Gemüse und Obst für den Balkon

Gemüse und Obst für den Balkon

Wer keinen Garten hat, muss auf frisches Obst und Gemüse nicht verzichten. Auch auf dem Balkon lassen sie sich gut ziehen. Ein paar Dinge sollte man dabei jedoch beachten.

  • Gemüse für Balkon und Terrasse© dpa
    Auf dem Balkon kann man auch Obst ziehen - Erdbeeren sind am beliebtesten.
  • Zucchini© dpa
    Damit Zucchini ausreichend Platz haben, brauchen sie Töpfe mit rund 20 Liter Volumen.
  • Radieschensamen© dpa
    Gemüseanbau ist auch im Topf möglich. Allerdings muss man auch die Topfgröße bedenken, gerade Radieschen brauchen viel Platz.
  • Gemüse für Balkon und Terrasse© dpa
    Auch viele Meter über dem Boden kann ein Mini-Beet angelegt werden - denn selbst in Blumenkästen auf dem Balkon gedeihen Kräuter gut.
  • Gemüse für Balkon und Terrasse© dpa
    Paprika eignen sich sehr gut für den Anbau in Töpfen und Kästen - Experten zufolge wachsen sie auf einem überdachten Balkon sogar noch besser als im Freiland.
  • Tomaten© dpa
    Tomaten sind sehr wärmeliebend. Damit die Früchte im Topf auch reifen, sollten sie auf einem sonnigen Balkon wachsen.
  • Kohlrabi© dpa
    Kohlrabi braucht nicht unbedingt einen vollsonnigen Standort, für ihn reicht auch der West- oder Ostbalkon.
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    Gemüsepflanzen sollten in ausreichend große Töpfe kommen, sobald sie eine bestimmte Größe erreicht haben.
Wer keinen Garten oder nur ein kleines Fleckchen Grün hat, der muss auf Gurken, Tomaten, Bohnen und Erdbeeren aus eigener Ernte nicht verzichten. Die Köstlichkeiten wachsen auch in Balkonkästen und Ampeln auf Balkon oder Terrasse. Manche Sorten gedeihen dort sogar noch besser als im Freiland.

Anbau von Gemüse und Obst im Kübel

Die Aufzucht von Gemüse und Obst im Kübel ist auch für Gartenbesitzer nicht ungewöhnlich und wird schon seit langem kultiviert: Bereits der Kurfürstlich-Sächsische Hofgärtner Johann Heinrich Seidel pflegte im 18. Jahrhundert sogenannte Obst-Orangerien. Der Adel wollte auf die Köstlichkeiten zu keiner Jahreszeit verzichten und das reife Obst an der gedeckten Tafel direkt vom Baum pflücken.
So wurden Zwergformen herangezogen und in feinen Keramiktöpfen direkt auf die Tafel gestellt. «Wer heute Obst oder Gemüse auf dem Balkon anbaut, hat vor allem Freude am Beobachten und eigenen Ernten», sagt Marianne Scheu-Helgert von der Bayerischen Gartenakademie in Veitshöchheim.

Balkon bietet gute Bedingungen

Der Balkon ist grundsätzlich gut geeignet für den Anbau von Gemüse, weil die meisten Arten wärmeliebend sind. Durch die Nähe zur Wand, die reflektierende Sonnenwärme, die schützende Brüstung und die Überdachung ist es hier generell ein paar Grad wärmer als in der Umgebung.
Die Pflanzauswahl ist wie auch im Garten abhängig vom Standort - also in diesem Fall der Ausrichtung des Balkons, sagt Thomas Wagner vom Bundesverband Deutscher Gartenfreunde. «Tomate, Aubergine, Zucchini und Gurken sind sehr wärmeliebend; für Pflücksalate, Mangold, Kohlrabi, Möhren oder Radieschen tut es auch der West- oder Ostbalkon.» Und um mehr Raum aus dem Balkon herauszuholen, kann man Gurken und Melonen sogar auf einem sonnigen Balkon am Rankgitter in die Höhe ziehen

Kein Gemüse auf dem Nordbalkon

Um die Pflanzen optimal mit Licht zu versorgen, gibt es allerdings ein Ausschlusskriterium für den Gemüseanbau an dieser Stelle: Ein Nordbalkon eignet sich nicht. Auf allen anderen aber können nicht nur Kästen an der Brüstung stehen, sondern größere Pflanzen auch auf dem Boden. Denn die Lichtmenge auf dem Balkon ist eigentlich ausreichend. Nur so können die Pflanzen zarte und schmackhafte Früchte bilden.
Bis zu sechs Stunden Sonnenlicht sind wichtig. Die Landschaftsgärtnerin und Buchautorin Ursula Barth rät aber davon ab, die Pflanzen auf einem Südbalkon ungeschützt stehen zu lassen. Sie würden unter Trockenheit leiden. Bastmatten oder andere Gefäße eignen sich als Schattenspender. Auch ein aufgespannter Sonnenschirm kann Abhilfe schaffen.

Hochwertige Erde und Dünger sind Pflicht

Neben Licht sorgen Wasser und Nährstoffe für Wachstum. «Hochwertige Substrate speichern viel Wasser und Nährstoffe», sagt Scheu-Helgert. «Und gleichzeitig sollte auch Luft an die Wurzeln kommen.» Hochwertige Balkonerde verspricht laut Barth einen guten Ertrag für Gemüse, ein Substrat mit Blähton ist gut für Obstgehölze. «Handelsübliche Erde ist vorgedüngt, aber gerade bei Starkzehrern ist dieser Dünger nach circa sechs Wochen verbraucht», erläutert Thomas Wagner. «Hier muss man mit Flüssigdünger nachdüngen.»
Noch besser sei es, vor dem Einpflanzen Hornspäne unter die Erde zu mischen. Davon profitieren die Pflanzen langfristig, denn der enthaltene Stickstoff wird erst nach und nach freigegeben. Die Früchte konventionell gedüngter Pflanzen seien natürlich bedenkenlos essbar. Allerdings gibt Wagner zu bedenken: «Wer in Bio-Qualität ernten möchte, braucht auch Bio-Dünger.»

Welches Gemüse sich für den Balkon eignet

Da sich die Pflanzen auf dem Balkon nicht selber versorgen können, muss man sie häufig gießen und ihnen große Töpfe geben, in denen viel Wasser gespeichert wird. Barth rät von unglasierten Tontöpfen ab, die viel Wasser ungenutzt verdunsten lassen. «Dunkle Töpfe heizen sich stark auf, so dass die Wurzeln beschädigt werden.» Weiter empfiehlt sie, immer morgens oder vormittags zu gießen, da dann das Wasser direkt verwertet werde. Gießt man abends, blieben die Pflanzen feucht und es könnten sich Pilzkrankheiten ausbreiten.
Tomaten, Paprika und Peperoni eigneten sich sehr gut für den Anbau in Töpfen und Kästen, erläutert die Agrarwissenschaftlerin Brunhilde Bross-Burkhardt. «Auf überdachten Balkon wachsen diese Arten sogar besser und gesünder als im Freiland, wenn sie gut mit Wasser und Nährstoffen versorgt werden.» Weiterhin empfiehlt sie Andenbeeren und Babyleaf-Salate oder Wilde Rauke.

Wie groß müssen die Töpfe sein?

Entscheidend für die Nährstoffversorgung einer Pflanze ist auch die Größe ihres Topfes, sagt Gottfried Röll von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau. «Je größer ein Topf, desto mehr Wasser und Nährstoffe können dort gespeichert werden. Und eine gleichmäßige Versorgung ist für das Wachstum enorm wichtig.» Er rät für Tomaten, Zucchini und Paprika zu 20 Litern pro Pflanze. «Bei Peperoni reichen auch mal 15 Liter.»
Cornelia Lehmann vom Verein zur Erhaltung und Rekultivierung von Nutzpflanzen in Brandenburg (VERN) gibt bei alldem zu bedenken, dass für manches einfach nicht der Raum auf dem Balkon da ist. «Ein einzelnes Radieschen gibt nicht so viel her. Radieschen sind schnell, aber man braucht sehr viel Platz, bis man einen Bund zusammen hat.»

Welche Pflanzen sich für den Balkon eignen

Besser geeignet sind platzsparende Multitasker. «Auf dem Balkon müssen die Pflanzen meist mehrere Funktionen übernehmen», sagt Barth. «Feuerbohnen, an Schnüren gezogen, bieten einen sehr guten Sichtschutz.» Dazu rät auch Bross-Burkhardt und ergänzt: «Setzt man ein paar einjährige Prunkwinden dazwischen, kann man bis in den Herbst mit Blütenschmuck rechnen.»
Auf dem ersten Platz beim Obst stehen Erdbeeren. Scheu-Helgert empfiehlt auch Himbeeren, Speisetrauben und Johannisbeeren. «Obstbaumschulen bieten seit einigen Jahren verstärkt kleinwüchsige Züchtungen von Baumobstarten wie Apfel, Birne, Kirsche, Zwetschge und Pflaume an», sagt Bross-Burkhardt. Und wer das Besondere liebt, sollte Kulturheidelbeeren pflanzen.

Kleine Obstbäume für den Balkon

Obstgehölze erfordern mehr Pflege, denn sie müssen gut durch den Winter gebracht werden. «Wer die Kübel nicht in der Erde vergraben kann, stellt den Topf unmittelbar an eine geschützte Hauswand und beugt mit Hilfe von Noppenfolie und Vlies, die um den Wurzelballen gewickelt werden, Temperaturschwankungen vor», rät Scheu-Helgert.
Damit der Blütenschmuck auf dem Balkon mit Obst und Gemüse nicht zu kurz kommt, kann man Obstbäumchen mit klassischen Balkonpflanzen unterpflanzen. Duftsteinrich (Lobularia) und Goldtaler (Asteriscus) bleiben relativ klein und bedrängen so die Gemüsepflanzen nicht.

Fotostrecken:

  • Setzlinge© dpa
    Gemüse und Obst auf dem Balkon anbauen
  • Blumen auf Balkon und Terrasse© dpa
    Beliebte Blumen für Balkon und Terrasse
  • Löwenzahn© Wirths PR
    Heilpflanzen & Heilkräuter

Quelle: dpa/BerlinOnline

| Aktualisierung: 2. Mai 2019

Obst & Gemüse aus eigenem Anbau