Das Zimmer gleicht eher einer Kapelle als einem Badezimmer..."
  • Imelda Marcos´Schlafzimmer© Romeo Gacad/AFP/Getty Images/published by Wilhelm Heyne Verlag
    "Das Schlafzimmer ist ebenfalls im Stil von Hollywood und durch und durch feminin: die Film-Set-Fanatasie einer 1929 geborenen einstigen philippinischen Schönheitskönigin, die für das amerikanische Kino und seine Stars schwärmte."
  • Einige der vielen Paar Schuhe von Imelda Marcos, einsortiert in Regale im Präsidentenpalast© Reuters/Corbis/published by Wilhelm Heyne Verlag
    "Das Bild zeigt nur einen Bruchteil von Imeldas riesiger Schuhsammlung, die hunderte streng nach Modellen geordnete Paare umfasst ... Als die Nachfolgeregierung unter Corazon Aquino die Wohnräume des Ehepaars im Malacanang-Palast in Manila in Augenschein nahm, befanden sich dort ihren Angaben zufolge viertausend Paar Schuhe."
  • Hitlers Arbeitszimmer© Heinrich Hoffmann/Bayrische Staatsbibliothek/published by Wilhelm Heyne Verlag
    Der geborene Österreicher Adolf Hitler regierte von 1933 bis 1945 in Deutschland. In diesen 12 Jahren installierte er eine Spitzel- und Terrorherrschaft und stürzte ganz Europa in einen verheerenden Krieg. Seinen Antisemistismus machte er zur Staatsdoktrin, er ist Urheber des Holocaust, während dessen etwa 11 Millionen Juden und andere Minderheiten grausam gefoltert und ermordet wurden. Der von ihm ausgelöste 2. Weltkrieg kostete am Ende rund 60 Millionen Menschen das Leben. Die gezeigten Bilder stammen aus Hitlers "Berghof" bei Berchtesgarden, der 1945 bombardiert und 1952 gesprengt wurde.
  • Flurgewölbe© Heinrich Hoffmann/Bayrische Staatsbibliothek/published by Wilhelm Heyne Verlag
    "Der Eindruck ist streng, auf beinahe komische Weise nüchtern und 'männlich' ... Die Eingangshalle könnte ohne weiteres zu einem Kloster gehören. Hier handelt es sich eindeutig um das Haus eines Junggesellen, nicht einer Familie. Seine 'irgendwie großen' Pläne sind zu erkennen. Es ist eine Art Jagdhütte oder Skihütte oder dient dem Zweck, der in vergleichsweiser Abgeschiedenheit von der Dekadenz der Großstadt stattfindet."
  • Ein Globus und ein Gobelin-Teppich im Großen Saal© Heinrich Hoffmann/Bayrische Staatsbibliothek/published by Wilhelm Heyne Verlag
    "Die Symbolik des Berghofs (wird) ganz normal auf die deutsche Öffentlichkeit gewirkt haben, die diese Bilder - die meisten davon aufgenommen von Heinrich Hoffmann, Hitlers geschätztem Leibfotografen - Ende der 1930er Jahre überall in Zeitungen und Magazinen sahen. Die schlichten bayrischen Anklänge, die kleinbürgerlichen Details und der völlige Verzicht auf dämonisierte 'dekadente' Stilelemente werden genau den rechten Ton getroffen haben."
  • Der Salon© Heinrich Hoffmann/Bayrische Staatsbibliothek/published by Wilhelm Heyne Verlag
    "Im Salon sehen wir zwei nicht näher zu bestimmende Landschaftsbilder. Das an der Wand lehnende zeigt eine aufdringlich symbolisch Ansicht der sonnenbeschienenen Hänge der Umgebung, das hängende ein 'Segelboot vor felsiger Küste' im Stil des 19. Jahrhunderts, wie man es zu Dutzenden auf zweitklassigen Auktionen findet."
  • Porzellanfiguren im Salon© Heinrich Hoffmann/Bayrische Staatsbibliothek/published by Wilhelm Heyne Verlag
    "In der anderen Ecke des Salons befindet sich - extra für die Kamera hergerichtet - einer von Haslams 'Louis the Hotel'-Tischen, auf dem mehrere dieser unsäglichen Meißner oder Nymphenburger Porzellanfiguren stehen sowie aus unerfindlichen Gründen auch ein Frisiertischset aus Silber. Ungefähr so vornehm wie eine Hyazinthe im Blecheimer."
  • Das Sonnenzimmer mit Korbstuhl© Heinrich Hoffmann/Bayrische Staatsbibliothek/published by Wilhelm Heyne Verlag
    "Das Sonnenzimmer ist eindeutig ländliches Surrey mit Gummibaum, Korbstuhl, Teewagen, Topfpflanzen und Kanarienvogel. Es gibt eine Stehlampe aus dem Kaufhaus im Reprostil der 1830er Jahre mit einem mehrteiligen Pergamentschirm und einem Licht in der Mitte. Anders als die übrigen Räume wirkt dieses Zimmer vollkommen planlos." Bilder und Texte sind dem Buch entnommen "Zu Besuch bei Diktatoren". Mit freundlicher Genehmigung des Wilhelm Heyne Verlag. Genaue Angaben sowie ein Bestell-Link auf der nächsten Seite.
  • Infos zum Buch:© Jassim Mohammed/Associated Press/published by Wilhelm Heyne Verlag
    Alle Bilder und Zitate sind dem Buch entnommen: "Zu Besuch bei Diktatoren" von Peter York Einmalige Einblicke in die private Welt von Lenin, Stalin, Mussolini, Hitler, Tito, Franco, Peron, Ceausescu, Mobuto, Marcos, Idi Amin, Bokassa, Saddam Hussein, Noriega und Milosevic. DEUTSCHE ERSTAUSGABE Wilhlem Heyne Verlag, Taschenbuch, 192 Seiten, 17,0 x 22,5 cm, ISBN 3-453-67516-9, € 14,00

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