Klatschmohn: Überlebenskünstler mit geringen Ansprüchen

Klatschmohn: Überlebenskünstler mit geringen Ansprüchen

Der Klatschmohn gibt sich mit wenig zufrieden - und wird dank intensiver Landwirtschaft immer seltener. Wer will, kann die zarte Sommerblume aber auch im Garten ziehen.

  • Klatschmohn© dpa
    Der Klatschmohn ist die Blume des Jahres 2017.
  • Schwarzer Basalfleck© dpa
    Die Blüte mit dem charakteristischen schwarzen Basalfleck erinnert an eine Tulpe, ist aber sehr viel empfindlicher.
  • Rote Blütenpracht© dpa
    Die hauchdünnen, duftlosen Blüten des Klatschmohn sind nur wenige Tage haltbar.
Kaum eine Blume ist von weitem so gut zu erkennen wie der Klatschmohn. Mit ihrer knallroten Blüte sticht die Sommerblume, auch Mohnblume oder Klatschrose genannt, aus ihrer Umgebung heraus. Klatschmohn gilt als klassisches Ackerkraut, ist inzwischen aber auch in Gärten zu Hause.

Milchsaft des Klatschmohns ist giftig

Die krautige Pflanze kann mit Blüte bis zu 80 Zentimeter hoch werden. Bricht der filigrane, borstig behaarte Stängel, tritt eine klebrige, milchige Flüssigkeit aus, die Alkaloide enthält. «Der Milchsaft ist giftig, enthält aber kein Morphium wie der Schlafmohn», erläutert Pflanzenexpertin Beate Kollatz vom Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie.

Blüten schmecken nach Haselnuss

Dennoch gelten die jungen, gefiederten Blätter vor der Blüte als genießbar. «Die Blätter können in geringen Mengen roh gegessen werden und schmecken ein wenig nach Haselnuss», sagt Kollatz. «Die Blütenblätter kann man als essbare Dekoration verwenden.» In kleinen Dosen soll die Mohnblume auch gegen Husten helfen und eine beruhigende Wirkung haben.

Klatschmohn wird immer seltener

Auch wenn er ursprünglich mit dem Getreide nach Europa kam, ist Klatschmohn (Papaver rhoeas) hierzulande immer seltener auf Feldern zu sehen. Als Ursache dafür gelten die intensive, technisierte Landwirtschaft und der Einsatz von Dünge- und Spritzmitteln gegen Ackerwildkräuter. «Eine ganze Lebensgemeinschaft, die uns seit Tausenden Jahren begleitet, droht zu verschwinden», sagt Axel Jahn, Geschäftsführer der Loki Schmidt Stiftung.

Mohnblume ist Blume des Jahres 2017

Die Mohnblume selbst ist zwar nicht vom Aussterben bedroht. Die Stiftung hat sie dennoch zur Blume des Jahres 2017 ernannt - als populären Stellvertreter für rund 350, zum Teil hochspezialisierte Arten, die nur auf Ackerflächen überleben können.

Klatschmohn ist anspruchslose Pflanze

Anders als diese Wildkräuter ist Klatschmohn ein Überlebenskünstler. «Klatschmohn stellt nur wenige Ansprüche», erklärt Jahn. «Heute ist er zum Beispiel auch auf Brachen, Schuttplätzen und auch in Gärten anzutreffen.» Eine Bedingung muss aber erfüllt sein, damit aus dem Samenkorn eine Mohnblume wachsen kann. «Der Boden muss offen sein. Auf einer Wildblumenwiese, Rasen oder einer anderen geschlossenen Pflanzendecke kann er sich nicht durchsetzen», sagt Jahn.

Mohn mit Ringelblume und Kornblume kombinieren

In einem brach liegenden Garten kann man die Pflanze daher gut einsetzen, um offene Flächen schnell zu begrünen - und so die Zeit bis zur dauerhaften Bepflanzung überbrücken. Aber auch später findet die Klatschrose mit ihrer tiefen Pfahlwurzeln noch einen Platz, zum Beispiel in Blumenrabatten oder zwischen Stauden. «In einem Naturgarten ist der Klatschmohn in Kombination mit Ringelblume, Saatwucherblume, Kornblume und der Schleifenblume gut aufgehoben», sagt Marja Rottleb vom Naturschutzbund Deutschland (NABU). Der ideale Standort ist sonnig, mit relativ stickstoffreichem Boden.

Lichtkeimer im März aussäen

Der Mohn ist ein Lichtkeimer. «Das Saatgut sollte flach ausgesät und nur leicht angedrückt werden», erläutert Kollatz. Sie empfiehlt, dass Saatgut ab März gestaffelt auszubringen, damit sich den ganzen Sommer hindurch frische Blüten bilden können. Ansonsten gilt die Mohnblume als pflegeleicht - mit trockenen Phasen kommt sie gut zurecht, Nachdüngen ist nicht notwendig. Im Gegenteil: Zu viel Dünger bekomme dem Wildkraut gar nicht, sagt Kollatz. «Die Pflanze wird sonst zu mastig, verliert an Standkraft und fällt um.»

Klatschmohn nicht als Schnittblume geeignet

Klatschmohn blüht ab Ende Mai und bis Juli. Die hauchdünnen, duftlosen Blüten sind nur wenige Tage haltbar. Als Schnittblumen für die Vase eignet sich der Klatschmohn daher nicht.

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Quelle: dpa

| Aktualisierung: 13. April 2017