Intelligente Häuser: Wohnen der Zukunft

Intelligente Häuser: Wohnen der Zukunft

Vernetzte Technik in intelligenten Häusern spart Energie und manchen Handgriff. Wann sich die Umrüstung lohnt.

Illustration eines «intelligenten» Hauses

© dpa

Die Grafik zeigt vereinfacht und symbolisch anhand der gelben Leitungen, welche Bereiche im Haus intelligent vernetzt werden können.

Die Heizung regelt sich automatisch, die Waschmaschine schaltet sich zu den günstigsten Stromtarifzeiten an und mit dem Abschließen der Tür aktiviert sich die Alarmanlage. Die vernetzte Gebäudetechnik ist keine Zukunftsmusik mehr.

Sämtliche Geräte im Haus sind vernetzt

Schrillende Alarmanlagen aktivieren automatisch schließende Jalousien. Ein Kühlschrank bestellt per Internet den Joghurt nach. Ist das intelligentes Wohnen? «Solch luxuriösen Schnickschnack braucht eigentlich niemand», sagt Petra Schmieder vom Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) in Frankfurt am Main.
Intelligentes Wohnen heißt, dass sämtliche Geräte im Haus - zum Beispiel Heizung, Beleuchtung, Belüftung und Sicherheitstechnik - vernetzt sind, um miteinander zu kommunizieren. Dadurch entsteht ein System, das sehr ökonomisch arbeitet und den individuellen Bedürfnissen der Menschen entgegenkommt.

Temperatur wird automatisch angepasst

Ein großer Vorteil liegt in der energieeffizienten Nutzung. Wenn zum Beispiel ein Fenster offen steht, regelt sich die Heizung automatisch herunter. Und wer das Haus verlässt, kann über eine zentrale Steuerung - sogenannte Panels - überprüfen und regeln, wo Licht brennt, Geräte noch eingeschaltet sind oder Fenster offen stehen - ohne jeden Raum einzeln betreten zu müssen.

Inzwischen ist es auch möglich, dass ein Haus die Temperatur automatisch anpasst, wenn der Bewohner das Gebäude verlässt oder nach Hause kommt, erklärt Prof. Alexander Klapproth von der Hochschule Luzern in der Schweiz. Im Forschungslabor der Hochschule «iHomeLab» beschäftigt er sich mit der Effizienz und Massentauglichkeit der Gebäudevernetzung.

Energiepreise werden berücksichtigt

Für die Vernetzung braucht es eine spezielle Technik, wie beispielsweise KNX. «KNX ist wie die Steuerzentrale des Hauses, sozusagen das Hirn», erklärt Schmieder. Von 2011 an werde diese und ähnliche Techniken an Bedeutung gewinnen - dann sind die Energieversorger gesetzlich verpflichtet, variable Tarife anzubieten.
«Das heißt, die Energiepreise könnten viertelstündlich erheblich schwanken», sagt Klapproth. Dann ist intelligente Technik gefragt, die die energieeffiziente Nutzung des Hauses ermöglicht. Schon jetzt sind bei Neubauten intelligente Energiezähler, sogenannte Smartmeter, vorgeschrieben, die digital Strom-, Wasser-, und Gasverbrauch messen. Sind diese entsprechend mit dem Gebäude vernetzt, kann der Bewohner jederzeit sehen, welches Gerät wie viel Energie verbraucht.

Umrüstung lohnt sich nur bei Komplettsanierung

Intelligentes Wohnen hat darüber hinaus auch einiges in punkto Sicherheit und Komfort zu bieten. Es ist möglich, jederzeit mit einem Smartphone auf das Haus zuzugreifen, und zwar nicht nur, um das Licht auszuschalten. Spezielle Sensorik im Boden oder an den Fenstern kann zusätzlich zur Alarmanlage einen Notruf auf dem Handy auslösen. Diese Notruffunktionen sind auch von Bedeutung für das selbstständige Leben älterer Menschen.
Aber wie mache ich mein Haus intelligent? «Die Umrüstung mit Vernetzungstechnik wie KNX lohnt sich wegen des Aufwands vor allem bei einer Grundsanierung», erklärt Schmieder. Um auch bestehende Häuser nachzurüsten, forscht das iHomeLab in Luzern an weiteren Technologien: Der Funkstandard ZigBee soll künftig die Geräte per Funk vernetzen. So müssten keine Leitungen mehr gelegt werden.

Noch ist ein Techniker für jede Neuanschaffung erforderlich

Eine weitere Option wäre die 230-V-Netzleitung Powerline. Hier werden die bestehenden Stromleitungen zur Vernetzung genutzt. «Allerdings kann nur das miteinander verbunden werden, was sowieso an der Stromleitung hängt. Nicht also etwa Fenster», so Klapproth. Eine weitere Hürde stellt die Kompatibilität der Geräte dar. Es ist nicht einfach möglich, jeden Fernseher oder Backofen mittels KNX oder ZigBee zu vernetzen. Zudem erfordert jede Neuanschaffung einen speziell ausgebildeten Techniker, der das Gerät in das System integriert.
Aber auch dem wird bereits entgegengewirkt. «Wir arbeiten an einer Lösung, bei der der Verbraucher selbst zum Systemintegrator wird», sagt Prof. Sahin Albayrak vom Innovationszentrum «Connected Living» in Berlin. Die Technologie soll automatisch Geräte erkennen und sie in das System integrieren.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: 20. Dezember 2010

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