Rainer Schorr sieht Hochhäuser als Chance für Berlin

Rainer Schorr sieht Hochhäuser als Chance für Berlin

Berlin, 17.03.2021 – Traufhöhe, Umgehungsbebauung, Verschattung, Fallwinde ... es findet sich immer ein Argument, um gegen ein Hochhaus zu sein. Bis 1969, dem Jahr der Fertigstellung des Wohnhochhauses Ideal in der Fritz-Erler-Allee 120 im Berliner Ortsteil Gropiusstadt (Bezirk Neukölln), war das Europa-Center das höchste Hochhaus in Berlin und das zweite Bürohochhaus in Deutschland überhaupt – nach Düsseldorf mit seinem Thyssen-Hochhaus. Sein Pendant im Osten Berlins sind das 125 Meter hohe Hotel Stadt Berlin und der 368 Meter hohe Fernsehturm am Alexanderplatz. Die DDR wollte hier zeigen, dass sie mit dem Westen mithalten konnte. Beide Gebäude sollten für Ost-Berlin und damit für die repräsentative Hauptstadt eines anerkannten Staates mit leistungsfähiger Volkswirtschaft stehen. Die Entwürfe für das Hotel lieferte das Kollektiv Roland Korn, Heinz Scharlipp und Hans Erich Bogatzky und sie wurden zwischen 1967 und 1970 realisiert. Eröffnung war am 7. Oktober 1970, dem 21. Jahrestag der Gründung der DDR. Zu Anfang beschäftigte das 1006-Zimmerhaus rund 1000 Mitarbeiter. Das Hotel bot – neben den gängigen Serviceeinrichtungen wie Friseur, Verkaufsstelle für Reisebedarf etc. – auch einen Autoservice mit Werkstatt und Waschanlage.
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Wendelin Jacober - pexels.com
Im Kampf der Systeme wurden in den 1960er und 70er Jahren in Berlin noch eine ganze Reihe von Hochhäusern errichtet. Darunter das Springerhochhaus an der Kreuzberger Kochstraße sowie auf Ostberliner Seite die vier Wohnhochhäuser an der Leipziger Straße. Axel Springer wollte sein 78 Meter messendes Verlagshochhaus ausdrücklich als Beitrag im Kampf um die Einheit Deutschlands verstanden wissen. In einer Rede an seine Mitarbeiter des neuen Zeitungshauses sagte der Konzernchef am 28. November 1964: „[…] dass wir, wenn wir in die Kochstraße gehen, nicht nur in ein neues, schönes, großes Gebäude gehen – nicht nur in das historische Zeitungsviertel von Berlin: wir gehen in der Kochstraße auch einen Weg nach Deutschland, wenn man darunter versteht, dass es nicht lohnt, auf dieser Welt hohe Häuser für Zeitungen zu bauen, wenn man nicht eine Idee hat, die größer ist, als wir alle es selbst sind. Eine Idee, die heißt: Freiheit für alle Deutschen in einem Vaterlande mit der rechtmäßigen Hauptstadt Berlin und inmitten eines friedlichen Europa!“ Drei Jahre zuvor und unmittelbar nach Beginn der Bauarbeiten, wurde neben der Baustelle die Berliner Mauer errichtet.
Jenseits der Sektorengrenze entstanden auf DDR-Seite ab 1968 unter anderem vier Wohnhochhäuser an der Leipziger Straße. Im Berliner Volksmund gibt es für diese besonders hohen Bauten auch die Bezeichnung „Springerdecker“. Es wurde vermutet, er sei unter anderem errichtet worden, um die großen Werbeanzeigen der Springerpublikationen Bild, Berliner Morgenpost, Hörzu und B.Z. auf dem Dach des benachbarten Springer-Hochhauses zu verdecken. Für diese Sichtweise gibt es allerdings keinerlei Belege.
Seit dem Fall der Mauer entstehen Hochhäuser in Berlin vor allem als Zeichen des kreativen und wirtschaftlichen Aufbruchs. Zudem ist seit etwa 2010 – bedingt durch die steigenden Grundstückspreise und die Nachfrage internationaler Käufer – auch der Bau von Wohnhochhäusern attraktiv geworden. Eines der ersten ist das Living-Levels in unmittelbarer Spreelage in Friedrichshain, für dessen Bau das bekannteste noch verbliebene Stück der Berliner Mauer unter großen Protesten geöffnet werden musste „Die Zustimmung zu diesen Prestigeprojekten ist geteilt“, sagt Rainer Schorr, Geschäftsführer der PRS Family Trust GmbH. „Die Stadt braucht bezahlbaren Wohnraum für viele Menschen. Und die Sichtbarkeit der vielfach teuren Wohntürme steht in einem gewissen Gegensatz zu den Wohnbedürfnissen der überwiegenden Mehrheit der Berliner.“
Rainer Schorr - DLE Group AG
PRS Family Trust GmbH
Rainer Schorr, Geschäftsführer der PRS Family Trust GmbH - Foto: DLE Group AG
Weitaus gelassener steht die Berliner Stadtöffentlichkeit dem Bau von Bürohochhäusern gegenüber. Beispielhaft sind die bereits 1998 fertiggestellten Treptowers am anderen Spreeufer, mit dem mit 125 Meter aktuell höchsten Bürogebäude Berlins oder dem 80 Meter hohen Königstadt-Carrée an der Ecke Otto-Braun-Straße/Mollstraße, in dem die Mercedes-Benz Bank weithin sichtbar residiert. Seit den 2010er Jahren entstehen zudem auch wieder Hochhäuser im Westen der Stadt, die dort auch als Zeichen für einen Wiederaufstieg der zwischenzeitlich vernachlässigten City-West gesehen werden. Vorreiter sind das bereits 2013 eröffnete Hotel Waldorf Astoria an der Hardenbergstraße und das benachbarte Upper West des Architekten Christoph Langhof, das mit 118 Metern Höhe und seiner schwungvollen Fassade als neues Wahrzeichen der CityWest gilt.
In der jüngeren Vergangenheit stockte jedoch der Bau neuer Hochhäuser. Vorhaben wurden nur noch dort genehmigt, wo bereits ältere Bebauungspläne vorlagen. Unter dem aktuellen Senat verständigte man sich darauf, erst ein gesamtstädtisches Hochausleitbild entwickeln zu wollen. Dieses liegt seit Anfang des Jahres vor. Es enthält unter anderem Vorgaben zur Aufteilung von Büro- und Wohnflächen in einem Gebäude, oder zu architektonischen Standards und zur städtebaulichen Verträglichkeit des jeweiligen Projekts mit seiner Umgebung. Tatsächlich sieht das Hochhausleitbild in der gemischten Nutzung ein zentrales Anliegen. Nur 70 Prozent der Fläche eines Hochhauses dürfe etwa für Büros oder ein Hotel ausgewiesen werden, der Rest muss anders genutzt werden, zum Beispiel für Wohnen. Auch der nach dem Berliner Baulandmodell vorgeschriebene Anteil von 30 Prozent geförderte Sozialwohnungen komme bei Hochhäusern zur Anwendung. In Berlin soll der Mehrwert von Hochhäusern mit dadurch gewährleistet werden, dass das Erdgeschoss wie die oberste Etage öffentlich zugänglich sein sollen: Als Café, Park, Ausstellung, Restaurant, oder Sky Bar. Die Frage, wie hoch gebaut werden soll, ist im Hochhausleitbild nicht abschließend beantwortet und lässt Raum für Fantasien und Befürchtungen, je nachdem, wie man dem Thema Hochhaus gegenübersteht.
Das Hochhausleitbild für Berlin wurde vor der Corona-Pandemie auf den Weg gebracht. „Vor dem heutigen Hintergrund kann es krisenhafte Entwicklungen in einzelnen Nutzungsarten wie beispielsweise bei Hotel und Einzelhandel entschärfen“, sagt Rainer Schorr. „Die vorgeschriebene Mischnutzung kann sich sogar als Vorteil für institutionelle Investoren erweisen. Büro, Handel, Hotel, Verwaltung, Gastronomie, Wohnen, Bildung und Kultur sollen sich im Gebäude wiederfinden. Das bedeutet eine diversifizierte Mieter- und Nutzerstruktur mit entsprechender Investitionssicherheit.“
Eines der letzten Hochhäuser, das noch in der Prä-Leitbildära geplant wurde, ist das EDGE East Side Berlin an der Warschauer Brücke. Der 140 Meter hohe Büroturm wird sicher Diskussionen auslösen und Denkanstöße geben, weniger wegen des Mieters Amazon, sondern, weil der niederländische Entwickler EDGE maximal nachhaltig und ästhetisch avanciert baut. Weit im Osten der Stadt entsteht bis 2023 eine architektonische Landmark mit Platin-(Vor)Zertifikat der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB), die den Wunsch nach einer Sky-Line für Berlin noch einmal beleben könnte. „Wünschenswert wäre ein loses Band von Hochhäusern, das sich vom Ostkreuz, entlang des Friedrichshainer Spreeufers über Alexanderplatz, Leipziger Straße und Potsdamer Platz bis zur City West ziehen würde“, sagt Rainer Schorr. „Damit die Bedeutung Berlins als Metropole im Herzen Europas auch in der Höhe sichtbar wird. Ganz abgesehen davon, dass Hochhäuser den Flächenbedarf im Stadtzentrum deutlich besser befriedigen als jede andere Bauform.“
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Aktualisierung: 18. März 2021