Yoga für alle: Spiritualität trifft Kommerz

Yoga für alle: Spiritualität trifft Kommerz

Matten, Kleidung, Babykurse, Hundestunden: Yoga wird immer schriller und kommerzieller.

Massenbewegung Yoga

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Gibt es auch schon: Yoga für Säuglinge.

Yoga- Die Meditations- und Körperübungen, denen früher ein Esoterikerimage anhaftete, begleiten den zeitgeistbewussten Mensch heute in allen Lebensphasen. Der Mensch hat es noch gar nicht auf die Welt geschafft, da wartet schon die erste Yogastunde. Im Mutterleib findet er mittels Schwangerenyoga zur Spiritualität. Als Windelträger geht es dann zum Babyyoga, danach zum Kinderyoga, Teenageryoga, Erwachsenenyoga, Wechseljahreyoga und Seniorenyoga. Es gibt Yoga im Gefängnis und für Nackte. Auch Krankenkassen erkennen Yoga als Präventionsmaßnahme teils an.

Yoga wird zur Massenbewegung

«Yoga hat sich von seinem alten esoterischen Image befreit und ist eine Massenbewegung», sagt Doris Hafner, Geschäftsführerin beim Berufsverband der Yogalehrenden in Deutschland (BDY), «wir haben ständig steigende Zahlen.» Grund dafür seien auch immer neue Szeneideen wie zum Beispiel Yoga auf Hochhäusern. «Es ist die tiefe Sehnsucht in unserer Konsumgesellschaft, Ganzheit zu erlangen.»

Yogalehrer kein geschützter Begriff

Der BDY zählt mehr als 20.000 Yoga-Lehrende und fünf Millionen Praktizierende in Deutschland. Eine Umfrage der Marktforschungsgesellschaft GfK zeigt, dass in 8,5 Prozent der deutschen Haushalte Yogatreibende zuhause sind. Doch die «Dunkelziffer» ist vermutlich höher. So darf sich zum Beispiel jeder Yogalehrer nennen, der will. Ein Zertifikat ist kein Muss.

Yoga als kommerzielle Mode

Doch diese Ganzheit ist ebenfalls Konsumgut geworden. Yogagestählte Promis wie Madonna und Jennifer Aniston bringen das Geschäft mit Yogamode und Yogavideos auf Hochtouren. Selbst Daniel Craig alias Obermacho James Bond setzt angeblich auf die sanfte Dehnung. Hersteller wie Adidas bieten Designer-Yogamatten von Stella McCartney an, andernorts gibt es atmungsaktive Matten aus Merino-Schafschurwolle oder Hello-Kitty-Matten für Kinder.

Yoga für Säuglinge: Was bringt es?

Der neueste Trend: Yoga für Säuglinge. «Aber Babyyoga steckt in Deutschland noch in den Babyschuhen», schränkt Katja Kunipatz, die in ihrem Berliner Studio Pitimini Yoga für Winzlinge anbietet, ein. Oft ernte sie Unverständnis. «Aber es geht ja nicht darum, dass die Babys 'Ommm' machen. Es geht darum, die Beziehung zwischen Eltern und Kind aufzubauen. Beide tun sich etwas Gutes.» Kinder werden bewegt und massiert, Mütter dürfen entspannen.

Allerdings: Wissenschaftlich sei ein positiver Effekt für die Babys nicht nachgewiesen, sagt Stephan Eßer, Hauptgeschäftsführer vom Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte. «Aber schädlich ist es nicht - wenn die Säuglinge nicht gerade einen Sonnengruß machen müssen.»

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Quelle: dpa

| Aktualisierung: Dienstag, 3. Mai 2016 16:20 Uhr

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