Mietminderung: Wie man bei Wohnungsmängeln vorgeht

Mietminderung: Wie man bei Wohnungsmängeln vorgeht

Millionen Mieter könnten aufgrund von Mängeln die Miete mindern. Wie man es macht, um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein.

Mietminderung

© dpa

Mehr als 100 Millionen Euro im Jahr verschenken Mieter nach Einschätzung des Deutschen Mieterbundes, weil sie Schimmelflecken, defekte Aufzüge oder morsche Fenster in ihren Wohnungen akzeptieren. Gleichzeitig dreht sich jede fünfte Rechtsberatung der örtlichen Mietervereine um Wohnungsmängel und Schadensbeseitigung.

Gründe: Heizung, Schimmel, Warmwasser, Aufzug

«Ein Mieter kann die Miete immer dann mindern, wenn die Wohnung einen Mangel hat», erklärt Ulrich Ropertz, Sprecher des Deutschen Mieterbundes in Berlin.

Anerkannte Gründe für eine Mietminderung können sein:
- defekte Heizung
- defkter Warmwasserboiler
- defekter Aufzug
- Wasser läuft an den Wohnungswänden herunter
- Schimmel größeren Ausmaßes

Ziel nicht Mietminderung, sondern Mängelbeseitigung

Bei all diesen Beeinträchtigungen sollte es das oberste Ziel des Mieters sein, dass der Vermieter diese Mängel abstellt und beseitigt. Außerdem gilt: «Man muss nicht 100 Prozent Miete zahlen, wenn die Wohnung nicht 100 Prozent in Ordnung ist», erklärt Ropertz.

Mangel muss erheblich sein

Dabei kann jeder Mieter die Miete eigenständig mindern. Grundlage ist die Bruttomiete, also die Miete inklusive Vorauszahlungen für kalte und warme Betriebskosten. Um die Miete reduzieren zu können, muss der Mangel allerdings schon erheblich sein. «Ein kleiner Wasserfleck von zwei Quadratzentimetern schränkt die Tauglichkeit der Mietsache nicht ein», sagt Jörn-Peter Jürgens vom Interessenverband Mieterschutz in Hannover.

Zuerst Vermieter schriftlich informieren und Frist setzen

Bevor der Mieter die Zahlungen reduziert, muss er seinen Vermieter informieren. «Erst dann hat der Mieter Rechte», sagt Ropertz. Außerdem haftet der Mieter, wenn er seinen Vermieter nicht benachrichtigt und der Schaden schlimmer wird. Am besten sollte man den Vermieter schriftlich benachrichtigen und dabei schon eine angemessene Frist setzen, sagt Jürgens. Bei einem defekten Dach kann man dem Vermieter sechs Wochen Zeit für die Reparatur geben, bei einem Heizungsausfall im Winter ein bis zwei Tage.

Fotos und Protokolle anfertigen

Wer sich auf einen Mangel beruft, muss diesen auch beweisen. Ropertz empfiehlt, Schäden wie Schimmelflecken zu fotografieren. Bei strittigen Mängeln wie Lärmbelästigung, sollten Mieter unbedingt Zeugen oder einen Sachverständigen hinzuziehen. Auch ein Lärmprotokoll sollten sie anfertigen, in dem Datum, Uhrzeit sowie Art und Dauer der Störung angegeben werden.

Auch höherer Mietteil kann einbehalten werden

Meist ist aber unstrittig, dass es ein Problem in der Wohnung gibt. «Entweder das Dach ist undicht, oder es ist nicht undicht», sagt Ropertz. Damit ist in aller Regel dann auch die Pflicht unstrittig, den Schaden zu reparieren. Rührt sich der Vermieter dennoch nicht, kann der Mieter neben der Minderung noch einen weiteren Teil der Miete einbehalten: das Drei- bis Fünffache der Minderung.

Extremfälle

Außerdem kann der Mieter im Extremfall selbst einen Handwerker beauftragen und die Kosten mit den künftigen Mietzahlungen verrechnen. Sollte der Mieter nicht genügend Geld haben, kann er sogar seinen Vermieter auf Vorschusszahlungen zur Durchführung einer Eigenvornahme verklagen, erklärt Jürgens. Dabei ist jedoch Vorsicht geboten. Denn der Vermieter argumentiert in einem solchen Fall häufig, er hätte es billiger bekommen können.

Quelle: kra/dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 9. März 2011 16:18 Uhr

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