Torffrei gärtnern: Alternativen zu herkömmlicher Blumenerde

Torffrei gärtnern: Alternativen zu herkömmlicher Blumenerde

Gartenerden mit Torf sind schlecht für die Umwelt und mindern die Qualität des Bodens. Dabei gibt es längst Alternativen.

Gewächshaus

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Pflanzen brauchen gute Erde zum Wachsen. In vielen Substraten ist aber Torf enthalten. Dessen Abbau schadet der Umwelt.

Mit Beginn der Gartensaison steigt auch der Bedarf nach Blumen- und Pflanzenerde. Was viele nicht wissen: Fast alle verkäuflichen Pflanzerden bestehen überwiegend aus Torf, dem Hauptbestandteil von Mooren. Bei manchen Erden liegt der Torfanteil sogar bei 100 Prozent. Wird der Torf abgebaut, hat dies weitreichende Folge für das Moor. Durch die Zerstörung und Entwässerung gehen eine einzigartige Tier- und Pflanzenvielfalt sowie ein effektiver Kohlenstoffspeicher verloren. Dabei gibt es für Hobbygärtner umweltverträgliche und klimafreundliche Alternativen.

Warum Blumenerde fast immer Torf enthält

Die Vorteile von Torf sind nicht zu leugnen. Das Material ist leicht, ein hervorragender Wasser- und Nährstoffspeicher und frei von Wurzeln und Samen von Unkräutern. Außerdem ist Torf besonders preiswert: Er muss nur abgebaut und in Säcke gefüllt werden. Ein weiterer Pluspunkt: Torf hat von Natur aus einen sauren pH-Wert und ist dadurch ein gutes Substrat für Pflanzen, die einen sauren Boden bevorzugen. Dazu gehören z.B. Rhododendren, Bergenien, Farne und Pfingstrosen.

Nachteile torfhaltiger Pflanzerden

Aus dem niedrigen pH-Wert ergibt sich aber auch ein Nachteil: Der Boden versauert. Für alle anderen Pflanzen wird das zu einem Problem, dem Hobbygärtner immer wieder durch die Gabe von Kalk und anderen neutralisierenden Zusatzstoffen begegnen müssen. Hinzu kommt, dass oft zusätzliche Nährstoffe in Form Dünger notwendig sind. Der größte Nachteil ist jedoch der Raubbau an der Natur. Ist das Moor einmal zerstört, kann es nicht wieder renaturiert werden.

Wertvoller Rohstoff ist nur begrenzt vorhanden

Laut der Umweltorganisation BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) werden hierzulande jährlich zehn Millionen Kubikmeter Torf verbraucht. Zweieinhalb Millionen davon landen direkt bei den Freizeitgärtnern. Um die hohe Nachfrage zu bedienen, kommt schon heute ein großer Teil der in Deutschland verwendeten Torfe aus den baltischen und russischen Hochmooren - auf Weiten Wegen und ohne Rücksicht auf die seltene und oft vom Aussterben bedrohte Flora und Fauna.

Alternativen zu Torf: Kompost, Humus, Holzfasern

Wer im Garten oder bei der Balkonbepflanzung auf Torf verzichten möchte, kann auf mehrere Alternativen zurückgreifen. Torffreie Gartenerden werden z.B. auf Basis von Kompost aus Grünschnitt und Rinden, Rindenhumus oder Holzfasern aus Nadelhölzern und Kokos hergestellt. Je nach Hersteller beinhalten sie außerdem Nebenprodukte wie Tonminerale und Lavagranulate für eine optimale Wasser- und Nährstoffspeicherung, Xylit für den idealen pH-Wert, oder den Naturdünger Phytoperis.

Torfmoos: Blumenerde der Zukunft?

Eine weitere Alternative könnte Torfmoos sein. Es hat die gleichen positiven Eigenschaften wie Torf, der aber nach der Ernte des Mooses im Boden erhalten bleibt. Derzeit werden verschiedene Torfmoose testweise auf Hochmoorgrünland angebaut. Auch der Anbau an Tagebaurestseen wird erprobt.

Torffreie Blumenerde erkennen

Torffreie Blumenerde gibt es inzwischen in recht vielen Baumärkten und Gartencentern. Käufer sollten jedoch genau hinsehen. Nur Produkte, auf denen "ohne Torf" oder "torffrei" steht, sind wirklich frei von Torf. Erden, die als torfarm oder torfreduziert ausgezeichnet sind, enthalten oft noch einen Torfanteil von bis zu 80 Prozent. Das gilt auch für Bio-Erden. Eine praktische Einkaufshilfe bietet der BUND an. In der Broschüre sind torffreie Erden nach Baumärkten, Gartencentern und Onlineshops sowie nach Herstellern sortiert aufgelistet.
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Quelle: BUND/NABU/Berlin.de

| Aktualisierung: 13. Juli 2018