Kälte-Therapie: Regeneration in der Kältekammer

Kälte-Therapie: Regeneration in der Kältekammer

Freiwillig bei minus 110 Grad Celsius bibbern- klingt verrückt, die Kryotherapie hat aber positive Effekte. Profi-Fußballer wissen das schon lange.

Besuch in der Kältekammer

© dpa

Die Kälte setzt das Schmerzempfinden herab: Unter anderem Rheumapatienten können von der Kryotherapie profitieren.

Für viele Menschen ist es wohl kaum vorstellbar: freiwillig einige Minuten bei minus 110 Grad Celsius in Badekleidung herum zu laufen. Gemeint ist der Besuch einer Kältekammer. Als echten Kick mit Adrenalin- und Endorphinschub bezeichnen Kammergänger die Erfahrung bei diesen Temperaturen. «Die Methode kommt ursprünglich aus Japan, sie wurde dann für Rheumapatienten mit Schmerzen in den Gelenken entwickelt», sagt der Mediziner Markus de Marées von der Deutschen Sporthochschule in Köln.

Haut kühlt sich bis zu 5 Grad Celsius ab

Kammer für Kammer nähert man sich der tiefsten Temperatur. «In der kältesten Kammer selbst sollte man schnelle Bewegungen vermeiden. Die meisten gehen dabei langsam im Kreis herum.» Immer bestehe Kontakt nach außen zu den Therapeuten, je nach Konzept blieben die Besucher ein bis drei Minuten in der Kälte. Die Haut kühlt sich demnach auf etwa 5 Grad Celsius ab, die Körpertemperatur bleibt aber in der Regel stabil durch Gegenregulation. Durch die Kälte sollen schmerz- und entzündungshemmende Mechanismen in Gang gesetzt werden.

Wo kann eine Kältetherapie angewendet werden?

Infrage kommt das Verfahren laut Frank Ruppenthal vom das Immanuel Krankenhaus Berlin, eine Spezialklinik für Rheumaorthopädie, Rheumatologie und Naturheilkunde, unter anderem für Rheuma- und Schmerzpatienten, Menschen mit Schlafstörungen, Depressionen oder Burn-Out-Syndrom sowie für Patienten mit Hauterkrankungen. Wo dies möglich ist, würden tägliche Gänge verordnet, etwa 10 bis 15 Mal gehören zu einem Behandlungszyklus. In der Zeit danach sollten sich die Patienten aktiv bewegen, in speziellen Fällen werde die Schmerzfreiheit zu Physiotherapie genutzt.

Was man beachten sollte

Einiges müssen Nutzer beachten, bevor sie in die Kälte schreiten: Sie müssen die Ohren, Hände und Mund vor den Minusgraden schützen und dürfen nichts anfassen. Haare und Haut müssen komplett trocken sein. Pflaster, Kontaktlinsen und Piercings müssen entfernt werden. Und das Herzkreislaufsystem sollte in Ordnung sein. Bluthochdruckpatienten beispielsweise wird von einem Besuch abgeraten.

Kältekammern für Sportler

Bundesligavereine wie Bayer 04 Leverkusen haben solch eine Kammer in Betrieb genommen, auch das Bundesleistungszentrum Kienbaum im Umland von Berlin hat eine im Angebot. «Wenn Sportler 14 Tage bei uns verbringen, dann nutzen sie die Kammer durchschnittlich vier- bis fünfmal in dieser Zeit», sagt Kienbaum-Geschäftsführer Klaus-Peter Nowack. Empfohlen werde die Kältetherapie etwa nach einer intensiven Trainingseinheit, um Muskelbeschwerden zu vermeiden. Auch vor einer größeren Belastung nutzen die Sportler die Kälte, sie gilt laut de Marées als Möglichkeit zur kurzfristigen Leistungssteigerung.

Wo findet man solche Kältekammern?

«In Wellness- und Spa-Einrichtungen in Deutschland kommen Kältekammern eher selten vor», sagt Lutz Hertel vom Deutschen Wellness Verband in Düsseldorf. Genaue Daten über die Häufigkeit lägen ihm nicht vor, in Österreich und Polen aber seien wohl mehr Wellnesshotels mit Kältekammern ausgestattet.

Wirkung nicht eindeutig belegt

Zur Kältetherapie gibt es eine Reihe von Studien, der Nutzen und die Wirkung sind jedoch nicht eindeutig. «Wissenschaftlich direkt mit Fakten ist wenig belegt zu dieser Form von Kältetherapie, die Studienergebnisse sind sehr heterogen», sagt de Marées. So sei die Zahl der Studienteilnehmer oft sehr niedrig, die Verweildauer in der Kammer unterschiedlich, und die Kältetherapie werde teils nicht isoliert angewendet, sondern beispielsweise mit Medikamenten oder anderen physikalischen Verfahren kombiniert.

Kältekammern & Kältetherapie im BerlinFinder

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Dienstag, 12. November 2019 13:12 Uhr