Intelligentes Haus: Vernetzte Technik soll Senioren helfen

Intelligentes Haus: Vernetzte Technik soll Senioren helfen

Im Haus der Zukunft sind nicht nur das Arbeits- und das Wohnzimmer zusammengewachsen. Auch Heizung und Waschmaschine sind künftig vernetzt. Das soll beim Energiesparen helfen und das Wohnen bequemer machen - gerade für ältere Menschen.

Das Haus 2.0

© dpa

Im E-Haus auf der IFA sind alle Geräte vernetzt - das soll beim Energiesparen helfen und das Wohnen bequemer machen.

Das Elektroauto steht in der Garage und nuckelt Strom von der hauseigenen Solaranlage. Die Heizung dreht sich herunter, wenn das Fenster geöffnet wird. Und die Waschmaschine weiß, wann es den Strombedarf am günstigsten stillen kann. Ein solches Haus ist bisher noch eine Zukunftsvision. Technisch sind diese Dinge aber schon machbar, wie auf der Funkausstellung IFA in Berlin (3. bis 8. September) zu sehen ist. Dort steht ein Prototyp, in dem Besucher die Technik über ein iPad vom Wohnzimmer aus fernsteuern können.
Vernetzte Technik ist dabei nicht nur ein Thema für Jüngere, die zum Beispiel Musik drahtlos vom Heimcomputer auf die Stereoanlage übertragen wollen. Die Idee vom Haus 2.0 richtet sich auch an Ältere. «Ambient Assisted Living» ist hierbei das Stichwort. Gemeint sind damit Systeme, die ältere Menschen im Alltag zu Hause unterstützen.
Dafür gibt es einen wachsenden Bedarf. «2035 wird die Hälfte der Bevölkerung über 50 Jahre alt sein», sagt Klaus Mittelbach, Geschäftsführer des Zentralverbandes Elektrotechnik- und Elektrotechnikindustrie (ZVEI). «Wir müssen Voraussetzungen schaffen, dass diese Menschen lebenswert zu Hause leben können.» Einen Lösungsansatz sieht er im vernetzten Haus.
So können Hausnotrufsysteme dem ZVEI zufolge dabei helfen, dass Menschen länger eigenständig im gewohnten Umfeld bleiben können. Sensormatten zeigen zum Beispiel an, wenn jemand gestürzt ist. Denkbar sei auch eine Art Monitoring, sagt Petra Schmieder vom Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH). Ob bei der gebrechlichen Mutter alles in Ordnung ist, lässt sich zum Beispiel per Kamera kontrollieren. Dadurch könne älteren Menschen Sicherheit gegeben werden, meint Schmieder.
Eine solche Telebetreuung ist aber nicht alles, was das Haus 2.0 zu bieten hat. Mit dem E-Haus auf der IFA wollen die Verbände auch zeigen, dass Energiesparen und Komfort kein Widerspruch sein müssen. Zur Illustration wurde dabei ein Wohnzimmer mit vergleichsweise alter Technik aufgebaut - und eines, das auf dem neuesten Stand ist. Und siehe da: Der zentrale Monitor, über den etwa Heizung oder Jalousien gesteuert werden können, zeigt an, dass der Verbrauch der modernen Einrichtung nur etwa halb so hoch ist wie bei der alten.
Möglich wird dies auch mit Hilfe «intelligenter» Zähler, die den Energieverbrauch erfassen, auswerten und für den Bewohner transparent machen. Er sieht dadurch besser, wo sich Energie einsparen lässt. In der Waschküche signalisiert außerdem eine «Energie-Ampel» über der Waschmaschine, wann der Strom am günstigsten ist. Bevorzugt zu diesen Zeiten wird das Waschprogramm gestartet. Entsprechende Lösungen hat der Hersteller Miele unter der Bezeichnung «Smart Grid» vorgestellt.
Ob Kühlschrank oder Fernseher, Heizung oder Jalousie: Im «Smart Home» kommunizieren die Geräte miteinander und regeln sich bei Bedarf selbstständig. Oder sie lassen sich zentral steuern. Realisiert wird das im E-Haus über den Vernetzungsstandard KNX. Bewohner können die Technik über ein berührungsempfindliches Display steuern. Mit einem Smartphone lässt sich via Internet aber auch von fast überall lenken.
Das klingt für viele Menschen offensichtlich äußerst praktisch. Rund 56 Prozent der Bundesbürger interessierten sich für die Vernetzung in den eigenen vier Wänden, sagt Marco Preuss von der Firma Kaspersky, die Sicherheitssoftware herstellt. Er beruft sich auf eine Forsa-Umfrage. 54 Prozent hätten aber auch Bedenken, wenn es um die mobile Steuerung des Haushalts geht. Preuss wundert das nicht. Denn diese Technik eröffne viele Möglichkeiten des Missbrauchs. «Was ist, wenn die Kamera den Hausbesitzer nicht mehr erkennt und nicht mehr hereinlässt?», gibt er zu bedenken.
Die am E-Haus auf der IFA beteiligten Verbände sehen das gelassener. Zwar sind auch sie sich des Problems der Datensicherheit bewusst. Systeme wie im E-Haus setzten sich aber ohnehin nur durch, «wenn eine hohe Hackersicherheit gewährleistet werden kann», meint Bernd Dechert, Projektleiter des E-Hauses vom ZVEH. Bevor das E-Haus ganz oder in Teilen zur Realität wird, müssen die Kommunikationssysteme standardisiert werden. Wann es dazu kommt, ist für Klaus Mittelbach vom ZVEI auch eine Kostenfrage: «Die Technologie wird den Bedürfnissen folgen. Wenn es sich rechnet, wird es kommen.»

Quelle: dpa

| Aktualisierung: 14. Dezember 2010