Miniermotte: Kastanienlaub radikal entsorgen

Miniermotte: Kastanienlaub radikal entsorgen

Die Miniermotte breitet sich in den Berliner Kastanien aus. Um sie zu stoppen, muss das Laub radikal entsorgt werden - und richtig.

Miniermottenbefall

© dpa

Die Kastanie ist noch gar nicht fertig gewachsen, da sind die Blätter schon braun und löchrig: Die Miniermotte vernichtet das Kastanienlaub regelrecht.

Fällt Kastanienlaub ab, sollte es schnell eingesammelt und entsorgt werden. Denn in die braun gefleckten Blätter haben Kastanienminiermotten Eier gelegt, erläutert die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen in Bonn.

Warum ist die Miniermotte schädlich?

Die Larven der Miniermotte fressen Hohlräume in das Blattinnere. In Mitteleuropa entwickelt die Miniermotte je nach Witterung drei bis vier Generationen pro Jahr. Vor allem die weiß-blühende Rosskastanie ist betroffen. Bäume, die über mehrere Jahre befallen werden, werden geschwächt und sind dann anfällig für Pilze und andere Krankheitserreger.

Was kann man gegen die Miniermotte tun?

Viel lässt sich im Moment nicht gegen die Miniermotte machen. Ein erneuter Befall im nächsten Jahr kann aber verhindert werden, indem das Laub vernichtet wird, erläutert die Landwirtschaftskammer. Es sollte in der Biotonne oder im Wertstoffhof entsorgt werden. Auf dem Komposthaufen können die Puppen der Miniermotten den Winter überstehen.

Wie ist die Situation in Berlin?

In Berlin sprechen die Behörden vom schlimmsten Jahr seit 2003. Die Zahl der Schmetterlinge sei im Jahr 2017 mehr als viermal höher als im Vorjahr. Laut dem Braunschweiger Julius-Kühn-Institut (JKI), dem Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen, ist ganz Deutschland betroffen - aber nicht alle Regionen gleich schwer.

Wie reagieren die Bäume auf den Befall?

Medienberichte unter anderem aus dem Saarland, Niedersachsen, Brandenburg, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen zeigen, dass Kastanien vielerorts bereits ihr «Notfallprogramm» gestartet haben. Nachdem sie wegen der Motten all ihr Laub verloren hatten, fingen sie zum zweiten Mal in diesem Jahr an zu blühen.

Warum sind Stadt-Kastanien besonders betroffen?

Obwohl die Blüte und der Laubabwurf die Bäume nicht schädigen, mache es sie doch anfälliger für Belastungen, denen die Kastanien gerade in der Stadt den Rest des Jahres über ausgesetzt seien, sagt Derk Ehlert von der Umweltverwaltung des Berliner Senats. Es geht um Streusalz, stürmische Windböen zwischen den Häuserschluchten und vor allem die für die Bäume lebensgefährlichen Bakterien und Pilze. «In Berlin werden deswegen schon gar keine Kastanien mehr gepflanzt», sagt Ehlert.

Wie ist die Prognose?

Das JKI sieht ebenfalls langfristige Risiken für die Baumart. «Durch einen jährlich wiederkehrenden Befall können Bäume geschwächt werden», sagt JKI-Sprecherin Gerlinde Nachtigall. Gebe es einen trockenen Sommer, könne der Baum durch den zusätzlichen Stress bei Sturm ganze Äste verlieren. Auch die Kastanienfrüchte würden kleiner.

Macht das Laubsammeln wirklich so viel aus?

Fleißig beim Laubsammeln waren vergangenes Jahr laut Derk Ehlert vor allem Cafés und Kleingartenbesitzer: «Man sieht genau, wo das Laub gesammelt wurde, und wo nicht. Hier sind die Bäume kahl, dort haben sie noch ihre Blätter.» Nach mehreren beinahe mottenfreien Jahren - seit 2014 sank die Zahl der Schädlinge jedes Jahr - hätten viele Menschen aber die Motivation verloren, sie zu bekämpfen.

Welchen Einfluss hat das Wetter?

Doch auch der milde Winter und das wechselhafte Sommerwetter haben ihren Anteil, sagt Ehlert: «Im Winter konnten die Motten so im Boden überleben, und der Regen fiel im Sommer immer nur dann, als die letzte Generation schon im Blatt war.» Das Problem bestehe bundesweit. «Es gibt keinen Schwerpunkt, ausgenommen können nur Bäume sein, die in sehr isolierten Bereichen oder auf Inseln stehen», erklärt Ehlert.

Warum dürfen Kastanienblätter nicht auf den Kompost?

Die Kastanienblätter im eigenen Kompost zu entsorgen, ist keine gute Idee. Denn dort entwickelten sich keine Temperaturen um 60 Grad Celsius, die die Insekten töten, so Ehlert. Er rät deshalb, das Laub an städtische Kompostanlagen zu übergeben - und sich besser über den weit verbreiteten Schädling zu informieren: «Viele wissen gar nicht, dass Miniermotten im Baum in ihrem Hinterhof leben.»

Quelle: dpa/BerlinOnline

| Aktualisierung: 25. September 2017