Umweltbundesamt warnt vor Produkten mit Nanopartikeln

Umweltbundesamt warnt vor Produkten mit Nanopartikeln

Nach erschreckenden Studien raten Experten dringend von dem Einsatz von Nanotechnologie in Lebensmitteln, Kleidung und anderen Produkten ab.

Nanotechnologie

© dpa

Nanotechnologie macht's möglich: Honig perlt vom Löffel ab.

Das Umweltbundesamt (UBA) warnt vor Gesundheitsgefahren, die aus dem industriellen Einsatz von Nanotechnologie in Nahrungsmitteln, Kleidungsstücken, Kosmetika und anderen Produkten resultieren können.

Das Amt empfehle in einer noch unveröffentlichte Studie, Produkte mit den kleinen Partikeln so lange zu vermeiden, wie ihre Wirkungen in der Umwelt und auf die menschliche Gesundheit noch unbekannt sind.

Partikel überwinden Blut-Hirn-schranke

Die Verwendung Millionstel Millimeter kleiner Partikel ist für viele Industriebranchen interessant, weil sie nützliche chemische und physikalische Eigenschaften besitzen. Ihre Winzigkeit birgt allerdings auch die Gefahr, dass sie viel eher die natürlichen Barrieren im Körper überwinden - die Blut-Hirn-Schranke etwa.

Erschreckenede Forschungsergebnisse aus China

Chinesische Forscher hatten im August eine Studie veröffentlicht, nach der Nanopartikel in Farben schwere Lungenkrankheiten verursachen können.
Die Forscher hatten 2007 und 2008 eine Gruppe von Arbeiterinnen untersucht, die in einer Halle arbeiteten, wo Polyacrylat-Farbe auf Kunststoffplatten gesprüht wurde. Die zuvor gesunden Frauen hatten nach 5 bis 13 Monaten Arbeit in dem Raum über massive Lungenprobleme geklagt, zudem hatten sie einen juckenden Ausschlag auf den Armen und im Gesicht.

Nanopartikel in der Lunge gefunden

Die Untersuchung zeigte, dass alle sieben Arbeiterinnen unter einer Lungenfibrose litten. Dabei bildet sich verstärkt Bindegewebe in der Lunge, die zunehmend versteift. Betroffenen fällt es schwerer zu atmen, die Sauerstoffversorgung wird eingeschränkt. Zwei der Frauen starben binnen zwei Jahren.

Bei Analysen von Lunge und Brustfell wurden bei den Frauen Nanopartikel von rund 30 Nanometer Durchmesser gefunden, die sich in den Zellen und im Blut des Gewebes eingelagert hatten. Sie stammten aus der Farbe, die von den Frauen täglich verwendet wurden.

Nanopartikel stören Hirnentwicklung

Japanische Forscher haben vor wenigen Wochen eine Studie veröffentlicht, der zufolge Nanopartikel die Hirnentwicklung bei Föten beeinflussen können. In Tierversuchen wurde mehrfach gezeigt, dass Nanopartikel zu Entzündungen der Lunge führen.

Konkret hatten die Japaner herausgefunden, dass Titandioxid-Partikel die Umsetzung von Erbgutinformationen in Proteine stören. Betroffen waren unter anderem Gene, die bei neurologischen Störungen eine Rolle spielen. «Unsere Ergebnisse stützen die Befürchtung, dass dieses spezielle Nanomaterial das Potenzial hat, die menschliche Gesundheit zu beeinflussen», so die Forscher.

Umweltbundesamt will Kennzeichnungspflicht

Wenige Nanometer (Millionstel Millimeter) winzige Titandioxid-Partikel werden etwa in Sonnencremes, zur Luft- und Wasserreinigung und für selbstreinigende Oberflächen eingesetzt.

Das Umweltbundesamt fordert nun eine Kennzeichnungspflicht und ein Melderegister für Produkte, die Nanopartikel enthalten. Davon wären mehr als 800 Unternehmen in Deutschland betroffen, die in der Nanotechnologie tätig sind.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 21. Oktober 2009 10:32 Uhr

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