Waschbären werden in Berlin zu Problembären

Waschbären werden in Berlin zu Problembären

Selbst in der City kann einem schon mal ein Mitglied der vielen hundert Berliner Waschbärenfamilien über den Weg laufen. Füttern darf man die putzigen Tiere aber nicht.

Waschbär

© dpa

Bitte nicht füttern!

Waschbären fühlen sich in Berlin sehr wohl. Im Jahr 2014 waren es noch geschätzte 800 Exemplare. Im Jahr 2017 waren es schon 600 bis 800 Waschbärenfamilien. Waschbären, die größenmäßig zwischen Katze und Fuchs liegen, sind vor allem in den Bezirken Spandau, Reinickendorf, Marzahn, Treptow und Köpenick zu Hause.

Fütterungsverbot für Waschbären in Berlin

Die Tiere bevölkern aber auch Gebiete rund um den Nollendorfplatz in Schöneberg sowie den Alexanderplatz und die Torstraße in Mitte. Da die Tiere fast überall Nahrung finden, können sich die Waschbären in der Stadt ungestört vermehren. Die Stadt hat bereits 2011 ein Fütterungsverbot erlassen. Wer sich nicht daran hält, riskiert nach dem Landesjagdgesetz eine Geldbuße von bis zu 5000 Euro.

Waschbären sind Allesfresser

Waschbären gehören zu den Allesfressern. Je nach Jahreszeit und örtlichem Angebot verspeisen sie Regenwürmer, Insekten, Schnecken, Mäuse, Vogeleier und sogar junge Vögel. Vor allem im Sommer und Herbst greifen sie vermehrt auf pflanzliche Kost zurück. Dann stehen Früchte und Samen auf dem Speiseplan. In Siedlungen plündern Waschbären auch gerne mal Obstkulturen und durchwühlen Komposthaufen. Sehr attraktiv sind auch die Inhalte von Mülltonnen und Papierkörben in Parks und auf Spielplätzen.

Kleinbären leben gern auf Dachböden

Die aus Nordamerika eingeschleppten Säugetiere nisten sich gern auf Dachböden ein und richten dort Schäden an, indem sie Dächer abdecken oder Wärmedämmungen abreißen. Aber auch Keller, Garagen und Abwasserkanäle sind als Unterschlupf oder dauerhaftes Quartier beliebt. In der Natur leben Waschbären bevorzugt in Höhlen in gewässerreichen Laub- und Mischwäldern.

Flauschige Ursache für heftigen Kurzschluss

Einen Zwischenfall mit Folgen verursachte im Sommer 2017 ein Waschbär auf der Suche nach einem Schlafplatz. Das possierliche Tierchen fand einen Weg in die Schaltanlage des Kraftwerks Reuter West und verursachte einen Kurzschluss. Erst gab es einen grellen Lichtblitz, dann kam ein lauter Knall, der Tausende Berliner aus dem Schlaf rieß. Das Dröhnen danach hielt die Anwohner eine Stunde lang wach.

Sind Waschbären gefährlich?

Nicht wirklich. Sie sind weder aggressiv noch greifen sie unbegründet Menschen an. Wildtiere bleiben sie trotzdem. Fühlen sie sich eingeengt oder haben sie Angst, können die Kleinbären durchaus beißen - und Krankheiten oder Parasiten übertragen. Einige Waschbären tragen Spulwürmer oder Spulwurmeier in sich. Andere leiden an Staupe. Das ist vor allem für ungeimpfte Hunde gefährlich. Theoretisch können sie auch Tollwut übertragen. Man sollte die Tiere daher weder füttern noch anfassen oder anlocken.

Grundstück vor Waschbären schützen

Gerade Haus-, Grundstücks- und Gartenbesitzer in Berlin können Einiges tun, um Waschbären fernzuhalten und die Population kleinzuhalten. Die wichtigsten Tipps:
  • Metallgitter auf dem Schornstein anbringen
  • Schlupflöcher an Dächern mit dauerhaften Baumaterialien schließen
  • Blechabdeckungen über Fallrohren anbringen
  • Abfälle und Mülltonnen mit schweren Steinen oder Spanngurten schließen oder unzugänglich aufbewahren
  • Gelbe Säcke am Abholtag rausstellen oder sicher wegschließen
  • Futter für Haustiere nicht im Garten oder auf der Terrasse lagern
  • Brot, Obst, Fleisch, Fisch und Milchprodukte nicht auf den Komposthaufen werfen
  • Reifes Obst ernten und Fallobst einsammeln

Quelle: BerlinOnline/Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz/Nabu Berlin/dpa

| Aktualisierung: 10. August 2018